Rund um und auf die Cimetta (1671 m)

Kleine Bergtour von Cardada auf die Cimetta

Oberhalb von Locarno am Lago Maggiore/ Tessin, CH

gelaufen am 23. August 2017
9,8 km (Rundweg), 379 hm ab Bergstation
gpx-track zur Tour: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/tessin/cardada-cimetta-rundweg/112399850/

Es gibt ja einige Gipfel mit weiblichem Namen, die auf -spitze oder -wand enden, aber wenige, deren einfacher Name weiblich ist. Die Cimetta ist einer dieser Berge!

Heute haben wir uns den „Hausberg“ von Locarno vorgenommen. Die kleine Häuseransammlung Cardada bzw. den Berg Cardada mit 1340m Höhe erreicht man bequem mit der Seilbahn von Orselina aus, ein am Hang gelegener Stadtteil oberhalb von Locarno. An der „Tal“station in der Nähe des Klosters Madonna del Sasso sind wir zwei Tage zuvor schon mal vorbeigekommen. Die Gebäude der Tal- und Bergstation sowie die Gondel wurde von dem Tessiner Stararchitekten Mario Botta entworfen. Demnächst werde ich Bilder von seiner berühmten und beeindruckenden Kapelle im Maggiatal veröffentlichen.

Monika und ich erklimmen die vielen Stufen von unserer FeWo Casa Egner hinauf nach Orselina. Noch kann ich nicht sagen, dass ich mich bereits an die Treppenwege und die steile Lage gewöhnt hätte. Es ist sehr schönes Wetter und schon morgens recht warm.

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Blick zurück Madonna del Sasso

An der Bergstation Cardada halten wir uns zunächst nach links zur Aussichtsplattform „Passerelle“, die einem Skywalk gleich einige Meter über den Abgrund hinausragt und von der man schon den ersten wunderschönen Panoramablick über den Lago Maggiore und ins Maggiatal hinein hat.

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Lago Maggiore
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Passerelle
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Blick ins Maggiatal

Die Maggia mündet zwischen Locarno und Ascona in den Lago Maggiore und bildet durch das angeschwemmte Geröll ein deutlich sichtbares Delta im See, was man auf dem nächsten Foto besonders gut sehen kann. Ich frage mich, ob das Delta wächst und der See eventuell in einigen hundert Jahren in zwei Seen unterteilt ist?

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Maggiadelta

 

Wir folgen den Ausschilderungen Richtung Bergspitze Cimetta, die bald schon sichtbar vor uns liegt. Auf der Wandertafel unten hatten wir uns einen Weg durch den Wald westlich um die Cimettaspitze herum ausgesucht, doch finden wir hier jetzt nicht den richtigen Abzweig unterm Sessellift hindurch, weil der nicht ausgeschildert ist. So folgen wir eben dem einzigen ausgeschilderten Weg zur Cimetta. Der Weg ist breit, steinig und holperig, teils mit größeren Steinlatten belegt, aber sehr schön. Hübsche, zarte Birken säumen den Weg. Nach einigen Kehren ergibt es sich doch, dass wir einem Abzweig folgen, der auf der Westseite des Berges und vermutlich parallel zu unserem anvisierten Weg um den Hang herum verläuft.

Der Weg ist wunderschön, teils mit sandigem Untergrund und im angrenzenden Wald wurzelig und schattig. Er windet sich fast eben einmal um die Cimetta herum. Zwischendurch bieten sich schöne Ausblicke ins Tal.

Dann kommt uns eine junge Österreicherin, die uns einige Minuten zuvor überholt hatte, wieder entgegen. Wir fragen sie natürlich, warum sie umgekehrt sei. Sie meinte, sie  wolle auch auf die Cimetta, aber der Weg, dem wir auch folgen, führe wieder hinab ins Tal und nicht auf den Gipfel. Wir haben eine Wanderkarte und schauen gemeinsam drauf und entscheiden, dennoch den Weg weiter zu folgen und nach dem Aufstieg zum Gipfel zu suchen, der am Ende des Waldes beginnen sollte. Die junge Frau begleitet uns gerne.

Kurze Zeit später öffnet sich der Wald und wir erreichen einen steilen Wiesenhang, der deutlich einer Skipiste gleicht. Man erkennt vage einen ganz schmalen Pfad, der am Rand der Wiese verläuft. Es könnte sich aber auch um eine Wasserrinne handeln, auf der das Regenwasser abläuft, denn dieser  ausgewaschene „Weg“ endet plötzlich irgendwo am Hang und von unserem Wanderweg aus gibt es keinen Abzweig dahin. Mein Orientierungssinn sagt mir, dass wir da hoch müssen und der Gipfel sich nur oberhalb dieser Wiesenkuppe befinden kann. Außer Wiese sieht man aber nichts nach oben. Ich gehe sicherheitshalber noch ein Stück auf dem Wanderweg bis zur nächsten Beschilderung weiter, während Monika und die junge Frau schon einmal den Wiesenhang hinaufkraxeln, um sich zu orientieren. Nachdem ich die Hinweisschilder ausreichend studiert und mit der Karte verglichen habe und ich mir sicher bin, wo wir uns gerade befinden, folge ich den beiden. Alles andere wäre ein Umweg gewesen.

