Rheinsteig (9) – vom Brexbachtal zurück zum Rhein

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Bendorf-Sayn nach Vallendar

31. Oktober 2015, die offizielle 8. Etappe, meine persönliche Etappe 9

12,5 km

Gps-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-8.-etappe-von-sayn-nach-vallendar-mit-umleitung-/113522461/

Für diese Etappe von Schloss Sayn nach Vallendar nehme ich mir wieder einen Samstag vor, damit ich nicht so alleine unterwegs bin. In Vallendar am Bf geparkt, den Bus nach Sayn genommen, gewahre ich als erstes eine Sperrung des Rheinsteigs.

Restaurant Schloss Sayn

Der Weg führt tatsächlich über die Restaurantterrasse des Schlosses hinauf zur Ruine Sayn. Und dieser Weg ist gesperrt! Auf eine Umleitung durchs Brexbachtal wird hingewiesen, sie ist aber nicht ausgeschildert. So wandere ich durch die Straßen des Ortes zur alten Abtei und folge ab dort einem ausgeschilderten Zuweg zum Rheinsteig.

Und die ausgelassenen Rheinsteigkilometer hole ich ein Jahr später nach, indem ich den Traumpfad Saynsteig laufe.

Begegnung mit einem Traumpfad

 

Im Ort Sayn

Idyllisch geht es durchs Brexbachtal unter dem Viadukt der historischen Brexbachtalbahn hindurch. Dunkelrotes und oranges Herbstlaub raschelt mir um die Füße.

Im Brexbachtalehem. Brechbachtalbahn

Am Fuß des Pulverbergs zu Beginn des Aufstiegs zum Limesturm erreiche ich den Rheinsteig und stiefele den steilen Hang hinauf. Ich komme ganz schön ins Schnaufen. Die Anstrengung ist mir sicherlich ins Gesicht geschrieben, denn entgegenkommende Wanderer versichern mir beruhigend, dass ich es gleich geschafft habe! Als ich diesen Anstieg später noch einmal im Rahmen des Traumpfads lief, kam er mir schon gar nicht mehr so anstrengend vor. Da hatte ich wohl mittlerweile etwas Kondition bekommen. 🙂

 

DSCN4018
Römerturm am Limes mit rekonstruierter Palisade

Aussicht auf Sayn

Sayn näher rangeholt
Blick hinab auf Sayn

Ich stiefele weiter den Berg hinauf und erreiche die Höhe. Am Waldrand laufe ich auf ebener Straße zum Meisenhof und es folgt eine längere Passage durch die Felder. Der Himmel bleibt den ganzen Tag trübe. Schade, zu Hause war sonniges Wetter angekündigt worden.

Blick auf Bendorf_Moment
Theoretisch wär hier Sicht

Traumpfad und Rheinsteig trennen sich wieder. Ich steige in das Wenigerbachtal ab. Dort durchlaufe ich ein Privatgelände mit mehreren Gebäuden, die zu einem Hotel gehören, das ich zufällig kurz zuvor im TV („Das himmlische Hotel“)  gesehen hatte. Das Tal wirkt düster. Eines der Hotelgebäude ist komplett schwarz angestrichen. Es verstärkt diesen Eindruck noch. Doch ich darf bald wieder abbiegen und folge dem ganz flach dahinfließenden Großbach, der mich über ein paar Stufen und entlang eines Maschendrahtzauns hinauf auf den Galgenberg bringt. Brr, was für ein Name!

Großbach
Großbach

Oben angekommen weiß ich zunächst nicht, ob ich rechts oder links gehen soll. Ich finde kein Zeichen, kein Schild. Da endlich, ein paar Schritte links gegangen, entdecke ich die begehrten Hinweise völlig von der Vegetation überwuchert.Am Galgenberg - Wo gehts lang

Der weitere Wegverlauf zeigt den Rheinsteig mal wieder von einer ganz anderen Seite. Auf dem absolut flachen Hochplateau bei Weitersburg verläuft er zwischen dunkelbraunen Äckern hindurch, kreuzt Landstraßen und unterquert die Autobahn. Die Ortschaft ist immer im Blick, wird aber nicht betreten. An diesem letzten Tag im November prägt sich mir das Bild von vereinzelt stehenden, knorrigen Birnbäumen, abgeernteten und frisch gepflügten braunen Feldern und laut krächzenden Krähen ein. Ein schon recht eisiger Wind weht mir um die Ohren, die Luft ist feucht.

