Neanderlandsteig, Etappe 2

Unterwegs zwischen Wülfrath-Düssel und Velbert-Neviges

gewandert am Freitag, 09. Februar 2018, 8,1 km (inkl. Zuweg)

Gpx-Track von meiner Tageswanderung (zusammen mit dem zweiten Teil der Etappe 1 und diesem Teil der Etappe 2 – insgesamt 15,3 km): https://www.outdooractive.com/de/wanderung/bergisches-land/neanderlandsteig-etappe-1b-und-2/113646676/

Es ist Rosenmontag, im TV läuft die Übertragung des Kölner Zugs, im Radio spielen sie jecke Lieder, ansonsten merke ich nichts vom närrischen Trubel. Ich muss das auch nicht haben. Hier im Rheinland haben viele Menschen heute frei, so auch ich. Zeit, wandern zu gehen, oder? Ich war vergangenen Freitag und Samstag schon wandern und da meine Knochen über die Winterpause etwas eingerostet sind, reicht mir das erst einmal und ich nutze die Zeit, von diesen aktuellen Wanderungen zu berichten. Meine Füße tun noch ganz schön weh, ich muss erst einmal wieder in Fahrt, äh Schwung kommen 🙂

Die Etappe 2 startet in Wülfrath-Düssel. Das Dorf hat zwei Kirchen, für beide Konfessionen je eine.

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St. Maximin
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in Düssel

Ich habe mir für diesen Tag den Rest der Etappe 1 des Neanderlandsteigs vorgenommen (siehe voriger Bericht) und will noch so viel von der Etappe 2 wandern, wie ich schaffe. Wenn ich die gesamte Etappe bis Schloss Hardenberg in Neviges Mitte dranhänge, ist mein Weg insgesamt 18,7 km lang. Ich will mal schauen, wie weit ich nach der Winterpause komme!

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7,4 km bin ich heute schon bis hierher nach Düssel gelaufen. Ich habe mir drei Möglichkeiten herausgesucht, mit dem ÖPNV zurückzufahren, falls ich nicht die ganze Strecke schaffen sollte: In Koxhof bei Schlupkothen, in Neviges Süd (Stadtteil Kleinehöhe, S-Bahn Velbert-Rosenhügel) oder eben am Ende in Neviges Mitte (S-Bahn). „Zurück“ heißt nach Wuppertal-Vohwinkel Bf, wo ich mein Auto auf dem großen P&R Parkplatz abgestellt hatte.

Ich laufe durch den Ort entlang größerer Einfamilienhäuser. Rechter Hand erstreckt sich eine Wiese, an deren Ende der Holzer Bach fließt. Da biegt ein Weg über ein paar Stufen in besagtes Tal ab. „Das wäre eines Wanderweges würdig“, denke ich noch, laufe aber weiter durch die Wohnstraße den Berg hinauf, weil ich kein Wanderzeichen entdecke. Doch an der nächsten Straßenkreuzung ist Fehlanzeige: kein Wanderzeichen mehr in Sicht! So schaue ich kurz auf mein Garmin und muss schmunzeln. Da hatte ich doch den richtigen Gedanken gehabt! Der Neanderlandsteig wäre tatsächlich in das schöne Tal abgebogen. Also umdrehen und zurückgehen.

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Am Holzer Bach hat der Sturm Friederike gewütet

Manuel Andrack beschreibt in meinem Wanderführer die folgenden 2 km als die spektakulär schönsten des gesamten Steigs. Ja, richtig, es ist tatsächlich unheimlich schön hier. Aber die Aussicht, dass nichts vergleichbar Schönes mehr auf den restlichen 218 km des Steigs kommen soll, ist nicht so verlockend……

Erst rechts, dann links von mir fließt der Bach in ruhigen Kurven dahin. Hinter den unbelaubten Bäumen entdecke ich vereinzelt Häuser. Rechterhand erhebt sich bald ein Berg, den ich in einer kleinen Serpentine erklimme, fast traurig den schönen Bachlauf zu verlassen. Auf der Höhe laufe ich parallel zum Bach weiter, in Sichtweite erstreckt sich ein Feld. Ich laufe kurz bis zum Feldrand, um die Aussicht zu genießen, da es aber gegen die Sonne geht, sehe ich nicht viel.

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So schönes Wetter!

Die Bank, die sich für eine Mittagsrast anbietet, ist verschneit. Ich krame mein Brötchen heraus und esse es nach einem Schluck warmen Tee aus meiner Thermoskanne im Laufen. Leider kommt plötzlich ein ziemlich übler Geruch hinzu. Nicht gerade appetitlich beim Essen. Erst meine ich, dass es nach Wildtieren rieche, dann wird der Geruch aber strenger und erinnert an Gülle. Gülle? Welcher Bauer düngt denn im gefrorenen Zustand sein Feld?

Erst als ich den nächsten Wirtschaftsweg erreiche und ein Schild sehe, vermute ich, woher der strenge Geruch kommt.

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Nun geht es über ein asphaltierte Sträßchen sanft einen Hügel hinauf. Der Wind pfeift mir scharf um die Nase. Greifvögel stehen in der Luft über dem Acker und schießen dann steil hinab auf ihre Beute. Ein Fischreiher verharrt regungslos einige Meter neben mir. Am Horizont erheben sich die Häuser von Wülfrath, in der Ferne sieht man eine Hochhaussiedlung in Wuppertal.

