Saar-Hunsrück-Steig: Ruwerroute (3) – Trier, wir kommen!

3. Wandertag, Samstag, den 22. 07.2017 – unterwegs auf dem Saar-Hunsrück-Steig

Etappe 27 von Riveris bis Trimmelter Hof (Trier), ca. 16 km

Entlang der Ruwer ∼∼∼

Und wieder hat es nachts geregnet. Wir schlummerten davon unbehelligt bis 8 h in unserem Dachzimmer im Hotel zum Langenstein in Riveris. Nachdem wir erneut all unsere Sachen im Auto verstaut und den Tagesrucksack geschultert hatten, ging es bei stark verhangenem Himmel auf unsere letzte Tagesetappe der Ruwerroute.

Trier – wir kommen!

Wir liefen aber nicht den gestrigen Zuweg und den steilen Aufstieg zum Steig zurück, sondern folgten der Straße Richtung Morscheid, bis der Steig diese kreuzte.

Wir studierten das Hinweisschild. Von dieser Stelle sollten es noch 17,3 km bis Trier sein? Das kam uns spanisch vor. Jemand anderem wohl persisch, denn auf allen Schildern im Umkreis von Riveris hat jemand neben Trier „Persien“ geschrieben. Laut unserem Wanderführer sollte die Distanz zwischen Kasel und Trier (Trimmelter Hof) nur 8,1 km betragen und von hier waren es nach Kasel noch 5,6 km. Macht nach Adam Riese und Eva Zwerg zusammen 13,7 km. Sehr merkwürdig.. Zahlendreher??

Unabhängig davon schlängelte sich der Steig aber wieder gewohnt idyllisch unterm Blätterdach dahin. Da fing es an zu tröpfeln, aber nur so wenig, dass wir noch nicht einmal daran dachten, unsere Jacken anzuziehen. Warm genug war es allemal.

Und auch hier wurde der Steig in letzter Zeit wohl verlegt. Laut Karte sollte er parallel zur Ruwer an der Hangkante entlang bis nach Waldrach führen, doch wiesen uns die Schilder weiter hinauf auf die Kuppe nach Morscheid. Es ging am Rand des Dorfes entlang, bis uns auf einer eigens dafür errichteten Plattform auf der anderen Seite der Kuppe ein Blick hinab ins Nachbartal gewährt wurde. Das Dach des noch jungen Schlosses Marienlay, heute ein Weingut, lugte aus dem Wald hervor.

Nun durften wir aber endlich ins Ruwertal absteigen. Der Regen hatte aufgehört, die Sonne kam heraus und würzte uns die Wege mit schimmerndem Licht. Der Abstieg war teilweise recht zugewachsen und auch Dornen umrankt. Klingt eigentlich romantisch, oder? Und an einer Stelle habe ich erst verstanden, was eigentlich ein Schilderwald ist.

Auf dem Uferweg an der Ruwer trafen wir Nähe der Schleifmühle ein.

Ab hier ging es bis Kasel quasi flach weiter, immer dem Fluss folgend. Teilweise lief man auf dem Ruwer-Radweg, teilweise gab es nur ganz kurze Abstecher zum Flussufer hinab durch mannshohe „Wälder“ von Drüsigem Springkraut hindurch. Urwaldfeeling, yeah!

Ja, ja – jede Möglichkeit, Asphalt zu umgehen, muss ausgenutzt werden. Die Premiumpunkte vom Deutschen Wanderinstitut kommen schließlich nicht von irgendwoher!

Wir erreichten Waldrach und legten eine kurze Pause an einem Stück der ehemaligen römischen Wasserleitung, die hier mal bis Trier geführt hatte, ein. Doris musste etwas Geld zapfen und ich verspürte ein wenig Kaffeedurst.

Doris schlug vor, doch erst in Kasel eine Kaffeepause zu machen. Ich glaube, sie wollte erst mal Strecke machen. Die Kilometerangaben bis Trier wurden nämlich nur unmerklich weniger. Also, weiter! Entlang der idyllischen Ruwer lief es sich gut und bald bog der Steig auch wieder vom Radweg ab und bahnte sich seinen Weg über Felder und durch den Wald.