Auf der Höhe bei Weitersburg
bei Weitersburg

Und es wäre nicht der Rheinsteig, wenn der Weg nicht nach kurzer Zeit schon wieder von sich ein neues Gesicht zeigen würde. Jenseits der Autobahn müsste diese Gegend „irgendeine Schweiz“ sein, denn so werden hierzulande doch geschwungene Hügelformen meist genannt. Ich komme mir vor wie im Bergischen Land. Pferde grasen auf sattgrünen Weiden. Wo ich gerade noch bis zum Horizont schauen konnte, verrät mir nun die nächste Hügelkuppe vor meiner Nase nicht, wie es dahinter aussieht.

Ein weiteres Bachtal, das Wüstenbachtal, lädt zum idyllischen Blättertreten ein. Das Laub liegt hier mehr als knöchelhoch. Als kleines Kind, so erzählte meine Mutter, habe ich mich im Wald mal in eine Mulde gesetzt und juchzend in den Blättern „gebadet“. In sanftem Schwung führt der Weg durch die Talaue. Ich komme an zwei ehemaligen Mühlen vorbei und mache mich dann an den kurzen, aber knackigen Aufstieg zum Wüstenhof, einer Ausflugsgastronomie mit Aussicht auf Vallendar. Leider ist die Sicht heute nicht gut, aber das Ambiente an diesem Ort ist sehr hübsch, so dass ich hier Rast mache und mir den heißen Kakao auf der Terrasse servieren lasse. Einen Rheinsteigstempel vom netten Kellner gibt es obendrein!

Wüstenhof

Ich fühle mich hier sehr wohl und würde gern nochmal wiederkommen, vielleicht bei sommerlichen Temperaturen. Das bunte Kastanienlaub ist so schön. Und dann höre ich sie und schließlich sehe ich sie auch: Kranichzüge. Jedes Jahr bin ich immer wieder fasziniert, wenn ich sie höre. Ich habe dann so ein Glücksgefühl im Herzen und kann gar nicht sagen, woher es stammt. Aber es ist schön, in der Flugschneise der erhabenen Vögel zu wohnen! Im Herbst weiß man, wenn die Kraniche durchziehen, dann kommt ca. 4 Wochen später der Winter. Und sehnt man den Frühling herbei, verspricht das laute Geschnatter der Zugvögel, dass man nicht mehr lange warten muss.

Kranichzug
Kranichzug

Auf dem Parkplatz des Wüstenhofs entdecke ich die Goethesäule. So so, der vielgereiste Dichter war also auch schon hier. Irgendwie cool diese Vorstellung.

Goethe war hier!
Goethe war hier

Inschrift: „Dem Andenken Goethes in Vallendar, Weitersburg und Umgebung. 1774 – 1924.“ Die letzte Jahreszahl ist vermutlich das Jahr, in der diese Säule aufgestellt wurde. Also ist es gar nicht verbrieft, dass Goethe hier oben am Wüstenhof war?

Nun darf ich nach Vallendar absteigen. Vom Rosenberg geht es hinab ins Meerbachtal. Ich erreiche die Häuser und Wohnstraßen der Stadt. Mein Weg führt an dem mittlerweile eingefassten Bach entlang, den markanten Turm der Marzellinuskirche im Visier.

Vallendar 1

Im historischen Zentrum am alten Vallendarer Rathaus verlasse ich den Rheinsteig und laufe durch die Fußgängerzone hinab Richtung Bahnhof und Rheinufer, wo ich mein Auto abgestellt hatte.

Vallendar am Rathaus

Nach der letzten Erfahrung auf dem Rheinsteig kann ich zu dieser Etappe nur sagen: Eine nette Tour!

 

4 Antworten auf „Rheinsteig (9) – vom Brexbachtal zurück zum Rhein

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