Saar-Hunsrück-Steig (2) – wunderschöne Waldwege und herrliche Aussichten

Unterwegs auf dem Saar-Hunsrück-Steig, Etappe 2, von Hellendorf zur Saarschleife nach Orscholz

14,1 km (mit Zu- und Umwegen), davon 11,2 km auf dem SHS

gewandert am 31.07.2018

Link zur Homepage des SHS mit den einzelnen Etappen

Auch die 2. Etappe mit 17,2 Kilometern waren Doris und mir unter der glühenden Sonne des Sommers 2018 zu lang. Wir entschieden daher, nur bis zur Saarschleife an der Cloef zu laufen und von dort mit dem Bus zu unserem Ausgangspunkt in Hellendorf zurück zu fahren. Wir notierten uns im Hotel sämtliche Busverbindungen von der Rehaklinik in Orscholz mit Umstieg in Tünsdorf, checkten aus, verstauten unser Gepäck im Auto und machten uns von dort auf den Weg zum Saar-Hunsrück-Steig, wo wir ihn gestern verlassen hatten.

DSCN6103*    Im Rückblick muss ich staunen, wie vielfältig wieder diese doch recht kurze Strecke war. Schattige Waldwege, kleine und urige Waldpfade an Tümpeln vorbei, eine Meditations-Oase mit See in einem Tal, ein verwunschenes Waldstück mit knorrigen Eichen und Geröllfelsen und letztlich schattenlose Wiesenwege, die aber grandiose Weitblicke offenbarten. Ja, und nicht zu vergessen, die berühmte Saarschleife zum Schluss. Wie soll ich das nur alles in einem einzigen Bericht unterbringen? Es wird bestimmt auch eine Foto-Orgie werden.

Fangen wir also vorne an. Um 8:30 h zurück auf dem Steig, verlief dieser in einem gehörigen Abstand zu einem weitläufigen militärischen Areal am Waldrand entlang oder über weiche Wiesenwege. Da es noch früh am Vormittag war, ließ sich die Hitze gut aushalten.

 

Den idyllischen Waldsee, den ein Foto in unserem Wanderführer ankündigte, übersahen wir aber fast: er war nämlich ausgetrocknet. DSC00928 (2)

Der gleiche Wanderer von gestern überholte uns wieder und wir munkelten, wo er wohl übernachtet haben könnte. Ich hatte ihn schon längst in Mettlach vermutet, so ausholende Schritte, wie er machte.

Wunderschöne, schmale Pfade führten uns hernach durch einen feuchten Waldgrund, in dem tatsächlich noch ein Wasserlauf gluckste. Wie schön!

 

Dann traten wir aus dem Wald heraus und sahen einen Wiesenhang mit Obstbäumen vor uns, den wir erklimmen mussten.

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Oben angekommen, schauten wir uns um und wunderten uns. Der Wanderer von vorhin, trat soeben hinter uns (!) aus dem Wald heraus. Hatte er sich etwa verlaufen? Genau das fragte ich ihn, als wir an der Lourdes-Grotte, die sich an einem wunderschönen Ausblick aus Tünsdorf befand, zusammentrafen. Der englischsprechende Herr verstand mich nicht, aber vergewisserte sich doch, ob er richtig sei. Also doch verlaufen 🙂

 

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Das passierte uns kurze Zeit auch. Wir liefen, in ein angeregtes Gespräch vertieft, durch die Randbebauung von Tünsdorf und da beim Saar-Hunsrück-Steig wirklich alle Nase lang eine Wegmarkierung kommt, schauten wir irgendwann gar nicht mehr richtig hin und liefen geradeaus in einen Hohlweg, obwohl wir einfach nur weiter der Straße hätten folgen müssen, die einen leichten Linksbogen machte.

Diesen Umweg genossen wir allerdings in vollen Zügen. An vielen Stellen lagen wilde Kirschen am Boden, die teils unsere Schuhsohlen verklebten, aber hier rochen sie etwas gegoren und der Duft erinnerte uns an leckeres Amarena-Eis. Dann öffnete sich der Blick auf Tünsdorf mit seiner Kirche und zurück zur Mariengrotte. Wir erfreuten uns an der schönen Aussicht.

 

Als der nächste Querweg kam, wurden wir erst stutzig: Moment, hier müsste jetzt ein Schild sein! War es aber nicht. Jungfräulich, wie sie zur Welt gekommen waren, standen die Bäume unmarkiert am Wegesrand. Ich zückte die Karte, um nachvollziehen zu können, ob – und wenn ja- wo wir uns verlaufen haben könnten und um nach einem möglichen Verbindungsweg zurück zum SHS zu suchen. Doris ist da ganz anderer Natur: Sie geht grundsätzlich zurück zum letzten Schild. Das taten wir dann auch und waren nach schönen 800 Metern Umweg wieder zurück auf dem Steig.

Der richtige Weg führte uns leicht einen Hügel hinauf, an Obstbäumen vorbei und dann wieder in den Schatten spendenden Wald.

