Rheinsteig (21) – die Königsetappe

Unterwegs auf dem Rheinsteig zwischen Bornich und Kaub

14 km, zweiter Teil der offiziellen 15. Etappe, meine persönliche Etappe 21

gewandert am 31.10.2016

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-15.-etappe-verkuerzt-von-bornich-nach-kaub/113749839/

Durch einen glücklichen Zufall habe ich am heutigen Montag einen arbeitsfreien Brückentag. Morgen, an Allerheiligen, ist in NRW ein Feiertag und so habe ich zwei Tage Zeit, auf meinem geliebten Rheinteig wandern zu gehen. Das Wetter soll blendend werden! Und da der Reformationstag in Rheinland-Pfalz auch ein Werktag ist, habe ich zusätzlich das Glück, mit einem Anruf-Taxibus von Sankt Goarshausen nach Bornich jenseits der Loreley zu kommen und von dort die Königsetappe nach Kaub zu beenden.

Den Taxibus habe ich am Vorabend bestellt und so fahre ich mit dem Auto nach Sankt Goarshausen. Der Parkplatz am Bahnhof ist leider schon voll. Wie gut, dass ich noch 30 Minuten Zeit bis zur Abfahrt des Taxis habe und mich erinnere, dass auf der anderen Seite der Bahngleise weitere Parkplätze sind. Dafür muss man allerdings eine kleine Umgehung fahren, da der Bahnübergang am Bahnhof für Autos dauerhaft geschlossen ist.

Nachdem ich mein Auto dort abgestellt, meine Wanderstiefel geschnürt und meine Wanderstöcke in die Hand genommen habe, stiefele ich durch die Bahnunterführung zurück zur Vorderseite des Bahnhofs, wo auch schon ein Taxi wartet, obwohl ich immer noch 20 Minuten Zeit habe. Wow, pünktlich! Ich verschwinde aber noch kurz im angrenzenden Bäckerei-Café. Nach anderthalb Stunden Anfahrt muss ich erst einmal den morgentlichen Kaffee wegbringen 🙂

Danach fährt mich das Taxi zum Bustarif nach Bornich. Ich steige auf einem nebligen Dorfplatz aus. Die Feuchtigkeit in der Luft ist deutlich zu merken. Aber ich habe unbändige Lust auf die heutige Etappe und freue mich wie Bolle auf die beiden vor mir liegenden Wandertage.

 

Im September bin ich ja nur bis Bornich gelaufen und dann zur Loreley zurückgewandert. Nun suche ich den Zuweg zum Rheinsteig, biege aber ein paar Querstraßen zu früh ab. Macht gar nichts – laut Karte kann ich auch diesen Weg nehmen.

 

Er führt durch Wiesen und dann durch einen feuchten, bunten Herbstwald, in dem ich mich nicht so wohl fühle. Doch sobald ich auf dem Rheinsteig bin, bessert es sich. Erstaunlich, was das blaue Zeichen mir an gutem Gefühl gibt. An zwei roten Bänken halte ich inne. Hier wäre sicherlich eine tolle Aussicht – ohne Nebel 🙂

5 nur Nebel

Wunderschön windet sich der Weg recht eben bis zur Schutzhütte „Waldschule“ und dann auf eine felsige Höhe hinauf und von dort einen langen, steilen Hang hinab ins Urbachtal.

6

Auf halber Höhe begegnen mir zwei junge, sportliche Wanderer, die mich ansprechen, als sie an mir vorübergehen. Von wo ich heute herkäme und wie lange ich schon unterwegs sei, möchten sie mit einem gewissen Erstaunen in der Stimme wissen. Ich ahne, warum sie mich fragen, denn so früh haben sie sicherlich nicht mit „Gegenverkehr“ gerechnet, der heute in Sankt Goarshausen gestartet sei. Ein verstehendes Lächeln ist ihre Antwort auf meine ehrliche Antwort.

7 Urbachtal
Urbachtal
8 jeder Zweig markiert
Bitte nicht verlaufen!

Im Talgrund geht es gegenüber wieder hinauf über felsige Passagen. Hier scheinen viele falsch zu laufen, denn die Abbiegung hinter dem Steg nach links ist mehrfach, sogar an sehr dünnen Zweigen markiert. Den Anstieg in kleinen Serpentinen schaffe ich gut. Mittlerweile hat sich die Sonne durch den Nebel hindurch gekämpft und es ist trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit recht warm. Zwischen den Bäumen zeigt sich etwas Aussicht und dann erhasche ich einen sehr guten Blick auf den Hang, den ich vorhin hinabgestiegen bin. Seht ihr im dritten Bild den Pavillon auf der Felsnase?

