Mystisch – schöner Rheinsteig (13)

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Braubach nach Osterspai

11, 8 km, Teil der offiziellen 12. Etappe, meine persönliche Etappe 13

gewandert am 28. Dezember 2015

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-12.-etappe-teil-a-von-braubach-bis-osterspai/113544510/

Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten im Jahr 2015 sollte es noch eine letzte Rheinsteigwanderung im alten Jahr sein. Bei uns in Bonn war strahlender Sonnenschein und ein mildes Klima angesagt, ein wunderbarer Winterwandertag! Ab ins Auto und nach Braubach!

Doch je näher ich der Koblenzer Bucht und schließlich Braubach kam, desto dichter wurde der Nebel oder Dunst. Als ich ausstieg, stand ich in einer feuchtkalten grauen Einheitssuppe. Och nö!! So haben wir nicht gewettet! Bei hoher Luftfeuchtigkeit laufe ich doch immer so langsam…..! Soll ich überhaupt losgehen? Brr, ist das kalt! Ich wollte doch so schöne Ausblicke genießen heute!

Zwei Autos neben mir schnürte sich gerade ein junges Wanderpärchen die Stiefel. Was die können, kann ich auch! Genug gezögert und gejammert!

Genau wie das Wanderpärchen führte mich mein erster Weg in die örtliche Touristeninformation. Ich bekam dort gleich drei Stempel für meinen Wanderpass. Danach traf ich wieder mal eine für mich sehr typische Entscheidung: auf dem Burgberg mit der Marksburg, die sich stolz über Braubach erhebt, bin ich schon zweimal gewesen. Heute war absolut kein Ausblick zu erwarten und am Ende ginge es sowieso den Berg wieder hinab. Also, warum unnötig hoch kraxeln, wenn ich auch außen um den Berg herumgehen kann? Gedacht – getan! Der Weg war zwar nicht schön, aber einfach zu gehen. Erst bei der Bartholomäuskapelle traf ich wieder auf den Rheinsteig und dort auch wieder auf das Wanderpärchen, das den „richtigen“ Weg gegangen war.

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Über ein paar Stufen ging es etwas hinunter in den steilen Weinberg und von da direkt den Steilhang hinauf. Alte Mauern zeugten von ehemaligem Weinanbau, doch nun waren die Hänge überwuchert. Neben mir ging es wirklich steil hinab, unten waren Gleise, die Bundesstraße und dann schon der Rhein. Letzteren konnte ich durch den Nebel nur erahnen. Der Autoverkehr war nur gedämpft zu vernehmen. An besonders schmalen Stellen musste ich mich zwingen, nur auf die Mauer neben mir zu schauen, weil meine Höhenangst sich bemerkbar machte.

Im Wald angekommen zauberte der Nebel zwischen den Stämmen eine mystische Lichtstimmung, das musste ich unbedingt ablichten.

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Und es ging noch höher hinauf auf eine Schutzhütte zu, die auf einer Felsnase stand. Darüber war der blaue Himmel zu erkennen. Sobald ich oben war, befand ich mich doch tatsächlich über den Wolken und schaute auf das Wolkenmeer hinunter. Beeindruckend!

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über den Wolken

Von diesem Moment an fühlte ich mich für den Schlechtwetterstart entschädigt und freute mich sehr, dass ich nicht gekniffen hatte. Wow, dieser Blick!

Hier oben war es sonnig! Der folgende Wegabschnitt gefiel mir besonders gut, es lief sich sehr leicht. Ich mag diese Buchen- und Eichenwälder auf felsigem Untergrund. Doch sollte es im Weiteren erst einmal wieder sanft bergab gehen, so dass mich der Nebel und die mystische Stimmung noch länger begleiten sollten.

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Was verbirgt sich wohl hinter der Kurve?

Einige Aussichtspunkte versprachen einen schönen Blick – bei freier Sicht zumindest.

In einem Taleinschnitt lag ein Sauerbrunnen, von dem ich kostete.

Es wäre nicht der Rheinsteig, wenn der Weg nicht jenseits des Tales wieder ordentlich nach oben führte. So auch hier. Der Aufstieg war schweißtreibend, der Weg, bedeckt mit Blättern, feucht, denn der Nebel schlug sich gerade in einem feinen Sprühregen nieder.  Ich rutschte mehrmals weg, doch gaben mir meine Wanderstöcke guten Halt.

