König-Ludwig-Weg (6) – am Ende nur Kirchen

Unterwegs auf dem König- Ludwig-Weg von Wildsteig nach Halblech-Berghof

Etappe 6,  Donnerstag, dem 24. Mai 2018

4 km gewandert von eigentlich 19,3 km lang, den Rest mit dem Bus gefahren

Gpx-Track bei Komoot von der gesamten Etappe 6, zum Nachwandern.
Hier liste ich noch die beiden letzten Etappen der Vollständigkeit halber auf, wie meine Wanderung ursprünglich geplant war: Etappe 7: Halblech-Hohenschwangau & Etappe 8: Hohenschwangau-Füssen

An diesem Morgen gab mir der erste Schritt aus dem Bett die Gewissheit: Es war eindeutig, ich musste meine Fernwanderung abbrechen. Mein erster „Thruhike“ endete so kläglich… Ich konnte mit den Fußschmerzen nicht weiterlaufen, nicht die heutige Etappe, die mit 19,3 km die längste des Weges gewesen wäre.

In meiner ungemütlichen Unterkunft toppte das Frühstück noch meinen bisherigen, nicht so positiven Eindruck – um es mal freundlich auszudrücken. Als ich in den ersten Stock herunter kam und bei der Vermieterin klopfte, bekam ich auf meine zaghafte Frage nach dem Frühstück die Auskunft, ich solle einfach ins Erdgeschoss herunter gehen, da stünde schon alles für mich bereit. Es war dunkel im Flur unten, kein Licht zeigte mir den Weg, welche der 5 Türen zum Frühstücksraum führt. Ich probierte einfach jede. Peinlich. Die letzte war es dann. Es war nur für mich angerichtet, aber es wirkte, als habe schon jemand anderes davon gegessen, denn im Brotkorb befand sich neben zwei recht trockenen hellen Brötchen noch ein etwa 8 cm langes Reststück einer Laugenbrezel. Die Butter fehlte. Der Deckel des Marmeladenglases war so verklebt, dass ich ihn nicht auf bekam. Im offenen Bücherregal an der Wand stapelten sich wie im ganzen Haus neben Zeitschriften allerlei Krimskrams und ehemalige Deko, zwischendrin aber auch weitere Marmeladen- und Honiggläser, eine offene Kakaopackung und diverse Gewürzensembles. An der Wand hing ein Foto von früher, das zeigte, wie die Hausherrin gerade mit einem Tablett das Frühstück auftrug. Das Regal auf dem Foto sah damals schon genauso kruschtig aus… Bei mir ist es auch nicht super ordentlich – jedem das Seine! Aber ich vermiete meine Zimmer auch nicht. Ich finde, das ist der Unterschied. Der Gast soll sich doch wohl fühlen, oder?

Irgendwann kam die Hausherrin und ich fragte nach Butter. Ach ja, die war ja noch im Gefrierschrank, weil die sonst keiner esse. Müsse ich halt etwas kratzen. Das stellte sich als Unmöglichkeit heraus, weswegen ich mein Brötchen trocken aß und schon nach 10 Minuten machte, dass ich hier vom Acker kam.

Ich lief zur Bushaltestelle. Da ich das Hotelzimmer im nächsten Ort nicht mehr kostenlos stornieren konnte, wollte ich mir noch einen ruhigen Urlaubstag gönnen und erst einen Tag später nach Hause fahren. Die berühmte Wieskirche lag heute auf dem Weg.

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Glücklicherweise gab es gleich morgens einen direkten Bus dorthin und zwei Stunden später der Anschluss nach Buching. So konnte ich mich in Ruhe umschauen.

 

Die Wieskirche hat viele Fenster, vor allem im oberen Teil der Kirchenwände, was sie sehr hell macht. In einem TV-Bericht hieß es mal, es sei eine „Kopfkirche“, da alle Menschen beim Eintritt als erstes den Kopf in den Nacken legen und das wunderschön bemalte Himmelsgewölbe betrachten. Ich war um 9h in der Kirche. Eine ideale Zeit, denn ab 9:30 h fielen die Touristenschwärme ein und ich floh in die Wiesen hinter der Kirche.