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Plötzlich erreichten wir einen steilen Abhang. Kleine, steinige Pfade führten uns sicheren Trittes nach unten, wo sich uns eine regelrechte Oase eröffnete: Ein munterer Bach ergoss sich über einen kleinen Wasserfall in einen Graben und durchfloss ein Gelände mit mehreren großen Häusern, die an einem idyllischen See lagen.

 

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Wir hätten uns am liebsten auf den Holzsteg gelegt oder wären im See schwimmen gegangen. Das Gebäudeensemble erinnerte mich zuerst an ein Sanatorium oder Altenheim, doch ganz hinten in meinem Hirn kam eine Erinnerung auf, dass ich das hier schon einmal gesehen haben könnte.

 

Und richtig: In einer TV-Sendung „Das himmlische Hotel“ war die Leiterin dieser ehemaligen Mühle, die mittlerweile ein Meditationszentrum ist, gegen andere Hoteliers angetreten. Damals war sie leider nicht sehr gut bewertet worden, aber Doris und ich fühlten uns auf dem Gelände sofort pudelwohl und ließen uns auf einer Bank im Schatten nieder. Die Leiterin kam aus ihrem Büro und fragte, ob sie uns durstigen Wanderinnen einen Krug Wasser bringen könne. Wie nett! Wir tranken gern von dem heilgefilterten Wasser aus der hauseigenen Quelle und sagen von hier aus noch einmal einen herzlichen Dank für die Gastfreundschaft an der Tünsdorfer Neumühle!

Innerlich wie äußerlich gestärkt setzten wir unsere Wanderung durch ein verwunschenes, wildromantisches Waldstück fort: das Naturschutzgebiet Steinchen. Welch passender Name!

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Das Wasser des Steinbachs suchte sich in einer kleinen Schlucht seinen Weg über bemooste Felsbrocken und unter umgestürzten Bäumen hindurch. Unser Weg führte uns am Rande der Schlucht stetig bergauf und erreichte einen Buchenwald mit hohen schlanken Bäumen. Nur wenige Schritte weiter sah die Welt aber schon wieder anders aus und ich wähnte mich in der Eifel. Knorrige Eichbäume standen auf sonnenbeschienen Abhängen aus Geröllschiefer. Allzu schnell war dieser wunderschöne Wegabschnitt wieder vorbei und wir schritten plötzlich durch einen dunklen Tann (natürlich waren es Fichten :-), aber das klingt nicht so poetisch).

 

Dann begann der weniger schattige Teil des Tages. Es begann lustig: Der Weg führte mitten durch ein Maisfeld und ich fragte mich spontan, wie der Bauer das wohl macht, wenn er mit dem Traktor umgräbt, säht, düngt und erntet. Trampelt er stets nachher den Weg wieder sichtbar ins Feld hinein?

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Nach dem Maisfeld erwischte uns die volle Härte des Hitzesommers. Sehnsuchtsvoll steuerten wir eine Bank an. Das Mittagshüngerchen kündigte sich an. Doch sollte als nächstes ein längerer Anstieg folgen. Und da waren wir uns einig: den bringen wir vor dem Essen hinter uns. Nachher ist man immer so träge. Und jetzt zog es sich.

 

Gefühlsmäßig waren wir schon fast an an der Cloef. Ich glaube, die Schilder zeigten auch an, dass es keine 4 km mehr bis dorthin waren, ein für mich sehr überschaubarer Abschnitt. Doch manchmal fühlen sich 4 km an wie 8 und manchmal ist es umgekehrt. Das mag heute sicher auch an der heißen Wetterlage gelegen haben. Auch mein Fuß meinte, er hätte nun genug und machte sich deutlich bemerkbar.

Wenden wir uns den positiven Dingen dieses Anstiegs zu: Je höher wir stiegen, desto schöner war die Aussicht hinter uns. Vor uns kam zuerst der Kirchturm von Orscholz und dann immer mehr Häuser des Ortes in unser Visier. Ich blieb oft stehen und machte Fotos. Da, eine Bank! Nee, in der prallen Sonne! Also … weiter! DSC01002

 

Der Weg verlief noch etwas zickzack durch die Felder und dann wieder in ein Waldstück hinein, welches mit wunderschönen, steinigen Pfaden aufwartete.

 

Ich war leider ziemlich erschöpft und lief unter Schmerzen, so dass ich hier die Schönheit des Weges nur noch schemenhaft wahrnehmen konnte. Mir war klar, dass ich die Wanderung am nächsten Tag nicht mehr fortsetzen konnte. Zu vertraut waren mir noch die Fußprobleme aus meinem letzten Wanderurlaub. Bald erreichten wir einen breiten Waldweg und eine Bank – endlich Mittagspause!