Da ich mittlerweile mehr Kondition hatte, konnte ich diesen Anstieg recht schnell meistern, was mich selbst erstaunte. An einem sehr hübschen Rastplatz blieb ich stehen und fotografierte.

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Da kam mir ein Wanderpaar mittleren Alters entgegen. „Sie sind Nr. 8!“, rief mir die Frau fröhlich entgegen. Ich guckte wohl etwas irritiert und so ergänzte sie: „Die achte Person, der wir begegnen!“ „Ach, doch so viele?“, entgegne ich etwas lakonisch, waren mir doch bisher nur zwei Menschen begegnet.

Wir waren in der Nähe des Dinkholder Berges, einer Bergkuppe, über die laut Rheinsteig-Homepage seit neuestem der Weg führte. Es gab aber auch eine Alternative. Ich erkundigte mich bei den beiden noch nach dem Gipfel, ob sich der Aufstieg lohne, denn ihr könnt euch denken, dass ich bereits über die Besteigung nachdachte. Ja, war die Antwort, man könne in der Sonne sitzen und man sehe die Marksburg über dem Wolkenmeer.

Nun, diesen Blick hatte ich tatsächlich schon eine Kehre später, noch bevor die Entscheidung anstand, den Gipfel zu erklimmen oder der flachen Alternativroute zu folgen.

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Nennt mich ein Weichei – ich lief ein zweites Mal an diesem Tag um eine Bergkuppe herum statt hinüber, kam bald aus dem Wald heraus und strebte über Obstbaumwiesen und Ackerflächen einem weiteren Waldstück zu.

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Der Weg wurde recht felsig und näherte sich wieder dem Rhein. Man sah diesen zwar nicht, aber die Straße und die Bahnlinie waren zu vernehmen. Und er zog sich!

Im Taleinschnitt des Wasenbachs befand ich mich fast wieder auf Rheinuferniveau. Ich machte ein paar Schritte auf einen Wegweiserpfahl zu, doch stand dort schon ein Herr mit zwei großen Neufundländer Hunden, die sofort begannen, mich anzuknurren und an den Leinen zu zerren. Ich drehte besser ab, das Schild nicht weiter beachtend und nahm mir den nächsten Anstieg vor, der es, im Vergleich zu den vorigen, nicht so in sich hatte. Nun folgte eine längere Passage durch rotlaubigen Eichen- und Hainbuchenwald.

Da stand plötzlich auf dem Wanderweg ein BMW. Mitten im Wald! Weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Etwas gruselig. Wenig später kam mir ein grinsender „Good evening“ wünschender Wanderer entgegen. Da die Ecke sehr einsam war, dreht ich mich noch zweimal um, um mir sicher zu sein, alleine weiterzugehen.

Der breite Forstweg führte um einen tiefeingeschnittenen Siefen herum und zog sich sehr in die Länge. Da war dann doch mal ein Blick in die Wanderkarte fällig, weil es mir bis zu dem im Wanderführer anvisierten Heiligenhäuschen verhältnismäßig lang vorkam. Die angegebenen Distanzen hatte ich gefühlsmäßig doch schon längst hinter mich gebracht!

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Dort angekommen war es 15:50 h und es begann bereits dämmerig zu werden. Bis Filsen, meinem eigentlich geplanten Ziel dieser Etappe, lief ich eindeutig heute nicht mehr, aber den ersten Abzweig nach Osterspai wollte ich auch noch nicht nehmen.

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Im nächsten Waldstück oberhalb des Ortes folgte ich einem Waldpfad und stieg von dort nach Osterspai ab. Der Ort war total ausgestorben. Es gab zwar drei Hotels, die waren aber alle geschlossen. Auf einen leckeren Kaffee musste ich also verzichten. Auch die Touri-Info war zu. Wie gut, dass ich den passenden Stempel schon bekommen hatte!

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Abendrot auf gegenüberliegenden Hängen
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Osterspai

Ich fuhr die kurze Strecke nach Braubach mit dem Zug zurück. Als ich ausstieg, sah ich das Paar in den Zug einsteigen, dessen 8. Wanderbegegnung ich heute gewesen war.

Eine rundum schöne Wanderung!

 

 

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