In Kasel hatten wir Glück im Unglück. Laut Karte gab es zwei Gastronomiebetriebe. Das erste Restaurant erwartete eine Hochzeitsgesellschaft und ließ uns nicht ein, das zweite hatte morgens um 11 h noch zu. Doch wurde gerade geputzt und die Tür stand offen. Da ich mir solche Gelegenheiten nicht entgehen lasse und meist frage, ob ich die Örtlichkeiten aufsuchen darf, ergab es sich, dass die freundliche Wirtin vom „Schnitzelhaus“ nach unserem Begehr fragte und uns – Öffnungszeiten hin oder her – je einen Kaffee auf der Terrasse servierte. Das ist wahre Gastfreundschaft. Herzlichen Dank!! Nebenan im Landgasthof „Haus der Ruwer“ in Kasel kann man auch übernachten (www.haus-der-ruwer.de).

Nun begann also die offizielle 27. Etappe ab Kasel. Für uns war es, als hätten wir schon einen (kleinen) ganzen Wandertag hinter uns, obwohl es erst Mittag war. Und der große Aufstieg, der im Höhenprofil des Wanderführers wie die Eiger Nordwand aussah, stand uns jetzt bevor! Alles halb so wild. Jeder weiß, dass ein Diagramm ganz anders wirkt, wenn man die Skala an einer Achse ändert. Es handelte sich nämlich (nur) um 240 Höhenmeter, verteilt auf 3 Kilometer.

Gemächlich sanft aufwärts, aber stetig ansteigend zog (ja zog!) sich der Weg hinauf. Das ist oft ermüdender als ein kurzer knackiger Aufstieg. Aber der Weg war dennoch wunderschön und angenehm schattig im Wald. Neben uns, d.h. neben mir, denn Doris geht bei Aufstiegen meistens hundert Meter vor mir, plätscherte im tiefen Siefen ein Bach. Zeit, den Mund zu halten und seinen Gedanken nachzugehen, den harzigen Duft einzuatmen und nach Tieren Ausschau zu halten. Ein munterer brauner Geselle kletterte den Fichtenstamm empor. War es wirklich ein Eichhörnchen oder etwa ein Baummarder? Ich konnte es nicht richtig ausmachen.

Auf der Höhe angekommen sollte die Mittagspausen-Bank in der Sonne auf uns warten. Wir geben meistens diese Bestellung beim Universum auf! Freie Sicht auf sanft wogende Felder, ein Bauer bei der Ernte. Aber wo ist die Bank??

Nicht entmutigen lassen! Einige Schritte weiter hinab ins Tal ließen uns direkt auf die schönste Bank der Welt zulaufen, wo wir unsere Mittagspause einlegten. Wunsch erfüllt!

Ab hier gesellte sich auch wieder eine neue Traumschleife hinzu: die Trierer Galgenkopftour. Brr, hört sich gruselig an.

Gefühlt durften es jetzt nur noch 5 km sein, obwohl das Hinweisschild noch etwas von 9 km vorgab. Ach, wir werden schon ankommen. In einem netten Rechts und Links ging es weiter an Hecken und Feldern entlang. Mal eröffneten sich schöne Blicke auf Filsch und Irsch oder zum Trimmelter Hof unserem Ziel (oder war es noch gar nicht dieser Stadtteil?), mal tauchten wir unvermittelt wieder in sandige Kiefernwäldchen ein. Auch hier gestaltete sich die Landschaft auf so kurzer Strecke sehr abwechslungsreich. Und das in recht urbanem Gebiet!

Die kleine Leiter am Mäuerchen ließ mich spontan ausrufen: „Oh, ein Klettersteig!“ Ist das doch der neuste Trend, überall wo Felsen sind, Klettersteige mit Leitern und Bügeln für Abenteuerlustige einzurichten. Doch das ist nichts für mich, da wird mir schwindelig.

Nun mussten wir noch einen kurzen steilen Anstieg bewältigen und kamen zur 400jährigen Eiche, dem letzten Highlight auf dieser Etappe.

