Keine Höhenangst am Oelsbergsteig

Unterwegs auf dem Oelsbergsteig am RheinBurgenWeg bei Oberwesel am Rhein

Ca 4,9 km (hin und zurück), gegangen am 24. September 2017
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(c) Heikes Heimatwandern

„Hä, Steig? Ich denke, Aurora hat Höhenangst!“, werden aufmerksame LeserInnen meines Blogs jetzt vielleicht gedacht haben. Denkste! Ab heute nicht mehr!

Das war zumindest mein frommer Wunsch als ich mich zum Kurs „Höhenangst überwinden“ bei Heike Tharun (Heikes Heimatwandern, http://www.tharun-touren.de) angemeldet hatte. Diese Höhenangst oder der Höhenschwindel, genauso auch wie die Angst zu fallen, begleiten mich schon längere Zeit. Manchmal tritt die plötzliche Panik unvermittelt und schnell auf, manchmal belastet sie mich nur wenig.

An diesem nebligen Sonntag erlebte ich eine „Spontanheilung“ 🙂

Schon die Anfahrt zum Günderodehaus oberhalb von Oberwesel war spannend: es war wirklich sehr neblig und die Sicht auf den Hunsrücker Höhen so knapp, dass ich die Landstraße nur mit 40 km/h bewältigen konnte. Am Parkplatz oberhalb des Günderodehauses (Filmhaus aus „Heimat 3“, heute ein Ausflugslokal) erwartete mich schon Heike und wir begrüßten uns. Sie war mir sofort sehr sympathisch. Als weitere Teilnehmerin gesellte sich eine zweite Heike hinzu, auch sehr sympathisch! Ich freute mich, was wir für ein gutes Team wir heute abgeben werden.

Zunächst setzten wir uns auf die Terrasse des Ausflugslokals, von wo wir – auch bei diesem Wetter – den schönen Ausblick ins Rheintal andeutungsweise genießen durften. Heike Tharun erläuterte uns die Hintergründe und neurologischen Vorgänge von Höhenangst.

 

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Günderodehaus

 

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Nach der Theorie begann die Praxis, das Abenteuer konnte beginnen! Ich war gespannt, optimistisch, voller Zuversicht, positiv gestimmt und auch neugierig, was mich im Nebel erwartet, hatte ich doch mein unschönstes Erlebnis mit Höhenangst vor einem Jahr bei Nebel am Lusen im Bayerischen Wald erlebt. Ich nahm mir vor, mutig zu sein, selbstvertrauend, aber nicht leichtsinnig zu werden. Ich ging sehr konzentriert an die Sache heran, weshalb ich auch nur wenige Fotos gemacht habe.

 

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Blick auf Oberwesel

 

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Der Oelsbergsteig ist ein Teilstück des RheinBurgenWegs, den wir über einen steilen Pfad durch Wald und Weinberge ca. 100 Hm bergab laufend erreichten. Bis dahin war der Weg gut zu gehen, denn der Hang war bewachsen, der Weg teils gestuft. Dennoch musste ich höllisch aufpassen, nicht zu fallen, weil der teils grasige Untergrund rutschig war.

Nach und nach verzog sich der Nebel etwas. Ein Wildgatter markierte den Beginn des Oelsbergsteigs: ein Pfad, teils eng an der felsigen Hangkante entlang, der an schwierigen Stellen mit Drahtseilen gesichert, über zwei Leitern und an kleineren Felspassagen über einige im Stein befestigte Trittbügel führte. Das mutete an manchen Stellen durchaus alpin an. Aber zum Glück nur an manchen Stellen.

