König-Ludwig-Weg (3) – auf nach Wessobrunn!

Unterwegs auf dem König-Ludwig-Weg von Andechs nach Wessobrunn

19 km, Etappe 3

gewandert am Pfingstmontag, dem 21. Mai 2018

Gps-Track auf Komoot (rechne minus 6,8 km Schifffahrt über den Ammersee)

Als ich an diesem Morgen aufwachte und aus dem Fenster schaute, leuchtete mir ein tiefblauer, wolkenloser Himmel entgegen. Geniales Wetter!

In großer Vorfreude auf den bevorstehenden Wandertag packte ich meinen Rucksack schon etwas schneller als noch am vorigen Tag. Pünktlich um 7 Uhr brachte mir Frau Gerhardt das bestellte Frühstück, welches ich auf der Terrasse sitzend einnahm. Hach, war das schön! Da ich schon wusste, dass ich am Abend in Wessobrunn kein Restaurant vorfinden werde, packte ich mir die übriggebliebenen Brötchen als Proviant ein. Das einzige Hotel in Wessobrunn, in dem ich mein Zimmer gebucht hatte, renovierte nämlich gerade das Restaurant.

Ich verließ um 7:45 h das hübsche Appartement (www.urlaub-in-andechs.de) und machte mich wieder auf die Socken. Vor der heutigen 19 km langen Strecke hatte ich etwas Respekt, weil ich bisher noch nie eine längere Tour als 18 km gelaufen bin, schon gar nicht mit schwerem Rucksack. Mir fehlten schlicht Erfahrungswerte. Andere König-Ludwig-Weg-Wanderer, die ihr Gepäck transportieren ließen, sind die letzte Etappe von Starnberg weiter bis Herrsching gelaufen oder haben sogar nach Dießen übergesetzt. Dieser Abschnitt zum Ammersee stand mir nun bevor.

DSCN8303
Am Rand von Andechs-Erling

Ich hatte mir im Vorfeld meine Etappen selbst eingeteilt und dabei geplant, nicht mehr als 20 km/Tag zu laufen. Für die Tage mit Berganstiegen waren die Etappen deutlich kürzer angesetzt. Im Zug auf der Hinfahrt war ich mit einer Frau ins Gespräch gekommen, die sich mir am liebsten gleich zur Wanderung angeschlossen hätte. Sie fragte nach meinen Etappenlängen und als ich meinte, es wären im Schnitt 16,5 km pro Tag, nickte sie zustimmend: „Da Sie keinen Pausentag eingeplant haben, ist das die richtige Länge“. Ups, an einen Pausentag hatte ich überhaupt nicht gedacht!

Von Andechs aus verlief der Weg unterhalb des Klosters sanft bergab durchs wildromantische Kiental nach Herrsching. Da ich den Klosterberg nicht noch einmal nur zu dem Zwecks besteigen wollte, um ihn am anderen Ende bergab wieder zu verlassen, hatte ich mir für den Anfang eine etwas andere Route gebastelt. Das Schiff über den Ammersee würde um 9:30 h fahren, das müsste ich auf jeden Fall bekommen.

 

Das hübsche Kiental zog mich sofort in seinen Bann. Neben mir plätscherte der Kienbach im tief eingegrabenen Bachbett und auf der anderen Wegseite posierten interessante Felsformationen. Es tropfte noch ziemlich von den Bäumen, denn am letzten Abend hatte es ein Gewitter gegeben. Leider verlor ich mein Stofftaschentuch aus der offenen Hosentasche. Das ärgerte mich ziemlich, da ich – besonders bei hoher Luftfeuchtigkeit – oft ein Taschentuch benötige und recht zufrieden mit der Idee gewesen war, aus Gewichts- und Platzgründen auf mehrere Papiertaschentücher zu verzichten und nur dieses eine Stofftaschentuch mitgenommen zu haben, was ich ja waschen konnte. Nun ja.

Einige Jogger kamen mir an diesem frühen Morgen entgegen und auch eine größere Wandergruppe, die zur Rast bereits um 8:15 h eine Bierflasche reihum gehen ließ.

Die Sonne, die sich ihren Weg durch die Zweige bahnte, zeichnete hübsche Strahlen ins Blattwerk:

DSCN8318

Kurz nach den ersten Häusern von Herrsching erreichte ich die St. Martinkirche mit der Mariensäule.