Der beeindruckende Baum wurde ausgiebig abgelichtet. Beim Weitergehen achteten wir nicht auf die Schilder, die ein Witzbold nämlich manipuliert und aus einem Rechtspfeil ein Doppelpfeil gemacht hatte, so dass wir einfach dem eingeschlagenen Pfad weiter folgten. Doch bei der nächsten Weggabelung fehlte das gewohnte Zeichen. Unbeirrt schlug ich den stärker begangenen Pfad ein – und der führte uns wieder an den Fuß des steilen Aufstiegs, der zur Eiche führte! Nee nee nee!

Hinter dem Stamm der Eiche ging es nämlich weiter. Und ab jetzt zog sich der Weg wie Sirup. Gefühlsmäßig war man doch schon fast da, hinter jeder Wegbiegung vermuteten wir das erwartete Ende, doch ging es weiter und weiter. Der Weg führte an der Hangkante des Trimmelterberges, auf dem sich eine Wohnsiedlung befand, einmal um den Berg herum. Es gab immer wieder nette Aussichten, aber die Sonne brannte mittlerweile gnadenlos von oben herab.

Und dann war er endlich da. Der Trimmelter Hof. Ein Pferdehof mit einem sandigen Parkplatz davor und neben diesem eine Picknickbank, Hinweisschilder mit dem Zuweg in die Trierer Innenstadt und einer in die Jahre gekommenen dreieckigen Stele mit verblasst-unleserlichen Karten des Saar-Hunsrück-Steigs.

An dieser Stelle trat bei mir etwas die Ernüchterung ein. Was hatte ich erwartet? Ein Empfangskommitee? Gewiss nicht, aber das Ende der Strecke hatte ich mir irgendwie etwas netter vorgestellt. Jede Traumschleife hat am Start bw. Ziel ein Holzportal. Das könnte hier doch auch hinpassen! „Wird demnächst neu gemacht“, war die Antwort aus dem Projektbüro. Das freut mich.

Ein Hinweis zur nächsten Bushaltestelle fehlte an dieser Stelle auch, doch hatte ich das zu Hause im Netz schon herausgesucht und wusste, dass es eine Haltestelle ein wenig die Straße hinauf gab, an der alle 15 Minuten ein Bus zum Trierer Hauptbahnhof fuhr. Es war 15:40 h. Mussten wir uns am Ende etwa noch sputen? Unser Bus, der uns ab Trier nach Riveris zurückbringen sollte, fuhr samstags nämlich nur alle 3 Stunden und den um 16:45 h wollten wir unbedingt erwischen. Das schafften wir! Vorher deckten wir uns im Supermarkt noch mit isotonischen Getränken ein, denn die Rückfahrt dauerte 40 Minuten. Und wir riefen in der Jugendherberge Trier an, in der wir ein Doppelzimmer für diese Nacht gebucht hatten, man möge uns dieses auch nach 18h noch freihalten. Das Timing war perfekt. Um 18.05h erreichten wir die DJH am Moselufer und ließen den Tag im Restaurant „Mosellied“ im alten Fischerort Zurlauben ausklingen. Das heftige Gewitter, das uns um 21:30 h von draußen nach drinnen flüchten ließ, konnte unsere Stimmung nicht trüben. Wir schmiedeten Pläne, ab jetzt jedes Jahr in den Sommerferien einen weiteren Teil des Saar-Hunsrück-Steigs zu erobern. Darauf freue ich mich schon!

Am anderen Ufer, so weiß ich, endet der Eifelsteig und verläuft der Moselsteig. Es erfüllt mich mit Vorfreude, zu wissen, dass ich eines Tages wieder hier sein werde, auf den Spuren dieser beiden schönen Wanderwege.

Am Sonntag erkundeten wir Trier und fuhren abends heim.

 

(Anmerkung: Einige Bilder dieses Beitrags wurden von Doris aufgenommen und mir zur Verwendung in diesem Blog überlassen. Vielen Dank!)

Und auch von der dritten Etappe gibt es ein kleines Video:

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