Marmor, ein rauschender Wasserfall und eine faszinierende Kapelle

Unterwegs im Maggiatal

Sightseeingtour im Tessin entlang der Maggia

24. August 2017

Heute gibt es mal keinen Bericht von einer Wanderung, sondern von unserem Ausflug ins Maggiatal während unseres Urlaubs im Tessin: Schon die Fahrt von Locarno entlang der Maggia ins immer enger werdende Tal ist wunderschön. Das erste Ziel ist Peccia im Maggiatal, genauer die Scuola di Sculptura di Peccia, eine Bildhauerschule, an der Kurse angeboten werden, die sich an Professionelle wie an Amateure richten.

Im Ort wenden wir uns ins Pecciatal, einem kleinen Nebental der Maggia, und erreichen nach wenigen Metern die Schule. Wir werden freundlich beäugt, als wir das Gelände betreten und zwischen den Arbeitsblöcken der Künstler hindurch schlendern. Niemand stört sich aber daran. Besucher seien stets willkommen, steht in meinem Reiseführer. Hier liegen große Blöcke Marmor herum und als wir schon gehen wollen, bekommen wir noch den Tipp, wo man größere Marmorsteine weiter oben im Tal im Bachbett der Peccia finden kann.

Wir schlendern von der Schule zum Flüsschen hinunter und genießen eine Weile die Idylle am Wasser. Ein kleiner Wasserfall fließt von größeren Felsen herab und das smaragdgrüne Wasser bildet eine kleine Lagune. Wir können schon hier viele Marmorkiesel finden, die wir fleißig sammeln. Im direkt am Wasser liegenden Grotto, in dem sich immer mehr Mittagsgäste einfinden, trinke ich einen Cappuccino und schaue den wenigen Badegästen zu, die es wagen, in das wirklich kalte Wasser abzutauchen.

Nach einer Stunde geht es weiter, hinauf ins Maggiatal. Das nächste Ziel ist Mogno, ein kleines Dörfchen, in dem der Architekt Mario Botta eine besondere Kapelle gebaut hat, die weit über die Grenzen des Tals Bekanntheit erlangt hat. Eine abenteuerliche Fahrt auf schmaler Bergstraße an überhängenden Felswänden vorbei macht uns Laune. Hoffentlich kommt uns jetzt kein Postauto entgegen!

Das Dörfchen Mogno präsentiert sich uns sehr hübsch.

Vormals stand in dem Ort eine Kirche von 1636, die bei einem Lawinenunglück 1986 zerstört worden war. Lediglich die Glocken konnte man retten und diese wurden auch von Mario Botta wieder verwendet.

Die 1998 fertiggestellte neue Kirche vom Heiligen Johannes dem Täufer sticht uns direkt ins Auge, erbaut aus schwarzem Gneiss und weißem Marmor. Weitere Materialien sind Eisen und Glas. Sonst nichts. Und so präsentiert sie sich uns: schlicht und schön.

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Ich verfalle sofort in eine ruhige Stimmung des Staunens und meine Sinne bündeln sich alle im Schauen. Die klaren Linien haben etwas ungemein Beruhigendes.

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Der Grundriss ist ellipsenförmig, aber der Innenraum rechteckig. Obwohl dieser  rechteckig ist, weiten sich die Wände ab einer bestimmten Höhe, so dass sie sich an das letztlich kreisrunde schräge Glasdach anpassen (siehe Zeichnung oben). Dadurch entstehen faszinierende Lichtspiele auf den Steinwänden.

Doch am meisten besticht die Kirche innen durch den wunderschönen Bogen am Altar. Ich lass mal die Bilder sprechen:

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Auch der Kirchplatz ist besonders gestaltet: eine halbkreisförmige Mauer legt sich schützend um die Kirche, an ihr entlang eine lange Bank zum Ruhen, teils in der Sonne, teils im Schatten der Kirche. Aber auch ein interessanter Brunnen lädt uns zu allerlei Wasserspielen ein.

„Das, was wir heute erleben, ist eine Übergangsphase; daher bin ich gespannt, wie sich das Ganze in zwanzig Jahren entwickeln wird, um eine Bilanz zu ziehen und zu verstehen, was erreicht worden ist. Das Leben ist eine wunderbare Übung.“

(Giovan Luigi Dazio, Architekt)

Nur schwer können wir uns von diesem Ort losreißen. Für uns beide hat es sich auf jeden Fall gelohnt, so weit ins Tal hinauf zu fahren.

Das nächste Ziel ist Foroglio im Bavonatal mit seinem schönen Wasserfall. Das Bavonatal, ein weiteres Seitental des Maggiatals, wird von manchen als das schönste aller Schweizer Täler gerühmt – so mein Reiseführer. Na klar, das wollen wir doch sehen!!

Und ja, die Fahrt gestaltet sich schön und ich entdecke direkt ein Fleckchen, an dem ich auf der Rückfahrt noch einmal halten möchte. Doch ob das Tal schöner als das Verzascatal sei, wage ich nach dem einmaligen Durchqueren nicht zu beurteilen.

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Foroglio

Rauschend ergießt sich das Wasser des hohen Wasserfalls nahe Foroglio. Wir pirschen uns langsam heran. Am idyllischen Ufer nehmen wir unser spätes Mittagessen ein.

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Im Anschluss ersteigen wir nach einem Bummel durchs Dörfchen, durch den hiesigen Kunsthandwerksladen und der Kirche einen felsigen Waldpfad, der uns bis an den Gischt sprühenden Fuß des Wasserfalls führt.

Dann begeben wir uns an die Rückfahrt. Das hübsche Plätzchen, das ich noch aufsuchen möchte, besticht durch eine Steinbrücke, die sich über die Bavona schwingt und die von großen Felsen eingerahmt wird. Hier machen wir noch eine entspannte Pause, bevor es mit Abendessen-Stopp in Maggia-Ort wieder zurück zur Ferienwohnung nach Locarno geht.

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Heute durften mal mehr die Bilder sprechen als die Worte.

 

(Einige Bilder habe ich von Monika freundlicherweise zur Verfügung gestellt bekommen).

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