9 endlich Sonne10 dort war ich schon (siehe 6)10a

Es begegnen mir nun immer öfter andere Leute. Manchmal komme ich ins Gespräch, den Weg oder die Aussicht betreffend. Alle Wanderer sind heute sehr sympathisch. Ich habe soooo gute Laune!

12

13 hübsche Weinlagen
hübsche, streifige Weinlagen
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ein typischer RheinSteig

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Auch auf der heutigen Etappe gibt es wieder eine felsige Wegstrecke, die in meinem Wanderführer als Trittsicherheit erforderliche und möglicherweise Höhenangst hervorrufende Stelle (mit Halteseilen) angepriesen wird: die Roßsteine. Als ich die erste Felsentreppe erklimme und der Fels neben mir steil bis zum Rhein hinabfällt, kribbelt es etwas in meiner Magengegend.

20 Kletterpartie

Aber den weiteren Weg über fast baumlose, ausgetretene Felsen meistere ich gut. Vorbei geht es an einer Bronzestatue, der jemand Mütze und Schal aufgesetzt hat. Witzig!

 

IMG_0340

Hier muss ich länger warten, um eine große, französisch sprechende Damenwandergruppe hindurch zu lassen. Bonjour, merci! Keine Ursache 🙂 . Es gefällt mir gut hier oben in der Höhe, es ist warm in der Sonne und die Aussicht auf Oberwesel am anderen Rheinufer so phantastisch, dass ich hier etwas abseits meine Mittagsrast mache. Deutschland ist so schön!

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach der Pause mit dem tollen Blick steige ich noch etwas weiter den Hang hinauf. Höhere Dornsträucher schützen meine Sicht, was mir den Höhenschwindel am Steilhang deutlich erleichtert. Ich erreiche ein Hochplateau und bald auch die Schutzhütte „Alte Burg“ auf 349 m Höhe.

26 oben angekommen (349hm)

Hier bietet sich wieder eine wunderschöne Rastmöglichkeit, die ich aber ausschlage. Ich habe schon genug geruht. Und zum ersten Mal erblicke ich die Burg Pfalzgrafenstein, die wie ein Schiffchen mitten im Rheinbett thront. Ich soll heute aber noch eine bessere Gelegenheit für Fotos erhalten.

 

Ganz anders zeigt sich kurz darauf das Bild des Rheinsteigs, der nun über weite Wiesen und durch Felder dem Höhenort Dörscheid zustrebt.

 

In meinem Rheinsteigführer aus dem ideemedia Verlag empfehlen U. Poller und W. Todt diese Etappe nach 18,7 km ab St. Goarshausen Nord hier in Dörscheid zu beenden. Doch habe ich es für heute anders geplant, weil es von hier keine gute Möglichkeit gibt, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück zu kommen. Jetzt möchte ich aber gerne irgendwo einen Kaffee trinken, verlasse den Rheinsteig und folge einem verlockenden Schild, das mich zur sog. „Rheinsteig Hütte“ führt. Leider ist diese geschlossen! So schlendere ich halt durch die Straßen des Ortes und bekomme an einem Straßenschild mal wieder nostalgische Gefühle: Acht Jahre meiner Kindheit habe ich „Am Hofstück“ gewohnt! Aber nicht hier 🙂

37 Erinnerungen

Ich bekomme im Gasthof Blücher einen leckeren Kaffee und kann danach direkt auf dem Rheinsteig weiterwandern, der gerade mal 50 m unterhalb des Hotels entlang führt. Der Abstecher in den Ort wäre also nicht nötig gewesen.

Nun beginnt der Abstieg nach Kaub. Immer wieder eröffnen sich mir wunderschöne Blicke ins Rheintal. Aber auch solche Weitsicht-Wege entlang bunter Hecken liebe ich sehr:

39

 

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Mit dem bunten Weinlaub im Vordergrund ist das Motiv der Burg Pfalzgrafenstein aus mehreren Perspektiven interessant.