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Ein sehenswertes Fotoobjekt, die Wieskirche:

 

Zwischen den Weiden und Wiesen versuchte ich, mit dem kläglichen Funknetz einen Zug für die Heimfahrt zu buchen und das Hotel für den 7. Tag zu stornieren. Vergeblich. Auch im angrenzenden Restaurant wollte sich mein Handy nicht mit dem WLan der darüber liegenden Ferienwohnung verbinden, von dem mir der Kellner netterweise das Passwort genannt hatte.

Eigentlich hatte ich ja für die am Samstag geplante Rückreise bereits eine Zugfahrkarte gebucht. Die konnte ich zum Glück später noch stornieren, bekam aber wegen der abgezogenen Gebühren nur noch 3,90 € ersetzt. Dennoch wollte ich einen Tag früher heimfahren, da eine weitere Übernachtung mich genauso viel gekostet hätte, wie eine neue Fahrkarte. Tipp: Wenn man einen Sitzplatz gebucht hat, kann man den auf eine andere Fahrt übertragen. Also erst die neue Fahrkarte buchen, den Sitzplatz umschreiben und dann die alte Fahrkarte stornieren. Ich hab es leider andersherum gemacht, weil ich das nicht wusste.

Ich fuhr gegen 11 h mit dem Bus weiter bis Buching-Halblech. Dort schaute ich mich kurz um und kehrte in einer netten Käserei ein, die eine gastronomische Abteilung hatte. Ich bestellte einen leckeren Snack aus Brezel mit drei verschiedenen Frischkäsesorten, denn auf mein Butter-loses, trockenes Brötchen zum Mittag hatte ich keine Lust. Dann begab ich mich auf meinen Fußweg zum gebuchten Hotel im Dorf Berghof. Es ging Schritt für Schritt durch Wohnstraßen an hübschen bayerischen Wohnhäusern und an der kleinen Dreifaltigkeitskapelle vorbei.

 

Dann nach Bayerniederhofen, das auch eine sehr schöne Dorfkirche (St. Michael) hat. Auf dem Kirchhof stolperte ich und knickte fast mit dem Fuß um. Das hätte mir jetzt noch gefehlt!

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Ich entdeckte einen netten Gasthof „Zur Stoffelwirtin“, in dem es hausgemachte, riesige Burger gab. Da würde ich am Abend einkehren! In Berghof bog ich in die Moorbadstraße zu meinem Hotel Alpenblick ein. Wäre ich die Straße bis zum Ende gegangen, wäre ich wieder auf den König-Ludwig-Weg getroffen.

Das Hotel war für mich wie eine Oase nach der letzten Nacht. Ich durfte schon auf mein Zimmer, obwohl es erst 13 h war. Ich hatte eine eigene große Terrasse mit Blick auf die Berge. Getränke und Snacks gab es im Gemeinschaftsraum zur Selbstbedienung. Ich setzte mich erst einmal gemütlich nach draußen, konnte dank hauseigenem WLan endlich alle Buchungen und Stornierungen durchführen und genoss danach das Panorama. Schaute ich nach links, braute sich was zusammen. Nach rechts sah es noch sehr friedlich aus:

 

Etwas entfernt gewitterte es. Am Nachmittag machte ich noch eine kleine Runde. Ich wäre gern bis zum Forggensee gelaufen, denn sein Wasser war zurzeit abgelassen und das interessierte mich. Auch der kleine Hegradsrieder See am König-Ludwig-Weg sah auf den Bildern so idyllisch aus, dass ich gern daran vorbei gelaufen wäre, aber schon wenige Schritte über einen Wiesenweg unterhalb des Hauses belehrten mich eines Besseren und ich drehte nur die kleine Runde zum Gasthof und zurück. Der Burger war mega! Während ich aß, schüttete es 🙂

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Als ich ins Hotel zurückkehrte, hatte es wieder aufgehört zu regnen und es dampfte die Erde. Die Sonne beschien die Berggipfel. Sie leuchteten wie Feuer, dann war das Licht erloschen und nur noch am Horizont schimmerte es warm und hell. Ein schönes Naturschauspiel.

