Am Weltende

Unterwegs auf der Erlebnisschleife Kloster Marienthal am Westerwaldsteig

12,2 km, 377 Hm

Gewandert am 10. Februar 2018

Gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/westerwald/westerwaldsteig-erlebnisschleife-kloster-marienthal-und-das-ende-der-welt/3963958/

„Fantastische Fernblicke und ein teils sehr anspruchsvolles Profil: Die Tour zum „Ende der Welt“ stellt zwar einige Anforderungen an den Wanderer, die Mühen werden jedoch reichlich belohnt.“ So verlockend klingt der Wanderführer.

Am Karnevalssamstag fahren Doris und ich in den Westerwald zum Kloster Marienthal im Kreis Altenkirchen. Wir wollen die Tour Nr. 14 aus dem Pocket-Wanderbüchlein „Wällertouren“ von Frank Blum aus dem ideemedia Verlag wandern.

01 Kloster Marienthal
Kloster Marienthal

Sobald wir bei der Anfahrt die gut ausgebaute Bundesstraße 8 hinter Weyerbusch verlassen, führt mich mein Navi über viele, sehr kleine, einspurige Sträßchen durch Felder, Dörfer und Wälder – die Kroppacher Schweiz. Ich wünsche mir, dass mir kein Auto entgegenkommt, so eng ist es hier. Es ist kalt draußen, teilweise liegt noch Reif auf den Feldern. Schon auf der Hinfahrt kommt es mir vor, als führe ich ans Ende der Welt.

Der erste Teil des Wanderweges verläuft über den Westerwaldsteig vom Kloster Marienthal (57577 Seelbach bei Hamm) in Richtung Limbach. Wir durchlaufen das Klostergelände und tauchen bald schon in den Wald ein. Ein paar umgestürzte Bäume vom letzten Sturm versperren uns noch den Weg, aber wir schaffen es, jedes Hindernis zu umgehen oder darunter hindurch zu kriechen.

Trotz der trüben Wetterlage erkennen wir am Waldrand, dass man auf dieser Wanderung an vielen Stellen wunderschöne Ausblicke hat … äh, hätte – bei besserem Wetter 🙂

08 erste Aussicht (2)
Aussicht bei Racksen
07b Baumpilze
schöne Baumpilze

Hinter der Ortschaft Racksen, die wir nur von weitem sehen, senkt sich der Weg hinab ins Tal.

13 Wiesenpfad hinter Racksen

14 mäandrierender Bach

Ein kleiner Bach schlängelt sich neben dem Wegesrand entlang und fließt wenig später in den Seelbach. Vereisungen haben interessante Strukturen gebildet.

16 Eisformation

In einem Wildgehege steht ein Rudel praktisch regungslos und beobachtet uns. Wir bleiben länger stehen und fotografieren, aber die Tiere rühren sich in der Zeit keinen Deut.

11 regungsloses Rotwild12 immer noch regungslos

Nach einem kurzen Waldstück erreichen wir einen schönen Wiesenweg, der einen Hügel hinaufführt. In einer Kurve weist uns das Westerwald-Hinweisschild an einem Holzpflock mit einem Pfeil nach rechts auf die Wiesenkuppe hinauf. Neben dem Pflock im Gras ist eine Platte eingelassen, auf der ebenfalls das Westerwaldsteig-Zeichen abgebildet ist. Hier zeigen die Pfeile in die Richtung geradeaus. Ich bin kurz irritiert, stiefele aber dann Doris hinterher rechts die Wiese hinauf. Der Wiesenweg ist auf der Höhe nicht mehr gut zu erkennen, aber wir laufen noch ein kleines Stückchen weiter, bis wir einen asphaltierten Weg mit einer Ruhebank erreichten.

17 schöne Aussicht18 noch mehr Aussicht

Dort stellt sich heraus, dass wir falsch gelaufen sind. Ein Blick in die Karte bringt Klärung und mit einer kleinen Schleife an der Straße entlang erreichen wir auch die B 256, die wir überqueren müssen und dahinter wieder den Westerwaldsteig.

Jetzt steht der Abstieg hinab zur Nister an. Sie macht eine schöne Schleife bei Alhausen. Schon von weitem stechen uns zwei Schilder, die an einer Wegekreuzung aufgehängt sind, ins Auge. Sperrung des Westerwaldsteigs!

Nein, doch nicht hier, wo wir kurz vor dem wunderschönen „Weltendepfad“  sind, der sich an der Steilwand des Nisterbogens entlang winden soll! Wir gerufen kommt uns in diesem Moment ein Wanderer entgegen, den wir nach der Sperrung befragen können und der uns versichert, dass wir den Weg durchaus gehen können. Man sähe, dass umgefallene Bäume, die vermutlich zu der Sperrung geführt haben, kürzlich beseitigt worden wären, aber von der anderen Seite aus sei gar kein Schild angebracht gewesen.

