Rheinsteig (8) – Das war etwas öde…

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Rengsdorf nach Sayn – Bendorf

gewandert am 5. Oktober 2015, die offizielle 7. Etappe, meine persönliche Etappe 8

13,6 km

Mein Gps-Track auf Outdooractive:  https://www.outdooractive.com/de/wanderung/westerwald/rheinsteig-7.-etappe-von-rengsdorf-nach-sayn/113522102/

Da ich die Runde um Rengsdorf schon beim letzten Mal gelaufen bin, konnte ich direkt am östlichen Ortsausgang starten und brauchte statt der angegebenen 15,4 km eben nur 13,6 km. In einem meiner beiden Wanderführer heißt es, man könne diese Schleife um Neuwied über Rengsdorf eigentlich auch weglassen und von Leutesdorf mit dem Zug nach Engers (bei Bendorf) oder gar Vallendar fahren. Was? Das kam nicht in Frage! Ich war neugierig auf den Weg und wollte nach bestem Vermögen die ganze Strecke laufen.

Nun gestaltete sich meine Anfahrt und die Fahrt zum Wanderstartpunkt mit öffentlichen Verkehrsmitteln wieder recht holperig. Es macht mir nichts aus, erst eine Stunde Bus zu fahren, bis ich loswandern kann. Ich schaue mir dann ganz in Ruhe die Gegend an. Und in diesem Fall holte ich mir noch zwei meiner ersehnten Stempel an der Touri-Info in der Innenstadt von Neuwied ab, wo ich sonst nie hingekommen wäre. Ich kann jedem nur empfehlen, für den Rheinsteigpass keine Stempel zu sammeln. Es ist einfach zu kompliziert.

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Schloss Sayn im Morgendunst

Aber wer es wissen möchte (alle anderen überspringen diesen Absatz 🙂 ), dem sei kurz erklärt, dass ich zunächst mein Auto am Garten der Schmetterlinge des Schlosses Sayn abgestellt habe, etwa 800 m zur nächsten Bushaltestelle lief, die ich mir vorher im Internet rausgesucht hatte und mit dem Bus über Heimbach-Weis zum Bahnhof Neuwied gefahren bin. Für die Stempeljagd musste ich hier meine Beine unter die Arme nehmen und die 1,2 km bis zur Fußgängerzone rennen, wo die Touristeninformation vor Kurzem hingezogen war. 10 Minuten nach meiner Ankunft beim Bahnhof fuhr hier auch der Bus nach Rengsdorf weiter. In Rengsdorf besuchte ich ebenfalls das Rathaus mit der Touri-Info, die am vergangenen Wochenende geschlossen hatte und erhielt ebenfalls meinen ersehnten Stempel. Ich war um 8h in Bonn losgefahren, nun war es schon 11 h. Gut, dass die heutige Etappe nicht so lang war.

Schlosspark 1

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Schlosspark am Schloss Sayn

Schloss Sayn am Morgen

Vom Rathaus lief ich durch den Ort und stieß an der Nonnenleihütte wieder auf den Rheinsteig. Noch war ich motiviert. Es war ein feuchter Morgen und sollte ein schöner Tag werden. Montag war es, ich hatte Ferien! Was will man mehr? Mit diesem Hochgefühl im Herzen stiefelte ich los – und wurde jäh gebremst. Denn schon nach 300 Metern an einer glitschigen, etwas abschüssigen Stelle rutschte ich aus und fiel der Länge nach rücklings hin. Aua! Mein Knochenbau hat ganz schön geknackt. Dem Rücken ist nichts passiert, dank des Rucksacks, der alles abgefedert hatte (ein paar Wochen später hab ich mir beim Arzt allerdings doch die entstandene Blockade lösen lassen). Aber meine Hände waren etwas blutig und brannten, weil ich mich im Affekt an dem Nächstbesten festgehalten hatte, was da war: Brennnesseln und Brombeerranken!

Sturzstelle
Die Sturzstelle oberhalb des Baumstammes.

