Saar-Hunsrück-Steig: Ruwerroute (2) – die zweite

2. Wandertag, Freitag, den 21. 07. 2017

Etappe 26 von Kell am See nach Riveris

ca. 16 km

Am zweiten Wandertag ging es praktisch von Stausee zu Stausee, von Kell nach Riveris.

Nachdem meine Freundin und ich das Hotelzimmer im Landhotel Haus Doris geräumt und unsere Sachen in ihrem Auto verstaut hatten, wanderten wir um 9:30 h in Kell am See los – erst einmal wieder zurück zum Stausee, an dem die nächste Etappe weitergehen sollte.

Welch ein blauer Himmel! Der Wettergott meinte es gut mit uns!

Der Stausee wurde zur Hälfte umrundet und bot sich uns in seinen prächtigsten Ansichten dar.

Neben dem See befindet sich ein Landal Ferienpark mit hübschen kleinen Häuschen und akkurat gepflegtem Rasen davor. Idyllisch hier! Aber schade, dass man nicht im See baden darf. Das würde sich hier anbieten.

8

16-1

Es war schon recht warm, so dass wir direkt mit kurzen Hosenbeinen gestartet sind. Da freuten wir uns, dass es ab jetzt eine längere Zeit durch schattigen Wald gehen sollte. Und auch hier empfing uns wieder ein sehr abwechslungsreiches Terrain: schmale Pfade durch Fichtenforst, feuchte und etwas matschige Wege zwischen hohem Farn hindurch (mit Bremsenbesuch), über kleine Bächlein oder durch lichten Buchenwald. Und immer wieder luden die Himbeersträucher zum Naschen ein. Mhm, lecker!

Nach und nach stieg der bestens ausgeschilderte Weg an und wir erklommen den 640m hohen Rösterkopf (im meinem Buch heißt er Rüsterkopf).

Ein ganz anderes Bild tat sich hier oben auf. Wer Weitsicht oder ein Gipfelkreuz auf dem Berg erwartete, war fehl am Platz. Auf der recht ebenen Kuppe des Berges, dem Quellgebiet der Ruwer und anderer Bäche, befindet sich nämlich ein Moor mit lieblichen, zart gewachsenen Birken und Erlen.

Und um die Pflanzenwelt möglichst wenig zu belasten, schlängelt sich ein knapp 400 m langer Knüppeldamm durch das Quellmoor hindurch. Ich mag das Geräusch meiner Schritte, wenn ich über solche Stege gehe.

33-1

Ab hier, so zeigte uns das Höhenprofil des Wanderbuchs an, ging es praktisch bis zum Ziel nur noch bergab. Und so ließen wir uns rollen – nee, natürlich nicht! Wir genossen das beschwingte Gehen bergab, suchten uns eine Bank für eine Verschnaufpause und wanderten weiter, bis sich kurz vor Holzerath der Wald auftat und wir auf die freie Flur traten.

Hier weitete sich der Blick über die Hügel rechts und links des Ruwertals. Man konnte Bonerath erkennen, aber noch nicht die Riveris-Talsperre. Sie war aber zwischen den tiefen Taleinschnitten zu erahnen.

Nun ging es etwas steiler bergab Richtung Bonerath, durch Wiesen und Felder. Auch hier blühten wieder die herrlichsten Wildblumen am Rain.

69

Am Rand von Bonerath, am Abholpunkt 16, machten wir Mittagspause. Abholpunkte sind eine sehr praktische Einrichtung des Saar-Hunsrück-Steigs für Wanderer, die bei ihrem Hotel einen Transfer gebucht haben und an diesen Punkten abgeholt werden wollen. Hier befindet sich zudem die Bushaltestelle „Talsperrenblick“, von der aus man mit dem Bus Waldrach bzw. Trier erreichen kann. Die Talsperre allerdings war von diesem Ort aus unsichtbar!

Wir waren bis hier 11,5 km gelaufen und langsam wurden uns die Füße schwer. Doch die Aussicht, dass es bis zu unserem Hotel nur noch bergab gehen würde, beflügelte uns wieder. So stiegen wir beschwingt ins Tal zum Riverisstausee hinab. Es ging einen steinigen Hohlweg hinab, eindeutig ein Wanderweg, doch an dessen Ende stand ein Anliegerschild, das die weitere Zufahrt zum See einschränkte. Für welche Fahrzeuge sollte das gelten? Etwa für Mountainbiker? Wer da lang fährt, ist eindeutig ein Anlieger! Ich fand’s lustig!

Endlich ließ sich die glitzernde Oberfläche des Stausees zwischen den Zweigen ausmachen. Bis auf Seeniveau kam man zwar nicht hinunter, doch schlängelte sich ein ebener Weg ein schönes Stück oberhalb des Staubeckens entlang, vorbei an der angeblich längsten Bank auf dem SHS (auf der man auch schlafen kann, wie uns ein Paar demonstrierte). Überhaupt – endlich andere Wanderer! Am ersten Tag war uns kein Mensch begegnet, am zweiten Tag bisher ein Jogger in der Nähe des Landalparks und eine Wanderin am Rösterkopf. Aber jetzt, entlang des Sees, begegneten wir kurz hintereinander mehreren Wanderlustigen. Hier verläuft der SHS auch parallel zur Traumschleife „Morscheider Grenzpfad“.