DSCN8326DSCN8328

Hier folgte ich der Empfehlung meines Wanderbuches von Christel Blankenstein (Berg & Tal Verlag, das ich wirklich empfehlen kann) und verließ für ein kurzes Stück den König-Ludwig-Weg, um am Bach entlang Richtung Bahnhof und Schiffsanlegestelle zu kommen. Dies sei angeblich der hübschere Weg. Von mir gibt es keine Beschwerden 🙂

Den Bootssteg erreichte ich um 9:05 h, rechtzeitig vor Eintreffen des Schiffes. Dieser Teil der Tagesplanung war also geschafft! Als Wanderin war ich gut zu identifizieren, so dass die Dame im Tickethäuschen mich mit den freundlichen Worten begrüßte: „Einmal nach Dießen ohne Rückfahrt, richtig?“ Richtig.

DSCN8333

Hier am See war der blaue Himmel nicht mehr zu sehen. Heller Dunst lag noch über dem See. Ich genoss die ruhige, neblige Stimmung am Wasser.

DSCN8336DSCN8338

DSCN8341DSCN8342DSCN8343

Auf dem See änderte sich das ganz schnell. Wir fuhren in die Sonne hinein. Kaum in Dießen angekommen, musste ich mich meines Fleeces entledigen und die Hose kürzen, so heiß und sonnig war es plötzlich.

 

DSCN8348

Die Gegend hier, genauso wie um Starnberg, gefiel mir ausnehmend gut. Hier könnte ich auch leben!

Dießen hieß mich mit einem hübschen kleinen Dorfcharakter willkommen. Nette Geschäfte und Kunstgalerien, aber auch die „bekannte“ Fischbude in der Nähe des Kais begrüßen die Urlauber.

 

Warum „bekannt“? Ich hatte den König-Ludwig-Weg und besagte Fischbude in einer BR- Sendung kennengelernt und beim Anschauen war mein Wunsch gewachsen, diesen Weg im Pfaffenwinkel zu wandern. Nun war ich hier!

 

Ich stiefelte entlang dieses Weges am Carl Orff Museum vorbei den Hügel hinauf zur Marienkirche und dem angrenzenden Kloster St. Vinzenz.

 

 

In der Kirche fand gerade ein Gottesdienst statt, weswegen ich bald wieder weiterging.

Ein hübscher Brunnen draußen bot an diesem Kreuzungspunkt von Wander- und Radwegen Trinkwasser für durstige Radler, Wanderer und Jakobspilger dar.

DSCN8373DSCN8376

Direkt an der Kirche fand ich kein Wegzeichen mehr, aber das machte nichts. Ich folgte zunächst der Richtung, die ich für die richtige hielt und startete meine Komoot-App, die ich sonst nicht ständig laufen ließ, da der Weg außerhalb von Städten sehr gut ausgeschildert war.

 

Ich fand schnell wieder auf den richtigen Pfad und erlebte bald meine nächste schöne Überraschung: ich konnte die Berge sehen! Mich überkommt jedes Mal ein Hochgefühl, wenn ich die Alpen sehe und ich liebe es, im lieblichen Hügelland unterwegs zu sein, die Alpenkette am Horizont vor Augen.

DSCN8382

Von hier aus lief ich bei schönstem Sonnenschein durch Wiesen und an Bauernhöfen vorbei auf ein Wäldchen am Schatzberg zu.

 

Mein morgiges Ziel, den Hohenpeißenperg, konnte ich in der Ferne auch schon ausmachen und mit der Zoomfunktion der Kamera schon mal ganz nah heranholen 🙂

DSCN8384

Im schattigen Wald fand ich wunderschöne kleine Pfade vor. Schmale Bachläufe und sogar Sinterterrassen säumten meinen Weg zum Mechthildis-Brünnlein und zur Burgkapelle. Mechthildis wird als die Brotmutter des Ammersees verehrt und dem Wasser des Brunnens werden heilende Kräfte nachgesagt.