Und meine Klamotten sahen aus!  Aber das war mir nicht so wichtig. An der nächsten Bank säuberte ich mich etwas, versorgte ich mich mit einem Pflaster, erholte mich von dem Schreck und bat meinen Schutzengel, weiterhin gut auf mich aufzupassen. Es war ja nichts Ernsthaftes passiert. Weiter ging’s.

Von nun an ging es ziemlich viel … geradeaus. Naja, wie soll ich das näher erklären? Ich lief 6 km einfach nur geradeaus durch den Wald, der an manchen Stellen ganz schön duster war. Ziemlich beklemmend fühlte es sich an. Zum Glück war der Weg meistens ganz leicht abschüssig, so dass ich mit schnellem Tempo vorankam. Nur an wenigen Stellen öffnete sich der Blick nach rechts auf den Neuwieder Vorort Oberbieber.

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Der Wald fühlte sich trotzdem etwas gruselig an. Es kamen mir keine Wanderer entgegen, vermutlich weil es Montag war. Außer einem einzelnen Waldarbeiter in seiner großen, lauten Maschine hatte ich noch zwei komische Begegnungen: Ich lief an einer Schutzhütte mitten im Wald vorbei und wie immer ließ ich meinen Blick kurz hineinschweifen. Da fuhr mir der Schreck in die Glieder, weil tatsächlich jemand im Dunkeln ganz unbeweglich darinnen saß: ein Obdachloser mit seiner beladenen Sackkarre neben sich. Mir entfuhr ein trockenes, aber deutlich vernehmbares „Tach“ und ich beschleunigte meine Schritte. Mein Verstand sagte mir, dass ich nichts zu befürchten habe, aber mein Herz brauchte noch etwas, um sich wieder zu beruhigen. Die nächste Begegnung war am Römerturm beim Limes. Da hockte ein junger Mann am Fuße des Turms im Gras. Allein. Ohne Jacke, ohne Tasche. Die nächsten Häuser schienen weit weg. Was mag wohl seine Motivation gewesen sein, hierher zu kommen? Er hatte mich wahrgenommen, erwiderte meinen Gruß aber nicht.

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Ich fühlte mich an diesem Tag etwas getrieben, weswegen ich auch nicht viele Fotos gemacht habe. Vorbei ging es weiter am Schwanenteich und dahinter über einen ziemlich von Waldfahrzeugen zermatschten Weg den Berg hinauf. Oben angekommen gab es zur Belohnung eine hübsche Aussicht ins Rheintal.

Blick auf NeuwiedDSCN0970

Die nächste „komische Ecke“ war das „Haus am Pilz“, einer (zu diesem Zeitpunkt) geschlossenen Gastronomie an einer viel befahrenen Landstraße mitten im Wald mit einem großen Parkplatz daneben. Das Haus wirkte von außen eher wie ein Trucker-Treff oder ein „gewisses Etablissement“ als einem Ausflugslokal. Den Namen hat es von einem Unterstand in Pilzform auf dem Parkplatz. Zurückgelassene Zeitschriften auf den Bänken mit barbrüstigen Damen auf dem Cover verstärkten meinen Eindruck von diesem Ort. Es trieb mich weiter. Der nächste Waldabschnitt konnte zwar durch wunderschöne hoch gewachsene Buchen punkten, doch der Blick auf die Karte zeigte mir, dass ich auch hier fernab von jeglicher Zivilisation war. Heute machte mir das was aus! Ich war bisher an keiner Behausung vorbeigekommen, nur an zwei geschlossenen Restaurants. Vermutlich besserte sich meine Stimmung deshalb schnell, als ich die Ausläufer von Rommersdorf erreichte. Die Rheinsteig-Beschilderung war hier vor Ort ein wenig anders als im offiziellen Gps-Track oder meinem Wanderführer vom Rheinsteig. Ich habe daher meinen Track angehängt.

