Rheinsteig (24) – Weinberge, Schlösser und Klöster

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Rüdesheim bis Oestrich-Gottesthal (Pension Kühns Mühle)

14,5 km mit Zuweg, offiziell zweiter Teil der 18. und Beginn der 19. Etappe, meine persönliche Etappe 24

gewandert am 11. April 2017

GPS-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-18.-etappe-teil-b-19.-etappe-teil-a-von-ruedesheim-ebental-nac/113944561/

„Im Menschen sind Feuer, Luft, Wasser und Erde, und aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die Wärme, von der Luft den Atem, vom Wasser das Blut und von der Erde den Körper. Dem Feuer verdankt er das Sehen, der Luft das Hören, dem Wasser die Bewegung und der Erde seinen Gang.“

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Frühjahrsurlaub! Hinaus auf den Rheinsteig! Diese und die nächste Etappe habe ich wieder mit einer Übernachtung verbunden. So lohnte sich die weite Anfahrt von Bonn umso mehr. Die Bus- und Bahnfahrt nach Rüdesheim gestaltete sich bis Assmannshausen, eine Station vor meinem Ziel, auch reibungslos. Doch in Rüdesheim war ein LKW in die Oberleitung gefahren und hatte sie mitgerissen, so dass der Zug in Assmannshausen erst einmal stehen blieb und wartete, bis dann ein Schienenersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt wurde. Der Bus fuhr uns über Berge und Dörfer und ich fragte mich echt, wo der hin wolle. Erst in Rüdesheim am Bahnhof verstand ich, warum er diesen Umweg genommen hatte, denn die Schranken am einzigen Bahnübergang zwischen Rheinuferstraße und Stadt waren heruntergelassen und von einem speziellen Schienenfahrzeug aus waren Handwerker damit beschäftigt, die letzten Reparaturen an der Oberleitung vorzunehmen. Der Bus hätte gar nicht am Rhein entlang fahren können. Also, hätte er schon, aber wir Fahrgäste wären hier nicht über die Gleise nach Rüdesheim gekommen. Somit war ich dem Busfahrer sehr dankbar für diesen Umweg, der mir auch interessante Einblicke ins Hinterland bescherte.

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in Rüdesheim

Mit 30 minütiger Verspätung kam ich in Rüdesheim an. Wie gut, dass ich es nicht eilig hatte und schon bei der Anfahrt eine zusätzliche Pufferzeit einberechnet hatte.  Das einzige, das ich in Rüdesheim noch zu erledigen hatte, war die Jagd nach dem Rheinsteigstempel (siehe vorigen Bericht) und dieses Mal erhielt ich ihn problemlos. An der Bäckerei Laquai nebenan setzte ich mich draußen in die Sonne und frühstückte erst einmal ausgiebig. Auch das hatte ich vorher so geplant. Da ich heute mein Übernachtungsgepäck mit mir herumtrug, wog mein nicht allzu großer Rucksack ordentlich und drückte mir ungewohnt auf die Lendenwirbelsäule.

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Gestärkt machte ich mich auf den Zuweg zum Rheinsteig, wo ich ihn das letzte Mal verlassen hatte. Die Abtei Sankt Hildegard grüßte mich wieder vom Berg oben. Bei Ebental erreichte ich meinen Wanderweg. Er verlief am Stegbach entlang und erreichte schon nach kurzer Zeit das ehemalige Kloster Nothgottes, heute ein Hofgut.

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Hier traf ich wieder auf den damals frisch eröffneten Rheingauer Klostersteig, bog aber auf dem Rheinsteig in einen herrlichen Wald ein und lief entlang eines CO2-Lehrpfads, der mir die Besonderheiten der Holzgewinnung, der Nachhaltigkeit und interessante Statistiken zu Wald und Luft vermittelte. Der Wald war sonnig und blütenreich. Ich war im Taunus angekommen!

An der Antoniuskapelle erreichte ich wieder offenes Gelände und die Ausläufer der Siedlung Marienthal. Ich überquerte einen Spielplatz am Rande einer Wiese und lief durch eine Wohnstraße. Am Ende der Straße wuchsen wieder hohe Buchen in den Himmel und durch die noch unbelaubten Bäume hindurch schimmerte schon das Kloster Marienthal unten im Tal. Der erdige Trampelpfad hinab über knorpelige Wurzeln war sehr steil. Zum Glück war der Boden trocken, denn andere Rheinsteigwanderer schrieben hier von Rutschpartien. Neulich las ich auf der Rheinsteig-Homepage, dass der Weg mittlerweile verlegt wurde und der steile Weg nicht mehr im Programm ist.

