Rheinsteig (12) – das Mittelrheintal ruft!

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Oberlahnstein nach Braubach

9,3 km, offiziell die 11. Etappe, meine persönliche Etappe 12

gewandert am 22. Dezember 2015

Gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/lahntal/rheinsteig-11.-etappe-ab-oberlahnstein-bis-braubach/113542754/

Am ersten Tag meines Weihnachtsurlaubs darf es wieder eine weitere Rheinsteigetappe sein. Die nicht so spektakulären und wettermäßig wenig ansprechenden vergangenen Etappen haben meiner Rheinsteigsehnsucht keinen Abbruch getan. Heute ist es trocken und ich will hinaus! Ich warte noch die Weihnachtspaketpost ab und komme daher erst um 11:20 h los. Gut, dass die anstehende Etappe nicht so lang ist, sonst käme ich womöglich noch in die Dämmerung. Eine gute Stunde später bin ich in Oberlahnstein.

Warum starte ich in Ober- und nicht in Niederlahnstein? Erstens: Ich muss zur Touri-Info in Oberlahnstein für meinen Stempel. Zweitens: Von Niederlahnstein müsste ich „umsonst“ erst einen Berg hinauf, um dann durch die schon bekannte Ruppertsklamm wieder zur Lahn abzusteigen, diese überqueren und dann den Berg hinauf laufen, den ich von Oberlahnstein aus auch nehmen kann. Ich mag bekannte Wege nicht gern doppelt gehen. Drittens: die Busverbindung für die Rückfahrt ist besser.

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Hexenturm in Oberlahnstein

Ja, richtig erkannt. Ich bin etwas bequem und nehme nicht unbedingt einen Berg zu viel :-). Und so fahre ich eben direkt nach Oberlahnstein, stelle mein Auto auf einem Platz neben dem Hexenturm ab und verschwinde kurz in der dort ansässigen Touri-Info. Die nette Dame, die mir den Stempel aufdrückt, fragt mich, in welche Richtung ich heute laufe und ich erkläre es ihr. Ungläubig starrt sie mich an: „Allein? Auch die Kerkertser Platte?“

Wenn jemand mir so begegnet, arbeitet das etwas in mir und macht mir auch etwas Angst. Ist denn diese Platte gefährlich? In meinem Wanderführer steht nichts Spezielles darüber. Ach, was! Wird schon nicht so schlimm sein.

Ich laufe durch die Straßen von Oberlahnstein, immer das gelbe Zuwegsschild im Blick. Plötzlich befinde ich mich direkt neben der vielbefahrenen B42 und folge der Bundesstraße auf den Tunnel zu, der durch den Berg zur Lahn hin führt. Wo soll denn hier mein Wanderweg langgehen? Ich muss doch auf die andere Seite der Straße? Erst im letzten Moment sehe ich den kleinen Trampelpfad, der mich neben der Tunnelröhre empor und über den Rand derselbigen hinweg leitet. Auf der anderen Seite geht es kurz und steil zur Burg Lahneck hinauf.

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An der Burg Lahneck

Die Burg und die Gastronomie haben im Winter geschlossen. Eine hübsche Aussicht hat man von ihr oben. Zwar prägen Stadt und Straße das Bild, doch kann ich mir trotzdem vorstellen, dass man hier bei sommerlich milden Temperaturen schön auf der Terrasse sitzen kann.

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Blick auf Oberlahnstein
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Niederlahnstein mit Lichterkopf

Weiter geht es vorbei am Freibad der Stadt über ein wenig bebautes Hochplateau, bis ich an der längsten Wanderbank auf den Rheinsteig treffe. Hier hat wirklich mal eine ganze Wandergruppe gemeinsam Platz:

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Nun steige ich sanft auf die Lahnhöhe hinauf. Der Buchenwald verändert sich zu einem parkartig angelegten Bereich und dann erkenne ich auch warum: Die Lahnhöhe beheimatet mehrere Kurkliniken und ich laufe tatsächlich am Ende durch den Kurpark! Die Kliniken sind überwiegend hässliche Hochhäuser, die man auch schon von Weitem aus dem Wald herausragen sieht. Und ich dachte immer schon, wie diese Verschandelung der Lahnhöhen ein Stadtplaner nur zulassen konnte…

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Im Kurpark sprudeln diverse Springbrunnen-Fontänen aus kleinen Seen. Jenseits der Landstraße, die ich überqueren muss, ist auch ein Ferienpark angesiedelt.

Heute fühle ich mich gut in Form, eine Pause brauche ich nicht. Weiter steige ich durch einen feuchten Taleinschnitt entlang der Aspich-Klamm recht steil hinab zum Schlierbach nach Einmuth. Das kleine Örtchen wird vom Schlierbach durchflossen und der Wanderweg schlängelt sich sehr nett neben her. Ab und zu gibt es Spielgeräte für Kinder oder Sitzgruppen. Ich kann mir gut vorstellen, dass hier nette Begegnungen unter Dorfbewohnern stattfinden können.

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Jenseits des Dorfes scheucht mich der Rheinsteig wieder einen Berg hinauf. Vereinzelte Gartenparzellen mit Obstbäumen und ein paar Weinstöcken zeigen sich, ansonsten ist es hier zwischen den braunen Äckern sehr einsam.

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Und dann komme ich an besagte Kerkertser Platte. Ich muss mich, an dicken Tauen haltend, einen steilen Felsenabhang hinunter hangeln. Meine Höhenangst, bzw. mehr meine Angst zu fallen, überfällt mich und mir wird tatsächlich etwas mulmig zu Mute. Ich schaue mich um. Es ist keine Menschenseele in Sicht! So wie schon den ganzen Tag. Der Abstieg kostet mich Überwindung.

Letztendlich sieht alles vorher schwieriger aus, als es dann am Ende ist und so schaffe ich diesen Abstieg ganz gut auch alleine. Unten angekommen geht es wieder hinauf. Wissend, dass es der letzte Anstieg für heute ist, nehme ich ihn motiviert unter die Füße. Wieder auf der Höhe laufe ich an Obstgärten vorbei und erfreue mich an den weißen Waldreben vom vergangenen Herbst.

Durch die Bäume blinkt da doch was?  Es ist die Marksburg!

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Nach ein paar Kurven erreiche ich die Grillhütte Braubach und habe von hier aus eine direkte Sicht auf die Marksburg. Der Burgberg sieht doch gar nicht so hoch aus, oder :-)?

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Marksburg bei Braubach

Auf felsigem Pfad geht es durch Weinberge hinab nach Braubach.

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Im Städtchen angekommen spute ich mich, um den Bus noch zu bekommen. Braubach muss ich mir nächstes Mal näher anschauen.

Die heutige Etappe hat wieder mal Lust auf mehr gemacht!

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