 

Gerade als ich dachte, ich hätte meine drei Wanderkarten umsonst mitgeschleppt, fragte mich eine junge Familie nach dem Weg. Ich kannte mich in der Gegend ja nicht aus, aber ich konnte mit meiner Karte aushelfen. Ähnliches passierte mir kurze Zeit später noch einmal. Zum Dank wurde ich fotografiert:

Mit dem herrlichen Bergpanorama vor mir lief ich weiter. Schatten war für die nächsten 4-6 Kilometer passé. Heiß knallte die Sonne herunter und leider war der Weg durch die Wiesen ein Asphaltsträßchen. Das schlauchte sehr und tat meinen Füßen überhaupt nicht gut. Mein lockeres Lauftempo wich einem Dahinschleichen. Nur die schöne Landschaft und die wunderschönen Blumen in Hülle und Fülle (z.B. Arnika und Iris) oder nette und interessante Begegnungen mit Tieren ließen mich auf diesem Abschnitt nicht verzweifeln.

Weiß jemand, was das für ein Insekt ist? Es krabbelte mir sehr schnell über den Weg und war ca. 2,5cm lang.

Ich lechzte nach Schatten und hätte gerne Mittagspause gemacht. Doch Bänke gab es seit der Burgkapelle nicht mehr. Einen unheimlich dicken Baumstumpf mit bestimmt 1,5 m Durchmesser fand ich zwar, aber ich hätte einen Graben dorthin überwinden müssen und wollte gerne etwas mehr Schatten beim Pausieren haben.

DSCN8423

In meinem Wanderführer stand, dass diese Etappe reichlich Schatten böte und ich hatte nach einem Blick in die Karte mit dem vielen Wald auch damit gerechnet. Wo war er? Irgendwann kam auch ein etwas schattigerer Weg, als es in den Bayerischen Staatsforst Dießen ging, jedoch waren nach einem kurzen Stück die Forstwege wieder breit und zudem noch schnurgerade, sodass die Bäume keinen Schatten spendeten.

Aus meiner Mittagspause wurde leider auch nichts, denn stellt euch vor:  7 km am Stück gab es keine einzige Bank am Weg! Ich musste letztlich stehend mein Brötchen einnehmen, denn auch der Wald gab keinen Baustumpf oder ähnliches her. Da war es eher sumpfig. Das war echt blöd.

Nun waren es nur noch 3 km bis Wessobrunn. Eine winzige, Zahnstocher-dünne Blindschleiche kreuzte meinen Weg, der kurz danach – wieder mal auf Asphalt – einen Berg hinaufführte, von wo ich einen tollen Blick zurück hatte. Ich konnte die Ebene am Ammersee und den Hügel von Andechs sehen, von wo ich gekommen war.

Und da hatte der Pausen-Gott endlich ein Einsehen mit mir. „Uschis Wanderbank“ für müde Pilger (und hoffentlich auch Normalwanderer) tauchte unter einem großen Kastanienbaum auf. Erschöpft ließ ich mich nieder. Für mich müssten solche Bänke auch Seitenlehnen haben, weil ich nach einer anstrengenden Strecke oft quer auf der Bank sitze und meine Beine hochlege und mich dann trotzdem gerne anlehnen würde 🙂

IMG_0978

Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen,

Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.

(Wilhelm Busch)

Dieser Spruch und weitere Texte zum Nachdenken fanden sich auf einer Tafel neben der Bank und an mehreren Stellen meines Weges, der genauso wie der Jakobsweg parallel zu einem von drei Pilgerrundwegen im Pfaffenwinkel verlief. So fand ich z.B. eine Achtsamkeitsübung, mein Hören zu schulen, wenn der Weg langweilig oder eintönig erscheint. Nicht nur auf Geräusche von Außen hören, sondern auch auf die innere Stimme. Sehr schön!

DSCN8452

Der Weg stieg weiter an, verlief ein kurzes Stück durch schattigen Wald und trat dann aus diesem heraus. Schon meinte man, jetzt endlich oben zu sein und bestimmt eine grandiose Aussicht vorzufinden, da sah man dann das vor sich:

DSCN8456

Okay, das schaffte ich auch noch, obwohl die Füße schon ziemlich weh taten. Mein Wanderführer versprach ein herrliches Panorama! Waren es nicht vorhin nur noch 3 Km bis Wessobrunn? Ganz ehrlich, 3 km über so eine Asphaltstraße bei sengender Sonne und schwüler Wetterlage kamen mir persönlich vor wie 6 km.

Doch das angekündigte Panorama offenbarte sich irgendwann endlich auch mir und es wurde wirklich nicht zu viel versprochen.

 

DSCN8462DSCN8463

Angerührt stand ich auf der Anhöhe und schaute mich um. Einzig der Umstand, dass die Gewitterwolken zunahmen und die einzige Bank auf der Anhöhe bereits belegt war, ließ mich bald weitergehen. Die ersten Häuser von Wessobrunn-Haid waren schon zu sehen.