Kloster Marienthal

Der Garten und der offene Altarbereich unterm Spitzdach ist extra für Outdoor-Gottesdienste angelegt. Insgesamt sprach mich dieses Kloster weniger an, doch betrat ich noch bewusst die Klosterpforte, um …. ja was wohl? Richtig! Um mir einen Rheinsteigstempel abzuholen. Den gab es beim Bruder Pförtner. Und hier hatte ich unheimliches Glück, denn die Pforte wäre in der Mittagszeit eigentlich geschlossen gewesen, doch wartete man noch auf einen Pflegedienst, so dass ich jemand Stempelfreudigen antraf. Prima!

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Auf meiner Karte konnte ich sehen, dass der Rheinsteig nun einen großen Bogen durch den Wald über Norden beschrieb und dann nur in der Nähe von Johannisberg vorbeilief. Mein Wanderführer vermerkte diesen Abschnitt ohne Highlights. Nur die Berge hier hatten so sprechende Namen wie „Sandkopf“, „Birkenkopf“ (Birken stehen oft auf sandigem Boden!), „Bienenkopf“ und daneben der „Honigberg“ (spricht für sich).

Auf Abwegen

Schloss Johannisberg hatte ich bei meiner letzten Etappe von Weitem gesehen und fand das Schloss auf dem Hügel sehr ansprechend. Hier am Kloster traf ich wieder auf den Klostersteig. Und so beschloss ich, ab hier diesem Wanderweg direkt nach Johannisberg zu folgen. Der Weg führte mich durch ein idyllisches Bachtal und an ehemaligen Mühlen vorbei.

Eine einfache Marien- oder Engelskulptur aus Holz zog meinen Blick auf sich. In den Händen trug sie ein Herz:

Unterhalb des Ortes erreichte ich wieder Weinberge und lief neben herrlich blühenden Obstbäumen einher. Letztlich erhaschte ich auch einen Blick auf das Schloss auf dem Hügel. Ein schöner Platz für die Mittagspause.

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Schloss Johannisberg

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Schloss Johannisberg, Mumm-Sekt Kelterei

Durch den Ort Johannisberg ging es an einem weiteren Kloster und der „Kölner Villa“, dem früheren Wohnsitz von Jakob Mumm, vorbei zum Schloss.

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Nach Umrundung des Schlossberges auf Weinbergpfaden überkam mich plötzlich eine leichte Müdigkeit. Ich war ja ganz schon früh heute Morgen aufgestanden. Ein Kaffee sollte Abhilfe schaffen. Im sehr schicken und gehobenen Ambiente des Schlossrestaurant hätte ich mich in Wandermontur und Rucksack nicht wohl gefühlt, weswegen sich das Wiener Caffeehaus Moser mitten im Ort bestens als Alternative anbot.

Der Innenraum bestand aus einer Sammlung von Plüschsofas mit Häkeldeckchen, antike und weniger alte Möbel und ausgestelltem Porzellan. Der Boden war mit mehreren Teppichen belegt. Sehr speziell, sehr kitschig. Doch im Wintergarten oder auf der Terrasse war die Moderne angekommen.

Nach der stärkenden Kaffeepause ging es zurück auf den Rheinsteig, vorbei an der Burgruine Schwarzenstein, hinab zum Ansbach und danach auf den Dachsberg, der aber nur ein Hügel war. Dort erreichte ich wieder den Rheinsteig.

Und endlich sah ich auch den Rhein wieder:

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Die Weinberge hier bei Oestrich-Winkel waren auf Löss gebaut, ein hervorragender Boden, welcher die Rebe im Überfluss versorgt. Darüber informieren Tafeln am Wegesrand. Es ging nur noch sanft auf und ab und es wanderte sich hier ganz hervorragend.

Schloss Vollrads

Quasi „um die Ecke“ tauchte dann plötzlich Schloss Vollrads auf, eines der ältesten Weingüter der Welt. Das Gelände konnte man betreten und in einem Shop die edlen Weine des ansässigen Weinguts, das vor allem für seinen Riesling bekannt ist, verkosten und erwerben.

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Ich hielt mich hier nicht lange auf, sondern folgte weiter meinem Weg durch die Weinlagen.

