Circum Bonnum – Bonnpfad (3)

Unterwegs auf meinem Bonnpfad von der Mondorfer Fähre in Niederkassel bis Bonn-Kohlkaul, wo ich vor einer Woche gestartet bin.

11,4 km, praktisch keine Höhenmeter (43 Hm)

gewandert am 03.03.2018

GPS-Tracks: Etappe 1 und Etappe 2

 

Tada! Der Märzwinter, da isser! Ich hatte da so was im Gefühl …. Wollte ich nicht am Samstag meinen Bonnpfad in Rüngsdorf weiter verfolgen?

Über Nacht hat es wieder geschneit. Am Vorabend sah ich es schon leise rieseln. Das bedeutet am nächsten Morgen erst einmal Schneeschippen. Bei der Kälte und dem eisigen Untergrund zieht mich zunächst doch nichts nach draußen. Zu Mittag stiehlt sich dann plötzlich ein Sonnenstrahl durch die trüben Wolken und ich überlege mir spontan, doch noch loszuziehen. Aber ich suche mir eine flache Gegend aus und will die rechtsrheinische Seite des Bonnpfads von der Mondorfer Fähre zurück nach Bonn-Kohlkaul vervollständigen. Schon 15 Minuten später sitze ich im Bus.

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An der Mondorfer Fähre

Es war eine eisige Wanderung heute. Der erste Teil entlang des Rheins und der Sieg auch sehr hübsch, aber der weitere Wegverlauf über den Siegdamm Richtung Sankt Augustin-Meindorf oder durch die Felder nach Sankt Augustin-Hangelar war etwas eintönig und der Weg überwiegend asphaltiert. Da denke ich doch sehr über eine Verbesserung der Wegführung nach, was aber eine deutlich größere Umrundung Bonns bedeuten würde. Ich hätte diese Wanderung hier sonst auch nicht veröffentlicht, wenn sie nicht zum Bonnpfad gehört, der doch vollständig sein sollte. Also werde ich mal „im großem Stil ausholen“ 🙂 .

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Mondorf“ gehört heute zur Stadt Niederkassel. Der Name des Ortes leitet sich von „Mündungsdorf“ ab, denn hier fließt die Sieg in den Rhein. Und viele wissen es nicht, ab hier beginnt der geografische Niederrhein. Ich habe noch keinen Kölner getroffen, der sich als Niederrheiner sieht. Ihr etwa?

Hier startet ein Radweg entlang des Rheins bis Duisburg. Bis Köln gibt es keine Brücke mehr über den Rhein. Am flachen Kiesstrand des Rheinufers zwischen Köln und Düsseldorf lassen sich neben altrömischen Ton- und Glasscherben auch besondere Steine finden, z.B. Achate. Sven von Loga, der auch mehrere Bücher über Geowanderungen hier in der Gegend geschrieben hat, bietet dafür Exkursionen an. (www.uncites.de) Eine davon möchte ich auch gern einmal besuchen.

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Am Rhein, an der Mondorfer Fähre

Doch ich will ja nicht den Rhein hinabradeln, sondern Richtung Sieg wandern. Dafür laufe ich vom Hafen zunächst entlang eines Altarms zum ausgeschilderten Mondorfer Yachthafen. Vorbei am Café Hafenschlösschen und unter einer niedrigen Gangway hinweg umrunde ich den Yachthafen. Die Sonne tut, was sie kann, aber die dichte Wolkendecke lässt ihr keine Chance.

Am Wegesrand sind Schilder zum „Grünen C“ aufgestellt (zum Lesen, Fotos anklicken).

Ebenso finden sich Hinweisschilder zu einem Kulturpfad oder zur Geschichte des 500 Jahre alten Fährbetriebs, Anekdoten und Hintergründiges zum Thema Schiffer & Fischer. Unweit von hier gibt es ein schönes Fischereimuseum in Troisdorf Bergheim, es ist einen Abstecher wert. (www.fischereimuseum-bergheim-sieg.de)

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Mondorfer Yachthafen

Nach der Umrundung des Hafenbeckens erreiche ich, indem ich wieder auf das Ufer des Rheins zugehe, einen Grillplatz mit ausreichender Anzahl von Bänken für eine große Gruppe. Hier lässt es sicherlich gut feiern! Müll, aber bitte wieder mitnehmen, nicht wie es andere gemacht haben, die ihre Hinterlassenschaften und Flaschen am Rheinstrand liegen gelassen haben. Nein, sie wurden nicht vom kürzlichen Hochwasser angeschwemmt…

Ich halte mich links und stehe nach hundert Metern an der Siegmündung:

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Das gegenüberliegende Ufer ist das schmale Kemper Werth, das man von Schwarzrheindorf aus bewandern kann.