Hinter der Talsperre, so wussten wir, ist es nicht mehr weit bis Riveris. Die Hitze nahm langsam zu. Es wurde Zeit, anzukommen. Plötzlich wurde das Gelände felsiger. Ach, wie liebe ich diese Ansichten im Hunsrück!

Doch, oh Schreck, der Weg ging ja gar nicht gemächlich weiter ins Tal! Das grün-blau-weiße Schild des SHS wollte uns doch glatt weismachen, dass wir einen felsigen Pfad links die Hangkante hinaufkraxeln sollten? Huch? Riveris lag aber doch rechts unterhalb von uns! Ganz sicher! Na ja, wir sind ja folgsam…

Ja, so gehts auf dem Steig immer wieder anders als man denkt :-). Es bleibt spannend. Zweimal noch schlängelte sich ein Querpfad hinauf zum nächst höherliegenden, parallel zur Hangkante verlaufenden Wirtschaftsweg, bis wir den „Langenstein“ erreichten, eine bizarre Felsformation.

Und direkt daneben steil hinunter und einmal quer über die Felsformation ging der Weg dann weiter. Solch kleine Kletterpassagen beleben den Wanderalltag, aber es war doch ziemlich steil und auch kein Durchkommen, weil ein umgestürzter Baum den Weg versperrte. An den Zweigen der Bäume festhaltend, hangelten wir uns direkt nach unten.

Sicher wieder auf dem Wirtschaftsweg unterhalb des Felsens angekommen, musste ich doch mal unbedingt die schönen Formen fotografieren, die die Wassermassen der vorgestrigen Nacht auf dem Weg hinterlassen haben.

Überhaupt waren an jedem abschüssigen Weg deutliche Furchen kleiner Bäche zu sehen gewesen, so dass ich oft zu meiner Freundin Doris sagte, wie froh ich sei, bei trockenem Wetter unterwegs zu sein. Es war schon ein „running gag“, dass in unserem Wanderbuch hinter jeder Etappenbeschreibung ein Hinweis darauf stand, dass die Wege bei nasser Witterung rutschig und schwer begehbar sein könnten und hin und wieder auch Trittsicherheit erforderlich sei. Mit meinem Höhenschwindel und der Veranlagung, schnell umzuknicken, male ich mir dann vorher immer die „dollsten Szenarien“ aus. Doch ohne Scherz: diese Stelle am Langenstein war die einzige auf dieser Etappe, die etwas mehr Aufmerksamkeit erforderte.

Endlich kam auch der Zuweg nach Riveris in den Blick. In kleinen Serpentinen schlängelte sich der Weg hinab ins Tal und plötzlich standen wir mitten auf einer gepflasterten Wohnstraße des Dorfes. Die schwüle Hitze erschlug uns förmlich!

Wir wussten auf Anhieb nicht, welche Straße wir zum Hotel gehen sollten (hätte ich doch das Hotelschild, das weiter oben am Zuweg aufgestellt war, mal studiert!). Mein Handy hatte keinen Empfang und mit meinem GPS-Gerät stehe ich manchmal auf Kriegsfuß. Es dauerte also ein paar Minuten, bis es mir die Straßennamen anzeigte und ich die Adresse des Hotels heraus gekramt hatte. Aber die kurze Zeit reichte aus, damit wir beide klatschnass geschwitzt waren.

Glücklich und müde erreichten wir um 15:20 h nach 16,6 km das Hotel zum Langenstein. Es hatte um diese Uhrzeit noch nicht geöffnet, aber wir durften anrufen. Doch wie, ohne Telefonnetz? Zum Glück hatte Doris mit ihrem Gerät weniger Schwierigkeiten und so gewährte man uns Einlass. Um 16 h wurden wir vom Hotelier nach Kell am See zurückgefahren (das hatten wir vorher gebucht), weil wir das Auto noch nachholen wollten. Das verbanden wir dann noch mit einem Belohnungsbier (Benediktiner Weißbier alkoholfrei – für mich das leckerste!) und einem Sprung ins kühle Nass des schön angelegten Freibads zwischen Kell und Schillingen.

Abends gab es dann leckeres Essen auf der Hotelterrasse. Nicht nur das von mir bevorzugte Weißbier, sondern auch die Rieslingweine aus dieser Region sind wirklich lecker!

107

(Anmerkung: Einige Bilder dieses Beitrags wurden von Doris aufgenommen und mir zur Verwendung in diesem Blog überlassen. Vielen Dank!)

Und auch zu dieser Etappe gibt es wieder ein kleines Video:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s