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Im nächsten Bachtal, dem Gottesthal, hatte ich mein heutiges Tagesziel erreicht, das Weingut mit der Pension „Kühns Mühle“. Sie liegt direkt am Rheinsteig. Ich war noch etwas früh, so dass niemand da war, doch konnte ich es mir auf einer Bank vor der Tür gemütlich machen. Nach einer Viertelstunde kam die Besitzerin und ließ mich hinein, obwohl die Öffnungszeit eigentlich erst 35 Minuten später gewesen wäre. Das fand ich sehr nett. So konnte ich mich in aller Ruhe frisch machen. Von meinem Fenster hatte ich einen schönen Blick. Er reichte hinunter zum Rhein, nach Oestrich-Winkel und auf die gegenüberliegenden Rheinhänge von Ingelheim und Heidesheim.

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Als das Restaurant öffnete, setzte ich mich mit einem „Belohnungsbier“ auf die Terrasse, schrieb mein Wandertagebuch und genoss die letzten Sonnenstrahlen, bis mich der kühle Schatten ins Haus trieb und ich mir ein leckeres Abendessen bestellte.

Nachts wachte ich kurz auf und als ich aufstand, schaute ich direkt in den vollen, runden Mond hinein. Mit meiner Kamera konnte ich die Szenerie nicht so gut festhalten, aber ich hoffe, dass die Stimmung auf dem Bild rüberkommt.

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Einige Minuten stand ich so am Fenster und schaute in die stille Nacht hinaus, bis ich wieder zu Bett ging und für den nächsten Wandertag Kraft schöpfte.

Auch von Oestrich-Winkel gibt es einen Rheinsteigstempel, der allerdings nur in der ortsansässigen Touristeninformation erhältlich ist. Von meiner Pension nach Oestrich hätte ich einen 7 km langen Hin- und Rückweg in Kauf nehmen müssen, wozu ich keine Lust hatte, zumal im Internet stand, dass das Büro nur bis 16 h geöffnet habe. Ich diskutierte darüber mit der Pensionswirtin, die mir bestätigte, dass viele Wanderer nach dem Stempel fragen und sie sich schon oft bei der Stadt um den Stempel beworben habe, aber man habe ihr nur Absagen geschickt. Die Touristiker wollen eben, dass die Wanderer in ihren Ort kommen, der sonst gar nicht vom Rheinsteig profitieren würde. Aber hier versteht man doch, warum das Stempelheft wenig Erfolg hatte und schließlich eingestellt wurde.

7 Antworten auf „Rheinsteig (24) – Weinberge, Schlösser und Klöster

  1. Huhu. Toll beschrieben. Deine Bilder erinnern daran, dass ich mich auch schon auf den Frühling eingestellt hatte… und nun kommt doch nochmal Winter… seufz.
    Der Klosterweg sieht auch interessant aus… den muss ich mir mal näher betrachten.
    Lieben Grüße aus dem Hunsrück
    Claudia von aktiv-durch-das-leben.de

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebe Claudia,
    Richtig, der Märzwinter ist wieder da, mit Schnee am Wochenende. Brr… Ich mag die Kälte nicht mehr.

    Vielen Dank für dein Lob! Den Rheingauer Klostersteig fand ich auch interessant. Er beginnt mit einem Zuweg in Assmannshausen und verbindet mehrere Klöster, u.a. Sankt Hildegard, Nothgottes, Marienthal, Johannisberg und endet am Kloster Eberbach. Was ich schön finde sind die Stationen zum Innehalten auf dem Weg. Eine Tafel gibt Tipps, z.B. zu Atemübungen und Meditation.
    Der Weg interessiert mich auch.
    LG
    Aurora

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  3. Das ist ja unglaublich, dass bei euch schon die Apfelbäume blühen! Hier bei uns auf der Alb ist vom Frühling noch nicht so viel zu sehen. Also, wenn wir unsere Tour durch GB beendet haben, werden wir auf jeden Fall auch wieder mehr in heimischen Gefilden unterwegs sein. Du läufst eine tolle Tour, die Lust auf Deutschland macht!

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  4. Nein, hier blühen noch keine Apfelbäume. Ich berichte nach und nach von meiner Rheinsteigwanderung, die sich über 2 Jahre von August 2015 bis August 2017 hinzog. Die Etappe 24 bin ich im April 2017 gewandert. 😊
    Und ja, der Rheinsteig lohnt sich auf jeden Fall. Zumindest bei gutem Wetter.

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