Der folgende Waldabschnitt war ganz bezaubernd. Unzählige Waldreben-Luftwurzeln hingen wie Lianen von den Bäumen und gaben dem Wald etwas Mystisches, Urwaldartiges. Der Weg war angelegt und teils mit Geländer gesichert. An einer Stelle lehnte ein sehr schickes Fahrrad am Baum – nicht abgeschlossen. Von seinem Besitzer keine Spur. Fand ich auch merkwürdig.

An diesem Tag machte ich nur 5 Minuten Mittagspause und aß meinen mitgebrachten Proviant im Laufen. Ich mochte nicht rasten. Dann endlich hatte mich die Zivilisation wieder: Der Zoo Neuwied kam in Sicht und ich konnte mir an der Kasse noch einen weiteren Stempel abholen.

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Durch angenehme Wiesen und an Bauernhöfen vorbei verlief der Weg in ein letztes Waldstück hinein sanft ansteigend zur Bismarckhütte. Der allerletzte Abschnitt hinab ins enge Tal nach Sayn wurde über einen schmalen steilen Serpentinenpfad, der teilweise von Felsen gesäumt war, bewältigt. Über eine Holzbrücke erreichte ich wieder das Schloss Sayn und für dieses Mal erleichtert mein Auto.

Saynbach
Saynbach
Schloss am Nachmittag
Das Schloss am Nachmittag

Jetzt steht wohl noch die Frage aus, ob ich dem Autor meines Wanderführers beipflichten würde, dass man die Schleife um Neuwied auch weglassen könne. Im Moment würde ich sagen: Ja!

Auf der Rückfahrt machte ich einen Abstecher zur ehemaligen Abtei Rommersdorf. Das Gebäude war leider zugestellt mit Autos, es wurde gerade alles für ein Catering vorbereitet und die Kirche war abgeschlossen, weshalb ich nur den Innenhof und den wunderschönen Garten besucht habe.

Abtei Rommersdorf
Abtei Rommersdorf

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Abteigarten

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Welch eine herbstliche Farbenpracht!

Auf der weiteren Rückfahrt machte ich noch Halt in Königswinter an der Drachenfelsbahn und am Hotel Post in Bonn und holte mir die noch fehlenden Stempel der Etappe 1, die ich ja später noch gewandert bin. Nun hatte ich die ersten 12 von 37 Stempel gesammelt.

In meinen Herbstferien kam ich nicht mehr dazu, weitere Etappen zu laufen. Denn ich hatte etwas genauso Schönes vor: Wanderurlaub mit Doris auf Mallorca. Sonne satt!

2 Antworten auf „Rheinsteig (8) – Das war etwas öde…

  1. „Von nun ging es ziemlich viel… geradeaus.“
    Ich musste gerade herzlich lachen. Ich schreibe ja gerade an der gleichen Etappe und bei mir heißt es zu diesem Stück: „Ich kann mich an diesen Teil des grauen Tages kaum noch erinnern. Meine Hauptbeschäftigung war wohl inneres Zählen meiner Schritte“.
    Ich kann deine Begeisterung gut nachvollziehen!
    Und wie es sich anfühlt, wenn man ausrutscht, weiß ich auch. Sollte mir ein paar Tage später passieren. Ich sah aus wie Sau und wurde zudem auch noch von einem Vogel ausgelacht.
    Du befindest dich also in allerbester Gesellschaft 😊
    Freue mich auf deine nächste Etappe. Das Haus am Pilz hatte ich z.B. völlig verdrängt! War bei dir auch so ein mega aggressiv kläffender Hund?
    LG Audrey

    Gefällt 1 Person

    1. Nein, den Hund gab es nicht. Oder doch? In dem Garten zwischen Haus und Wald, an dem der Weg vorbei führte? Vielleicht doch!
      Oh Mann, ich erinnere mich tatsächlich nicht mehr so genau.

      Ich war gerade ein paar Tage durch diene Virusgrippe „ausgeknoggt“. Heute gehe ich noch nicht wieder arbeiten, sondern schone mich, was mich natürlich freut, weil ich dadurch Zeit habe, meine Blogberichte zu verfassen!

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