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Halblech, ich komme wieder! Ich habe zwar zurzeit nicht das Ziel, den König-Ludwig-Weg noch zu beenden – dafür hatte er mir zu viel Asphaltanteile -, aber ich werde im Herbst mit Doris eine Woche Urlaub in diesem Hotel verbringen. Und wer weiß, ob wir dann nicht „zufällig“ noch Abschnitte des König-Ludwig-Wegs laufen? Bis zu den Königsschlössern in Hohenschwangau sind es nur 15 Km.

Freitag, dem 25. Mai 2018

Am nächsten Morgen brachte mich der Bus, der durch den Ort fuhr, ohne Umsteigen nach Füssen zum Bahnhof. Dabei machte ich aus dem Bus heraus Fotos vom Bannwaldsee und in der Ferne den Königsschlössern:

Bis zur Abfahrt meines Zuges hatte ich noch mehrere Stunden Zeit, also schaute ich mich ausgiebig in der Fußgängerzone um und ließ mein Geld beim Italiener.

In einem Geschäft fand ich eine Postkarte, die zum Ende meiner Wanderung passte:

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Fazit

Der König-Ludwig-Weg ist ein schöner Weg. Von der Wegbeschaffenheit zwar nicht wunderschön, aber schön. Ich sag mal 3,5 von 5 Sternen. Er besticht vor allem durch die Gegend, die Panoramen und die sehenswerten Kirchen und Schlösser am Weg, wobei ich letztere nur von einem früheren Besuch her beurteilen kann.

Mir gefällt an dem König-Lugwig-Weg, dass es insgesamt nicht so stark bergauf und bergab geht, wie z.B. beim Rheinsteig. Man hat das Alpenpanorama immer wieder im Blick, fühlt sich also quasi in den Bergen, aber man läuft ziemlich flach. Die Gesamthöhenmeter für die 122 km liegen bei nur 1540 Hm. Wer’s mag oder braucht: voilà, ein idealer Weg dafür!

Meinen Wanderführer „König-Ludwig-Weg“ von Christel Blankenstein aus dem BERG&TAL Verlag kann ich nur empfehlen. Darin wird der Weg in 5 Etappen zwischen 18 und 25 km langen Etappen aufgeteilt. Die einzelnen Etappen sind im Einleitungstext noch einmal in kleine Abschnitte unterteilt, was mir geholfen hat, meine eigenen Etappen zu planen. Komoot half mir natürlich auch. Navigiert habe ich nur an Stellen, an denen die Beschilderung nicht eindeutig war, was insgesamt dreimal vorkam. Ansonsten ist der Weg sehr gut ausgeschildert. Zwei Wanderkarten hatte ich von Kümmerly & Frey und eine von Zumstein, die sich leider ziemlich überlappten. Wären sie anders aufgeteilt gewesen, wäre ich mit zwei Karten ausgekommen. Die waren alle drei sehr gut. Den Maßstab 1:35000 finde ich das Mindeste zum Wandern. Doch im Nachhinein gesehen brauchte ich die Karten nicht wirklich. Es war mehr Spielerei, abends darin zu stöbern und sich den Weg vors innere Auge zu holen oder während der Tour, wenn ich mal einen größeren Überblick haben wollte, wie weit es noch bis zum Etappenende ist.

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Frage

Ist jemand von euch schon einmal den König-Ludwig-Weg gelaufen oder in der Gegend wandernd unterwegs gewesen, z.B. auf dem Jakobsweg? Ich würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, was euch gefallen hat.


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4 Antworten auf „König-Ludwig-Weg (6) – am Ende nur Kirchen

  1. Ich weiß nicht, warum seit einiger Zeit immer so riesige Lücken zwischen meinen Fotos entstehen. Außerdem werden mir manchmal bereits hochgeladene und schon abgespeicherte Fotos gar nicht mehr angezeigt…
    Tut mir Leid!

    Gefällt mir

  2. Das ist aber sehr schade, dass Du Deinen Weg abbrechen musstest. Aber wir Wanderer sagen doch immer der Weg ist das Ziel – also ist es eigentlich nicht wichtig das Ziel zu erreichen. Wenn ich Dir irgendwie noch Tipps zu Wanderschuhen geben kann, dann lass es mich wissen. Mich würde interessieren wie schwer Dein Rucksack war? (Kann sein Du hattest es erwähnt.)Vielleicht sind Deinen Schuhe für das Gewicht zu „weich“ – ich denke das ist oft ein Problem. Servus Bernhard

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