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Als der Abstieg steiler wird, weist ein Schild daraufhin, dass der nächste Abschnitt besonders steil ist und – mal wieder – Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Ich finde es nett, vorher gewarnt zu werden.

 

Da ich schon etwas müde bin vom Weg, wähle ich die nur minimal längere, aber leichtere Variante durch die Weinberge. An der Zusammenführung beider Wege treffe ich einen fotografierenden Wanderer, der den steilen Pfad hinuntergekommen ist und befrage ihn voller Neugier nach dem Weg. Es sei nicht schlimm, nicht heftiger als an den Roßsteinen, versichert mir der äußerst sympathische Herr. Er wolle nun noch die letzten Sonnenstrahlen fürs Fotografieren nutzen. So wandere ich allein weiter zu Tal.

 

53 Blüchermuseum
Blüchermuseum
54 in Kaub
in Kaub

Vom Rheinsteig auf den Bahnsteig

In Kaub, das kenne ich ja schon, ist der Bahnhof am südlichen Ortsende. Da ich nicht im Kopf habe, wann genau der nur stündlich verkehrende Zug fährt, laufe ich direkt dorthin. Ich muss leider 45 Minuten auf den nächsten Zug warten, ein Lokal in der Nähe gibt es nicht. Doch wird mir die Wartezeit bald verkürzt von dem netten Wanderer von vorhin, der kurz nach mir den Bahnsteig betritt. Wir unterhalten uns und teilen die Begeisterung über die Schönheit der Landschaft am Rhein. Wir fahren gemeinsam zurück nach Sankt Goarshausen, wo mein Auto steht.

Ausklang des Tages

Ich habe noch etwas vor, denn ich will ja morgen eine weitere Etappe laufen und so fahre ich mit meinem Auto weiter nach Lorch, wo ich mir im „Gästehaus Mittendrin“, welches zum Backhaus Laquai gehört, ein Zimmer reserviert habe. Ich muss mein Auto außerhalb der Stadtmauern parken, habe es aber nicht weit mit meinem Köfferchen im Schlepptau.

Ausgeruht und frisch geduscht suche ich mir im Ort ein Lokal, in dem ich zu Abend essen kann. Damit ich mich alleine nicht komisch fühlen muss, nehme ich mir etwas zu lesen und mein Wandernotizbuch mit. Viel Auswahl an ansprechenden Lokalen habe ich nicht, aber ich erinnere mich, auf meiner letzten Wanderetappe von Kaub nach Lorch in der Nähe des Bahnhofs an einer Straußenwirtschaft vorbeigekommen zu sein: das Weingut Rößler. Als ich das Lokal im Gewölbekeller betrete, schlägt mir eine ausgelassene Stimmung entgegen. An zwei Tischen sitzen vermummte und gruselig bemalte Gestalten und futtern Pfannkuchen. Es ist Halloween und die Bande erhält hier ihre Wegzehrung, bevor sie auf den Straßen weiterheulen kann. Die Wirtin, eine fröhliche Niederländerin, die sogar mal eine hessische Spundekäs-Meisterschaft gewonnen hat, fragt mich, was ich heute gemacht habe und setzt mich nach meiner Antwort kurzerhand an einen Achtertisch, an dem bereits ein Paar und ein männliches Quartett sitzen – alles Wanderer!

Im ersten Moment ist mir das eher unangenehm, doch die Enge am Tisch und vor allem die herzliche Art der Gastgeberin lockern die Stimmung enorm schnell auf, so dass ich bald mit allen am Tisch ins Gespräch komme. Das Paar ist eigentlich mit dem Rad unterwegs und bricht bald auf, um mit dem Zug zurück nach Wiesbaden zu fahren, die vier Herren sind allesamt untereinander verschwägert und machen jedes Jahr eine ca. 4-tägige Wanderung den Rhein hinauf. Sie kommen aus dem westlichen Münsterland, ihr Fernziel ist Basel und gemeinsam überlegen wir, wie es am Ende des Rheinsteigs weitergehen kann. Vielleicht mit dem Rheinterrassenweg? Gemeinsam leeren wir in den vier Stunden eine Flasche Wein und haben uns an diesem Abend viel zu erzählen. Fröhlich laufe ich bei Neumond unter funkelndem Sternenhimmel zu meiner Unterkunft zurück. Hatte ich nicht vorher noch die Befürchtung gehabt, mich einsam fühlen zu können? Ts, ts, ts…

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