 

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Heike und Heike Tharun

 

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(c) Heikes Heimatwandern

 

Heike
Heike und Heike

Wir lernten bei der ersten alten Weinbergtreppe aus unregelmäßigen, schrägen Stufen, worauf es ankommt, wenn man der eigenen Höhenangst begegnen und dem Gehirn ein Schnippchen schlagen will. Drei oder viermal liefen wir mit einer durchzuführenden Aufgabe die schmale Treppe an der Schieferwand hinauf und wieder hinab. Die Unsicherheit oder das Magenflattern beim Gewahrwerden der Höhe verschwanden nach und nach. Auf dem Rückweg sind wir diese Treppe übrigens fröhlich quasselnd hinuntergestiefelt und haben erst unten gemerkt, dass das ja der Übungsort vom Anfang gewesen war. Eine freudevolle Erkenntnis, als wir merkten, dass dies nun kein Problem mehr für uns darstellte!

Die größte Herausforderung für mich waren die beiden Leitern. Wobei – wenn ich genau bin, eigentlich nur eine der beiden Leitern. Mein erster Versuch scheiterte: die Angst brach in 2,5 m Augenhöhe aus und ich kehrte um. Doch beim zweiten Versuch, als ich einmal den Trick raushatte, wie ich mich festhalten musste, um mehr Kraft zu haben, mein eigenes Körpergewicht zu halten, erklomm ich diese Leiter mit Leichtigkeit. Für die zweite Leiter brauchte ich danach keine allzu große Überwindung mehr. Auf dem Rückweg hinunter konnte ich sogar Faxen machen.

Die andere Teilnehmerin und ich haben gemerkt, dass uns unsere Höhenangst bisher auch einfach daran gehindert hatte, Erfahrungen auf solchen Pfaden oder am Fels zu machen, so dass uns schlicht die richtige Technik fehlte. Auch das schafft Unsicherheit.

Kurz vor Ende des Wegs mit einem weiteren Wildgatter machten wir Mittagspause und ließen eine Gruppe rüstiger Ü60er vorbeiziehen. Respekt! Später, am Günderodehaus trafen wir die Gruppe wieder und ich unterhielt mich mit der augenscheinlich ältesten Teilnehmerin. Sie wandere jedes Wochenende, das sei gar kein Problem, doch dieser Weg hätte sie an ihre Grenzen gebracht, sagte sie.

Wir liefen nicht den Rundweg, sondern drehten um und lernten, alle Wegpassagen auch von oben nach unten zu bewältigen. Sehr entspannt und häufig lachend erreichten wir wieder das Drehgatter und den Anfang des Steigs. Nun sollen wir in den nächsten Wochen Höhe und Situationen, in denen wir bisher gekniffen haben, bewusst ausnutzen und die neu erworbenen Strategien einüben, um dem Gehirn neue Erfahrungen beizubringen.

Der steile Aufstieg hinauf zum Günderodehaus hatte es wieder in sich, ich habe heute noch Muskelkater davon. Doch die Aussicht auf einen Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen ist für manch einen dasselbe, was die Karotte vor des Esels Nase ist, um ihn in Bewegung zu versetzen :-). So ließen wir entspannt den späten Mittag auf der mittlerweile sonnenbeschienenen Terrasse ausklingen.

Mein frommer Wunsch ist an diesem Sonntag wahr geworden. Ich hatte anfangs nur wenig und nachher gar keine Höhenangst mehr. Nun wird sich an weiteren Wegen zeigen, wie ich mich schlagen werde.

Liebe Heike Tharun, hiermit möchte ich dir ein herzliches Dankeschön aussprechen, dass du diese Kurse und auch Einzelcoachings anbietest und jeden mit deiner einfühlenden Art auf den Weg und in die Höhe bringst!

Ich habe hier bewusst nichts Inhaltliches aus dem Kurs preisgegeben, denn wer seiner Höhenangst die Stirn bieten will, dem empfehle ich, selbst einen Kurs bei Heike zu buchen. Es lohnt sich!

 

(Herzlichen Dank für die Fotos von Heike, die ich mit dem Copyright „Heikes Heimatwandern“ markiert habe. Das Titelfoto hat eine Wanderin von uns dreien gemacht.)

 

4 Antworten auf „Keine Höhenangst am Oelsbergsteig

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