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Nun halte ich mich auf einem schmalen, urigen Pfad stets am Ufer der Sieg entlang. Manchmal verzweigt sich der Weg, doch bleibt man in Ufernähe ist man richtig. Auf zwei kleinen Brücken überquere ich den „Diescholl“ und die „Oberste Fahr„, zwei Altarme der Sieg. Am Diescholl ist das Fischereimuseum und der alte, ausgediente Aalschokker liegt davor vor Anker und kann in den Sommermonaten im Rahmen eines Museumsbesuchs besichtigt werden.

Der Pfad ist äußerst naturnah und ich werde gewahr, dass hier noch vor 6 Wochen beim Hochwasser alles unter Wasser stand. Einige umgestürzte Bäume kann ich gut umgehen. Ich folge einfach den frischen Fußspuren im Schnee. Doch irgendwann ist dann doch kein Weiterkommen mehr. Bäume sehen manchmal noch mächtiger und größer aus, wenn sie vor einem liegen, oder?

Auf meinem Wandernavi sehe ich, dass ein etwas größerer Weg parallel zu meinem Uferpfad verläuft, so dass ich kurzentschlossen querfeldein laufen kann, um diesen Weg zu erreichen und auf ihm meine Wanderung fortsetze. Wer zeitnah diesen Weg nachlaufen möchte, bleibt bei Kilometer 1,8 auf dem nach links führenden Weg und hält sich danach wieder rechts.

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Blick zurück zur Siegmündung

Mein Weg macht einen Linksbogen und verläuft nun auf einem Damm. Rechter Hand in den Siegauen, die sehr wichtig zur Regulierung des Hochwassers sind, stehen hohe Erlen, links erstrecken sich von Hecken gesäumte Felder. Ich höre Spechte klopfen, doch sehe ich keinen. Rotkehlchen, Blaumeisen und Rotschwänzchen zeigen sich mir heute häufiger.

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Ich komme der Zivilisation wieder näher und höre schon die nah gelegene Autobahn. Da sich zwei Autobahnen hier vereinen, ist diese Geräuschkulisse leider noch weitere 4 km mein Begleiter.

Ich muss jetzt die Sieg überqueren, um der Bonner Stadtgrenze, die an der Südseite der Sieg verläuft, weiter zu folgen. Ich habe mir viel Zeit bis hierhin gelassen. Das ist bei mir auf Alleinwanderungen immer so. Am Anfang fotografiere ich viel, mache mich mit dem Weg und der Umgebung vertraut und schlendere mehr, als dass ich wandere. Erst auf der zweiten Weghälfte erreiche ich meist mein Durchschnittswandertempo. Bis hierhin ist es ein wunderschöner Weg!

Die schönste Möglichkeit zur Überquerung der Sieg ist bei Km 4,3 an der alten Siegfähre, doch ist diese im Winter leider stillgelegt. Diese „Berchemer Fahr“ (Bergheimer Fähre) besteht seit 1777 und ist eine Gierfähre (Seilfähre). Das ansässige Restaurant mit Biergarten ist bei schönem Wetter ein beliebtes Ausflugsgebiet, vor allem für Radfahrer, die den Siegtalradweg (https://naturregion-sieg.de) fahren. Hier gibt es eine E-Bike-Ladestation und eine in den Boden verankerte Luftpumpe. Toller Service. Mir gefallen auch sehr die bootsförmigen Ruhebänke.

Die Troisdorfer Siegaue an der Siegmündung gilt als die am besten ausgebildete Flussmündung des mittleren Rheintals mit naturnaher Überflutungsdynamik. Das ist sehr wichtig für die nah am Ufer gebauten Städte Köln und Düsseldorf. Zudem bieten das lehmige Ufer und die Auwälder mit ihren Kopfbuchen und dem dazwischen stehenden Schilf Unterschlupf für Steinkauz, Schwarzmilan, Pirol und Eisvogel: Wertvoller Lebensraum.

Da die Fähre nicht fährt, muss ich die Sieg auf der parallelen Autobrücke überqueren. Nicht schön.

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Dahinter folge ich, nun am linken Ufer der Sieg, wieder mal dem Sieghöhenweg, der auf dem Siegdamm und somit auf dem Radweg über Asphalt verläuft. Es weht mittlerweile ein sehr eisiger, feuchter Wind. Ich mummele mich total ein und ziehe sogar mein Buff aus Merinowolle bis über die Nase hoch. Später sehe ich, dass am Fuß des Dammes auch ein Schotterfußweg verläuft. Doch kann ich ihn erst bei der nächsten „Abfahrt“ erreichen, entscheide mich aber im letzten Moment dagegen, denn von unten habe ich ja gar keinen Ausblick auf die Siegauen.

Bei Abzweigen sind Betonschilder in die Fahrbahn eingelassen. Die gehören zum Grünen C und zeigen die Richtung zu Ortschaften oder Flüssen an. Nebenbei befindet sich stets eine Betonbank, die aber vielleicht auch als Haltepunkt für Radfahrer gedacht ist, dass man nicht absteigen muss? Ich laufe weiter Richtung Sankt Augustin – Meindorf.

Rechter Hand ist der Bonner Ortsteil Geislar in der Ferne zu sehen.

