Rheinsteig (1) – die ersten Schritte

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Bad Honnef zur Erpeler Ley

gelaufen am 2. August 2015, erster Teil der offiziellen 3. Etappe, meine persönliche Etappe 1
14,1 km (inkl. Zuwege und „Abwege“)

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Wer meine anderen Berichte vom Rheinsteig gelesen hat, weiß, dass ich vor 2 Jahren den Entschluss gefasst hatte, einen Weitwanderweg komplett zu laufen und mir für dieses Projekt den Rheinsteig ausgesucht habe, weil der fast vor meiner Haustüre startet. Ein Vorteil, so einen Weg nicht in einem Stück zu gehen, liegt in der Möglichkeit, den Steig in allen Jahreszeiten wahrzunehmen. Nun möchte ich von diesen ersten Schritten berichten.

Ich hatte mir vorgenommen, die ersten Etappen des Rheinsteigs in meinem Sommerurlaub 2015 zu laufen, doch hielt mich noch lange eine unsichtbare Macht davon ab, den ersten Schritt zu tun. Wenn ich jeweils draußen in der schönen Natur war, fand ich es immer schön – aber den Rucksack zu packen und rauszugehen, brauchte anfangs stets eine gewisse Überredungskunst für meinen inneren Schweinehund. Mittlerweile ist das zum Glück anders 🙂

Da ich die Wege im Siebengebirge schon gut kannte und wusste, dass es dort ziemlich rauf und runter geht, beschloss ich zu Beginn meines Rheinsteigabenteuers, den Rheinsteig erst „dahinter“ zu starten, d.h. meine erste Etappe ab Bad Honnef zu laufen. Anfangs plante ich – meiner Kondition angemessen – eher kurze Etappen zwischen 9 und 12, maximal 14 km.

Doch eines Tages, fast am Ende meines Urlaubs, packte es mich und ich fuhr ziemlich spontan an einem sonnigen Sonntag mit dem Auto nach Bad Honnef, parkte aber nicht am Bahnhof, an dem ich am Ende wieder ankommen würde, sondern kostenfrei in einer Seitenstraße in Richtung des Rheinsteigs.

1_Bad Honnef Selhof
Bad Honnef – Selhof

Der ausgeschilderte Zuweg durch die Straßen von Selhof, einem Stadtteil von Bad Honnef, führte mich sanft den Berg hinauf bis zur Jugendherberge. Die Straße war ruhig und schön, das Wetter war schön, der Tag war schön! Hochstimmung breitete sich in mir aus.

Am Waldrand angekommen, oberhalb des Mucherwiesentals, stieß ich dann auf den Rheinsteig. Ich wünschte einem Wanderer einen guten Appetit, der auf einer Bank eine Essenspause machte. Der nun folgende Weg bis zum Leyberg war mir nicht unbekannt, ich bin ihn auf zwei früheren Rundwanderungen schon einmal gelaufen und hatte ihn leider als sehr beschwerlich in Erinnerung behalten, da er eine lange Strecke stetig bergan führte. Hier merkt man jedes Gramm Übergewicht 😦

Und ich sollte kein Wunder erleben: das Gelände hatte sich nicht verändert und ich quälte mich wieder langsam bergan. Heute muss ich darüber etwas schmunzeln, denn es handelte sich gerade mal um eine Steigung von 178 hm auf 2,4 km. Jetzt muss ich mir eigentlich irgendeine entschuldigende Ausrede einfallen lassen, damit das Ganze nicht so peinlich herüberkommt, oder? Also: dieser Abschnitt war auch etwas langweilig. Jawohl, eine Wanderautobahn!

Der Wanderer von vorhin hatte seine Pause offensichtlich beendet und überholte mich schnellen Schrittes. Ich staunte nicht schlecht. Dann muss er aber zum Leyberg abgebogen sein (Leyberg = eine interessante Bergkuppe aus Basaltblöcken mit hübscher Aussicht), denn er überholte mich ein wenig später ein zweites Mal.  „Sie sind aber fit!“, rief ich ihm bewundernd zu. Da drehte er sich um und meinte aufmunternd: „Das werden Sie auch, wenn Sie den ganzen Rheinsteig laufen!“. Wie nett! Ja, das hatte ich vor und fand in seiner Antwort eine weitere Bestätigung, dass ich auf dem richtigen Weg war.