IMG_0980

Uschi, die die Wanderbank aufgestellt hatte, bot in Haid auch eine Pilgerherberge an. Das ist sehr nett bei ihr, so teilte mir eine Pilgerin an kommenden Tag mit. Ganz schön weit noch von hier bis Santiago:

IMG_0984

Wessobrunn als heutiges Ziel reichte mir. Noch bevor ich den Ort betrat, kam ich an das Kloster, an die ehrwürdigen, alten Mauern, die durch den Fund des Wessobrunner Gebets von 814 bekannt geworden ist, das als erstes christliches Gedicht in althochdeutscher Sprache gilt:

DSCN8467

Das Klostergebäude lag an diesem Nachmittag um 15:30 h sehr verlassen da, keine Türe lud zum Eintritt ein, außer die der Kirche. Im Internet hatte ich gelesen, dass in den Klosterräumen mittlerweile Fremdunternehmern ansässig sind, z.B. eine Firma für Naturkosmetik, die dann auch mal eben ihr Schild direkt auf dem UMTS-Wanderwegweiser platziert hatte und ihn dadurch verdeckte. Unglaublich!

Seit neuestem kann man wohl auch wieder im Kloster übernachten. Ich hatte im Vorfeld allerdings keine Möglichkeit gefunden und daher im einzigen Gasthof des Ortes gebucht. Diesen fand ich gleich neben dem Klostergebäude an der Durchgangsstraße, an der auch drei mächtige Linden standen und ein großer Findling, auf dem das Wessobrunner Gebet verewigt war.

 

Ich wusste, dass das Restaurant meines Hotels „Zur Post“ geschlossen war und hatte extra dafür eine asiatische Nudelsuppe eingepackt und im Vorfeld um einen Wasserkocher auf dem Zimmer gebeten. Davon wusste der Hotelier nun nichts mehr, aber er bot mir an, mich zusammen mit einem anderen Hotelgast in den Nachbarort nach Paterzell zu fahren, wo wir essen gehen konnten. Ich nahm das Angebot gerne an und erlebte einen sehr netten Abend bei Allgäuer Käsesuppe und Spargelsalat. Der andere Hotelgast war Catherine, eine junge Australierin aus Brisbane, die auch den König-Ludwig-Weg lief und mich schon in Starnberg auf dem Weg gesehen hatte.

An diesem Abend zeichneten sich meine Fußprobleme schon ab, die sich leider in den nächsten Tagen verstärken sollten. Nach dem Essen konnte ich die ersten Meter kaum auftreten. In der Nacht wachte ich auf und spürte sofort den stechenden Schmerz in meinem rechten Fuß, der allein von der Berührung der Bettdecke ausgelöst wurde. Das kannte ich von einer langen Wanderung vor ein paar Wochen. Damals konnte ich am nächsten Morgen nicht mehr laufen und brauchte bis zum Mittag, bis ich den Schmerz weggelaufen hatte.

Aber jetzt? Und hier? Nein!! Das darf doch nicht wahr sein! Muss ich hier etwa schon aufgeben?? Ich will den nächsten Tag abwarten und schlafe wieder ein….

 

Fortsetzung: Etappe 4

Hier geht es zurück zur Etappe 1 und Etappe 2 des König-Ludwig-Wegs.

4 Antworten auf „König-Ludwig-Weg (3) – auf nach Wessobrunn!

  1. Ich leide wirklich jeden Schritt auf dem Asphaltweg mit dir. Das in Kombi mit Hitze nimmt einem eine Menge Spaß.
    Die Ausblicke hingegen sind herrlich. Ich muss mich doch mal schlau machen, welches Stück Jakobsweg dort unten wohl lang läuft. Den ersten Stempel hätte ich ja schon 😊

    Gefällt mir

  2. Es ist der Münchener Jakobsweg. Eine Pilgerin sagte mir, er sei nicht historisch gewachsen, wie z.B. der Augsburger, sondern irgendwann mal aus Prestigegründen eingerichtet worden, damit München auch einen Jakobsweg bekommt. In Wessobrunn gab es eine schöne Tafel an der Klostermauer, auf der alle Jakobswege eingezeichnet waren.
    Ja, die Landschaft ist wirklich traumhaft!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.