Puh, ist das plötzlich steil! Ich komme ganz schön ins Schwitzen.20170823_121723

 

Meine Freundin motiviert mich und überredet mich, nicht sofort beim nächsten Schatten Pause zu machen, indem sie mir vorschwärmt, dass man ja alle 5 Höhenmeter weiter einen noch viel schöneren Ausblick auf die Alpenkette hat, wenn man sich umschaut. „Du, schau dir das an! Jetzt sieht man sogar schneebedeckte Gipfel! Das wolltest du doch sehen!“ Stimmt!

Das war Monikas Blick, wenn sie sich zu mir umdrehte:

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Und ich habe diesen Ausblick:DSCN5296

 

Wenn es steil ist, muss ich mich immer sehr weit vorbeugen, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren und nach hinten wegzufallen 🙂

Aber ich hab mich natürlich auch mal umgeschaut und vor allem fotografiert, denn die Aussicht ist wirklich grandios! Doch komisch finde ich, dass ein steiler Anstieg von oben selten so steil aussieht, wie wenn man im Hang steht.

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20170823_123809_Moment(2)Die Anstrengung ist schnell vergessen, sobald der Gipfel in Sicht ist. In der Nähe der Bergstation des Sessellifts (ja, man hätte auch hoch fahren können) machen wir Mittagspause und gönnen uns erst danach die Besteigung der letzten Höhenmeter auf die Cimetta.

Hier oben befindet sich eine runde Plattform mit mehreren Hinweistafeln zu den umliegenden Gipfeln, aber auch eine kleine Ausstellung von verschiedenen Gesteinsarten und eine im Boden eingelassene rote Linie, die die Gesteine voneinander trennt. Diese Linie markiert die geologische Grenze, an der einst die afrikanische und die eurasische Kontinentalplatte während der Alpenbildung aufeinander gestoßen sind. Man kann also geologisch gesehen mit einem Bein in Europa und einem Bein in Afrika stehen 🙂

Wir halten uns lange hier oben auf. Es ist alles so friedlich und einfach nur wunderschön. Am Himmel ziehen mehr und mehr schleierhafte Wolken auf, die zwar die ferne Alpenkette im Dunst verschwinden lassen, aber der Szenerie ein besonderes Aussehen verleihen.20170823_135835

 

Für den Abstieg wählen wir den ausgeschilderten Hauptweg, der etwas ungewöhnlich gepflastert ist (siehe Bild) und erreichen eine bewirtschaftete Alpe mit einem örtlich recht bekannten Lokal: Lo Stallone. In einer im Innenraum ausgestellten Zeitschrift wird der Koch für seine über dem offenen Feuer zubereitete Polenta gerühmt. Wir bestaunen den großen Kessel draußen neben der Gartenmauer. Die Polenta wird verfeinert mit Schinken vom Hochlandrind. Die Herde grast friedlich nebenan. Und endlich darf ich mein geliebtes Glockenläuten vernehmen! Wie hab ich das vermisst.

Bei leckerem Eis und Cappuccino beobachten wir die Rinder. Besonders fällt uns ein ganz junges Tier auf, das seine wohl allererste Begegnung mit dem Elektrozaun macht und ob des Schocks quiekend jämmerlich blökt. Aber die meisten Rinder hörten auf zu kauen und schauten gebannt und bewegungslos zu, als das Kleine zielsicher mit wackeligen Beinen auf den Zaun zustakste! Ihre Mimik sprach Bände! So als würden die sich tatsächlich dabei was denken! „Hi hi, der Kleine! Mal schauen, wie der jetzt reagiert!“ oder „Oh nein, nicht auf den Elektrozaun zugehen! Aber wie sag ich es ihm jetzt?“

Ein kleiner Abstecher zum Aussichtspunkt Lo Stallone muss noch sein:

Dann geht es gemütlich wieder zur Bergstation Cardada zurück und mit der Seilbahn hinab. Guckt mal, diese Wege mag ich sehr:DSCN5338

 

Solche Bergbesteigungen, egal ob zu Fuß oder mit der Bahn, sind doch immer wieder etwas ganz Besonderes. Es ist ein so erhabenes Gefühl, wenn man von ganz oben den Überblick hat.

(Anmerkung: Einige Bilder dieses Beitrags wurden von Monika aufgenommen und mir zur Verwendung in diesem Blog überlassen. Vielen Dank!)

3 Antworten auf „Rund um und auf die Cimetta (1671 m)

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