21 durch den Eichenhain

Mit dieser guten Nachricht machen wir uns an den Abstieg. Über einen wunderschönen Kammweg durch ein Eichenwäldchen steigen wir steil hinab. Bald glitzert die Nister durch die kahlen Bäume hindurch.

22 hinab zur Nister26 Nisterblick

Am Ufer angekommen entdecken wir den Hinweis auf das Weltende, besser gesagt den so benannten Naturpfad.

27 Beginn Weltendepfad29 Weltendepfad28 Weltendepfad

Es handelt sich um einen felsigen Pfad an der Hangkante entlang, mal direkt am Ufer, mal weiter oben über Felsen oder unter Felsüberhängen hinweg. Schwierige Stellen sind mit Seilhalterungen versehen. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind erforderlich. Ich freue mich auf den Pfad und um es vorweg zu nehmen – ich hatte keinen Höhenschwindel! Das Training gegen die Höhenangst im Herbst hat sich ausgezahlt! Einzelne Felsstufen waren für mich zwar etwas hoch, aber es war weder rutschig noch zu abschüssig und ich hatte einfach nur Spaß auf dem Weg!

Der Weg ist wunderschön! Dichte Moospolster in verschiedenfarbigem Grün prangen auf den Felsen. Und stets plätschert die Nister mal neben, mal tief unter uns.

31 Weltendepfad

Pause machten wir am Ende des Weltendepfads auf der Hälfte des Wanderweges an einer langen Brücke, die über die Nister nach Alhausen führt. An dieser Stelle verlässt unsere Erlebnisschleife nun den Westerwaldsteig und wir wandern auf dem Kölner Weg wieder zurück zum Kloster. Der Kölner Weg verläuft über 253 Km von Köln nach Königswinter, geht aber nicht einfach am Rhein entlang, sondern macht einen großen Bogen durchs Bergische Land und den Westerwald.

04a Schild Kölner Weg

Zunächst geht es einen ziemlich zerfurchten Waldweg in weiten Kurven wieder hinauf auf die Höhe und über die B 256 hinweg. In einem Wald zwischen Isert und Eichelhardt wandern wir mit mehreren Richtungswechseln, begleitet vom Motorengeräusch eines Waldarbeiters, auf dem Kölner Weg weiter, der gleichzeitig auch der Marienweg ist, der die Klöster Marienthal und Marienstatt miteinander verbindet.

46 Aufräumarbeiten48 Wegbegleiter Marienweg47 Kölner Weg bei Nassen

 

Dieser zweite Wegabschnitt bietet weniger Abwechslung, allerdings könnte unser Eindruck auch vom Wetter beeinflusst worden sein: mehr und mehr zieht sich der Himmel zu, erst beginnt es zu regnen, dann schlägt uns schließlich Schneeregen ins Gesicht. Unsere Gespräche verebben etwas, wir laufen nur noch. Zwischendurch fragen wir uns beide, wie weit es wohl noch ist. Doch soll dies keinen falschen Eindruck vermitteln. Denn zurück am Kloster sind wir uns einig: diese Erlebnisschleife lohnt sich und wir würden sie gerne im Sommer noch einmal laufen. Vielleicht anders herum?

45 eingefrorene Überschwemmung

Wir werfen am Ende noch einen Blick in die Klosterkirche. Marienthal ist ein ehemaliges Frannziskanerkloster, welches im 15. Jahrhundert gegründet wurde und heute eine Bildungsstätte und Wallfahrtsort ist. Auf der Rückfahrt nach Bonn schneit es dicke Flocken. Der weiße Winter ist zurück!

Hinweis: Man kann z.B. bei schlechter Wetterlage oder Hochwasser den Weltendepfad auch umgehen, indem man hinter der B 256 den Zuweg nach rechts Richtung Alhausen wählt. Das bietet sich für den Westerwaldsteig an. Für die Erlebnisschleife nicht, denn kaum in Alhausen angekommen, muss man besagten Zuweg fast komplett wieder zurücklaufen. Mit Hunden ist der Pfad laut Wanderführer nur bedingt zu gehen: sie sollten schwieriges Gelände gewohnt sein.

 

 

 

 

 

3 Antworten auf „Am Weltende

    1. Liebe Elke,
      das freut mich aber, dir auch mal eine Wanderanregung geliefert zu haben. Vielen Dank für deinen herzlichen Kommentar, das freut mich sehr.
      Dieses WoE muss ich arbeiten, aber im März hoffe ich auf weitere Touren. Bis dahin berichte ich weiter von vergangenen Wanderungen 😀.
      Alles Liebe
      Aurora

      Gefällt 1 Person

  1. Das ist eine so schöne Gegend, das ich grundsätzlich mit der DB zu meinem Papa (nach Hause) fahre. Wenn du mal nichts besseres zu tun hast, dann fahr mal mit der DB vom Hbf Köln nach Au an der Sieg und steigst dort um in den Zug Richtung Altenkirchen um. Ich liebe diese Strecke 😉
    LG Nina

    Gefällt 1 Person

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