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Ich fühle mich mittlerweile ziemlich erschöpft und kämpfe den wirklich nicht steilen Anstieg hinauf. Meine Füße und die linke Achillessehne schmerzen enorm. Och, nö! Das muss ja nicht sein, denke ich. Ich will doch im Frühjahr den König-Ludwig-Weg in einem Stück wandern und da sind Etappen von 22 km dabei! Wie soll das denn gehen, wenn ich nach 9 km schon Schmerzen bekomme??

Ich erreiche eine trockene Bank an einer schützenden Hecke, die etwas von der Sonne beschienen wird. Mehrere Menschen führen ihre Vierbeiner aus. Hier mache ich meine erste Sitzpause und lege etwas die Füße hoch. Ich sollte mehr trinken! Ich habe normalerweise kaum Durst, so dass es passieren kann, dass ich nur knapp 500 ml auf einer Wanderung trinke. Nervig finde ich, dass ich besonders in der kalten Jahreszeit sehr häufig austreten muss. Heute habe ich tatsächlich Durst verspürt, aber gleichzeitig auch das starke Bedürfnis, sofort hinterm Busch zu verschwinden. Blöd nur, dass der Weg zu dem Zeitpunkt keine geschützten „Buschplätze“ und insgesamt keine sichtbaren Einkehrmöglichkeiten bot. Da blieb nur die Parole: Bloß nicht stehenbleiben!

Auf der Höhe angekommen wende ich mich nach rechts auf einen Weg hinab nach Koxhof. Hier wäre eine Möglichkeit, die Wanderung für heute zu beenden, aber so schnell wollte ich noch nicht aufgeben.

Hier muss ich auf allen Vieren unter der Efeukrone eines umgestürzten Baumes hindurchkriechen. Ein Zaun verbietet das Umgehen des Hindernisses.

Ich höre das Rauschen der nahe gelegenen Autobahn. Es erweckt in mir tatsächlich schon wieder ein heimatliches Gefühl. Etwa 1 km vom Wohnhaus meiner Kindheit entfernt verlief eine Autobahn, deren Rauschen bei meinen Streifzügen durch die Gegend vor allem bei schönem Wetter allgegenwärtig war. Mir wird klar, dass wenn man als Kind Geräusche mit positiven Erlebnissen kombiniert wahrnimmt, sich diese gefühlsmäßig auch eher positiv einprägen. Wenn ich mir jetzt bewusst mache, dass ich bei meiner Wanderung durch schöne Natur eine Autobahn höre, finde ich das blöd. Aber mein Gefühl, das entsteht, wenn ich bei schönem Wetter ein fernes Autobahnrauschen höre, ist positiv. Interessant. 🙂

Hinter Koxhof unterquere ich die A 353, laufe kurz durch einen Wald und am Waldrand angekommen einen langen, stark gefurchten und mittlerweile völlig aufgeweichten Ackerweg den Berg hinauf.

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Der folgende kurze Weg führt durch einen sehr schönen Buchenwald mit hohen Bäumen und sehr viel immergrünem Ilex. Im Gebüsch entdecke ich ein zusammengefallenes Shelter, an einem Baumstamm wird das rote Schild des Neanderlandsteigs bald vollständig von den hübschen Baumpilzen bedeckt sein.

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Zwischen Koxhof und Neviges

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Den Wald verlassend habe ich wieder einen weiten Blick über die Wuppertaler und Velberter Hügel.

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Die Schützhütte Asbrucher Straße (L 355) ist bereits in Sichtweite, ebenso ein Neubaugebiet von Neviges. Auf dem Hinweisschild an der Hütte heißt es: nach Neviges (hügelige) 5,3 km, Zuweg zum S-Bahnhof „Rosenhügel“ 1,9 km. Ich wäre sehr gerne heute noch bis zum Ende der Etappe nach Neviges gelaufen. Dort möchte ich mir vor allem auch Zeit nehmen, den modernen Wallfahrts-Dom anzuschauen. Ich war als Kind und Jugendliche schon zweimal dort und habe ihn als sehr beeindruckend in Erinnerung, daher freue mich auf einen weiteren Besuch. Jetzt bin ich einfach zu kaputt dafür. Und so schlage ich, meinen schmerzenden Füßen und Beinen nachgebend, den kürzeren der beiden Wege ein, steige hinab ins Tal zum S-Bahnhof und erreiche nur 10 Minuten später den Bf Vohwinkel.

Die 3. Etappe durchs hügelige Windrather Tal ist mit nur 7,8 km angegeben, da kann ich ja gut noch die fehlenden Kilometer der heutigen Etappe an der Düsselquelle vorbei mitnehmen.

2 thoughts on “Neanderlandsteig, Etappe 2

  1. Ach ja, die Winterform oder auch nichtForm. Darunter leide ich auch etwas. Es wird Zeit für höhere Temperaturen und viel viel Sonne, so wie heute.

    Ein deutlicher Unterschied in Deinen Bildern, wenn der Himmel blau ist, wie herrlich ist das anzusehen. Ob ich den Neanderlandsteig wohl auch irgendwann mal angehe? Viele Gedanken zu Beginn der Wandersaison.

    Danke für´s mitnehmen und ganz liebe Grüße
    Elke

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