Auf der Höhe und mittlerweile in Rheinland-Pfalz angekommen, erleichterte mir der Wandergott meinen Weg und es ging recht eben bis zu einer großen Kreuzung mit Heiligenbild, dem „Auge Gottes“. Da es noch nicht Mittagszeit war, machte ich hier nur eine kurze Trinkpause. Ich war gerade mal 5 km gelaufen, hatte aber schon das Gefühl, eine große Wanderstrecke hinter mir zu haben. Diesen Eindruck habe ich übrigens immer wieder auf meinen Alleinwanderungen. Manchmal brauche ich für wenige Kilometer unendlich viel Zeit und weiß nachher überhaupt nicht, wo die Zeit geblieben ist. Wenn die Aussicht schön ist und das Wetter mitspielt, verfalle ich allerdings auch schon mal ins Schlendern.

Nun senkte sich der breite Forstweg hinab ins Breitbachtal. Ich weiß nicht, ob das Tal so heißt, aber es fließt der Breitbach hindurch. Der Rheinhöhenweg, das weiße R auf schwarzem Grund, begleitete mich. Da holte mich eine große Wandergruppe ein, die von da an ein Stück des Weges mit mir gemeinsam ging und mich praktisch adoptiert hatte. ‚Man kann eine junge Frau schließlich nicht im Wald alleine lassen!‘ Wir kamen ins Gespräch. Die Gruppe war in Kasbach-Ohlenberg gestartet und hatte eine große Runde gedreht. In der Nähe von Bruchhausen wollte man den Rheinsteig verlassen, Bruchhausen durchqueren und dann über die Erpeler Ley ins Kasbachtal weiterwandern. Der Wanderführer erzählte mir bereitwillig, als er von meinem Tagesziel, der Erpeler Ley, erfuhr, dass ich doch viel angenehmer und vor allem ebener über den Rheinhöhenweg dorthin wandern könne. Tja, da mir das Höhenprofil des Rheinsteigs aus meinem Wanderführer ziemlich zackig entgegenprangte, ließ ich mich schnell überreden und folgte der rüstigen Gruppe nach Bruchhausen.

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Bruchhausen

Ein hübscher Ort mit einer Wallfahrtskirche. Ich schaute kurz in die Kirche hinein und – obwohl ich keine Kirchgängerin bin – zündete ich hier eine Votivkerze für mich an und bat den Himmel um Schutz für mein Wanderabenteuer.

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Wallfahrtskirche Bruchhausen

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Nach einer Mittagspause am Dorfbrunnen ging es dann wieder auf mich alleine gestellt weiter. Der Rheinhöhenweg erwies sich aber leider als Reinfall. Er war recht ebenerdig, stimmt! Aber es handelte sich um eine asphaltierte Straße durch die Felder. Da die Sonne heiß vom wolkenlosen Himmel brannte, war der Weg etwas trist. Erst als ich wieder auf den Rheinsteig stieß und zur Erpeler Ley durch ein Wäldchen ging, hatte ich erneut hübsche und pfadige Wege unter den Stiefeln.

Wie schön war die Aussicht auf den Rhein von der Erpeler Ley, einem großen Felsplateau aus Basalt, und die vor allem auch von unten sehr beeindruckend aussieht:

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Auf einem steilen Serpentinenweg, teils über Treppenstufen, stieg ich nach Erpel zum Bahnhof hinab. Der Zug brachte mich zurück nach Bad Honnef.35_DSCN0616

 

Auch wenn ich insgesamt nur 8,4 km auf dem eigentlichen Rheinsteig unterwegs gewesen war, so stimmte mich meine erste Etappe doch zufrieden. Schon plante ich die nächste Etappe, bei der ich wohl auch wieder einen Abschnitt weglassen würde, weil ich den Abschnitt zwischen Erpeler Ley und Kasbach auf einer Rundtour früher schon einmal gewandert war und es für mich andernfalls sehr beschwerlich wäre, den steilen Zuweg vom Bahnhof  Erpel aus zur Ley hinauf zu nehmen.

Ja, ja, so machte ich es mir am Anfang leicht. Aber auf Dauer gesehen wurmten mich diese „Rheinsteig-Lücken“ und ich holte die meisten davon in eigens dafür konzipierten Rundtouren nach.

So habe ich auch die hier ausgelassenen Rheinsteig-Kilometer (von Bruchhausen hinab ins Hähnerbachtal, hinauf zur Stuxhöhe und nach Orsberg) am 21.10.2016 nachgeholt. Die 8,2 km lange Rundtour mit gpx-Track von mir gibt es hier: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/kleine-rundtour-bruchhausen–rheinsteig–orsberg/108566072/

Fotos von dieser Strecke:

5 Antworten auf „Rheinsteig (1) – die ersten Schritte

  1. Ich war wie Tod. Bin abends auf der Couch eingeschlafen und erst am anderen Morgen wieder aufgewacht. Erst der Muskelkater, den war ich erst wieder nach einer Woche wieder los. War trotzdem eine sehr schöne und lustige Tour.

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