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In dieser Gegend haben mehrere Ortschaften das Suffix -lar: Geislar, Sieglar, Oberlar, Holzlar oder Hangelar. Ich habe mal gelernt, dass das Wort aus dem Alemannischen (?) stamme und so etwas wie „Gatter, Zaun, Hürde“ bedeutet. Das kommt aus der Zeit der Völkerwanderung, als umherziehende Nomadenvölker sich hier vorübergehend niederließen und zunächst eine Umzäunung für ihre Viehherden bauten. Das Lar für die Geis, das an der Sieg oder jenes am Hang (Niederberg in Hangelar). Leuchtet ein. Wie kommt wohl Wetzlar zu seinem Namen?

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An der Trinkwasseraufbereitungsanlage verlasse ich den Sieghöhenweg, um etwas abzukürzen und der Grenze Bonns zu folgen. Der Sieghöhenweg würde der Sieg weiter folgen bis Meindorf. Doch ich treffe später wieder auf ihn. Das Haus des Wasserwerks, das von weitem aussieht wie ein Mehrfamilienhaus, offenbart von Nahem, dass sich hinter den Fenstern eine weitere Mauer befindet. Kurios.

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Schöne Fotomotive gibt es ab hier nicht mehr. Zumindest nicht zu dieser Jahres- und Uhrzeit. Doch aus Dokumentationsgründen habe ich noch zwei. Weiter geht es durch flache Felder und an einem kleinen Hag vorbei auf die Autobahn A59 zu. Da die Wege mittlerweile zum Grünen C gehören, sind sie für die Radfahrer asphaltiert worden (Nachteil), weisen aber in regelmäßigen Abständen Ruhebänke auf und sind teilweise von jungen Alleebäumen gesäumt (Vorteil).

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Ich überquere die Autobahn und die dahinter parallel verlaufende Bahnlinie von Köln nach Koblenz, laufe ein kurzes Stück an ihr parallel Richtung Süden und halte mich dann aber nach links über einen kaum sichtbaren Feldweg in Richtung Hangelar. Am Ende des Feldwegs stoße ich auf das umzäunte und gut gesicherte Gelände vom Bundesgrenzschutz.

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Ich wende mich nach rechts und laufe immer am Zaun entlang und weiter auf der Bundesgrenzschutzstraße. Nun geht es noch ein Stückchen durch den Sankt Augustiner Ortsteil Hangelar immer entlang des Sieghöhenwegs, der hier allerdings an mehreren Abzweigen nicht mehr ausgeschildert ist. Ich überquere dabei die Bahngleise der Linie U66 an der Haltestelle „Hangelar West“. Die Stadtbahnlinie 66 verbindet Bad Honnef, den Bonner Hbf und den Siegburger Bahnhof. Hier könnte diese Etappe sehr gut enden, denn die Verkehrsanbindung ist optimal. Ich laufe aber noch das kleine Stückchen weiter nach Hause.

Überlegungen

Da ich heute gemerkt habe, dass es schön wäre, den Bonnpfad in einem größeren Bogen um Bonn herumzuführen, werde ich ihn modifizieren. Oder ich mache zwei Wege daraus: die grenznahe Runde „Bonnpfad“ und einen größeren und schöneren Weg mit Namen „Circum Bonnum“, der rechtsrheinisch z.B. die Wahner Heide nördlich von Troisdorf und das Siebengebirge streift.

Erstes Fazit

Die rechtsrheinische Strecke des Bonnpfads habe ich nun vervollständigt. Sie ist 23,8 km lang. Wer die Strecke nicht in einem Rutsch laufen möchte, kann sie gut in zwei Etappen aufteilen, die optimal mit Bus und Bahn erreichbar sind.

Hier die gesamte rechtsrheinische Stecke als GPS-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/region-koeln-bonn/bonnpfad–umrundung-des-stadtgebiets-rechtsrheinisch/113687833/

1. Etappe: Niederkassel-Mondorf Fähre bis Sankt Augustin-Hangelar: 9,1 km

Startpunkt zu erreichen mit dem Bus 550 ab Bonn Hbf oder Bus 501 aus Troisdorf, Haltestelle „Ahrstraße“.

Zielpunkt zu erreichen mit der U 66 ab Bonn Hbf, Haltestelle „Hangelar West“.

 

2. Etappe: Sankt Augustin-Hangelar bis Königswinter-Niederdollendorf Fähre: 14,7 km

Startpunkt zu erreichen: siehe Etappe 1 Zielpunkt

Zielpunkt zu erreichen mit dem Zug bis Niederdollendorf Bf + Fußweg aus Bonn-Beuel oder mit dem Bus 541 aus Oberpleis, Haltestelle „Niederdollendorf Fähre“. Oder man beendet diese Etappe an der Haltestelle der U66 „Oberkassel/Römlinghoven“ nach 12,8 km.

Weitere Informationen: http://www.vrsinfo.de

 

 

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