Den folgenden Abschnitt bis zum Atrium an der Cloef waren wir schon einmal auf der Traumschleife Cloefpfad vor drei Jahren gewandert, unsere allererste Begegnung damals mit dem Saar-Hunsrück-Steig, mal abgesehen von Artikeln und Fotos im Wandermagazin oder von Messen. Uns trieb mal wieder der Kaffeedurst voran. Und so machten wir nur eine kurze Erfrischungspause am Ziehbrunnen, schenkten aber dem Orkelsfelsen keine weitere Beachtung mehr.

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Im Cloef-Atrium, etwa 600 m von der Saarschleife entfernt, regenerierten wir bei alkoholfreiem Weißbier und Cappuccino (eine Lieblings-Kombination von uns 🙂 ) und wurden dabei so träge, dass ich irgendwann meine Gedanken laut aussprach:

„Du, Doris, geht es dir auch manchmal so, dass du ein Ziel anpeilst, aber dort angekommen, viel zu müde bist, um es zu besichtigen?“ Doris nickt und muss später noch einen Espresso bestellen, um wieder wach zu werden. „Ich denke gerade darüber nach, ob wir überhaupt noch zur Saarschleife laufen sollen oder direkt den Weg zur Bushaltestelle einschlagen.“ Verwerflicher Gedanke, den wir sofort beiseite schoben. Als wir vor drei Jahren die Saarschleife besuchten, war es Anfang April und der Wald noch unbelaubt gewesen. Heute müsste es ein ganz anderer Anblick sein. Und außerdem gab es mittlerweile den neuen Baumwipfelpfad, den ich mir zumindest von unten anschauen wollte. Also rafften wir uns schließlich auf, statteten dem Souveniershop mit integriertem Tourismusbüro noch einen kurzen Besuch ab und liefen dann auf direktem Weg zur Saarschleife.

 

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Dieser Abstecher hat sich echt gelohnt. Und um den Weg komplett zu laufen, wanderten wir über den SHS zurück zum Atrium und machten uns dann gegen 16 h auf die Suche nach der Bushaltestelle an der Rehaklinik.

Auf der Rückfahrt erlebten wir noch eine witzige Begebenheit. Den Bus Richtung Tünsdorf verpassten wir dummerweise, doch sollte es direkt danach eine weitere Verbindung geben, die uns allerdings über Merzig führte – ein bedeutender Umweg. Als ich einstieg und die Fahrkarte bestellte „nach Hellendorf über Merzig“, erwiderte der Busfahrer etwas grimmig: „Wo wollen Sie hin? Nach Hellendorf? Da fahre ich aber nicht hin!“ – „Ja, ich weiß, deshalb fahren wir ja auch über Merzig und steigen da um. Der Bus nach Tünsdorf ist gerade vor unsere Nase davongefahren“. Jetzt kam Verständnis beim Busfahrer auf und wir bekamen die Karte.

Der Bus klapperte mehrere einsame Vororte ab, in denen niemand ein- oder ausstieg. Zweimal haben wir in der Dreiviertelstunde überhaupt eine Bushaltestelle gesehen. Aber der Busfahrer begann mehr und mehr zu rasen. Als wir merkten, dass wir der Stadtmitte Merzigs näher kamen, baten wir den Busfahrer uns an der benannten Haltestelle herauszulassen, denn die Stationen wurden nicht angesagt. Von der Haltestelle „Stadtmitte“ aus hätten wir noch ein kleines Stück laufen müssen, um an der Haltestelle „Neues Rathaus“ in unseren Bus nach Hellendorf umzusteigen. Dafür war nicht viel Zeit. Alles vorher recherchiert, auch den Fußweg von Haltestelle zu Haltestelle. Smartphones sind schon was Tolles.

Doch der Busfahrer verneinte, er würde uns zum Bahnhof bringen und dort könnten wir umsteigen. Wenn wir den Anschlussbus noch bekämen. Ja, die Befürchtung hatte ich auch, denn die VerbindungsApp zeigt einem ja nicht umsonst eine andere Umsteigemöglichkeit.

Doch die Raserei des Busfahrers führte zum Erfolg. Wir kamen pünktlich am Bahnhof an und saßen schon eine Minute später in unserem zweiten Bus. Und jetzt kommt’s. Nachdem der erste Busfahrer seinen Bus am anderen Straßenrand geparkt hatte, kam er zu unserem Bus gelaufen und erkundigte sich bei seinem Kollegen, ob zwei Wanderinnen, die in Orscholz den Bus nach Tünsdorf verpasst hatten, auch wohlbehalten in seinem Bus angekommen seien. Er selbst hätte sich so beeilt, dass er 6 Minuten zu früh am Bahnhof eingetroffen war. Wir hörten dies von unseren Plätzen aus alles mit und winkten ihm freundlich zu. So viel Fürsorge waren wir gar nicht gewöhnt!

In Hellendorf stiegen wir dann ins Auto, winkten unserem bisherigen Domizil und fuhren nach Mettlach, in dem wir das nächste Hotelzimmer reserviert hatten. Eigentlich hätten wir auch eine dritte Nacht in Hellendorf bleiben können. Aber da wir lieber morgens früh starten, hatten wir es ursprünglich anders geplant.

Der ein oder andere wird sich vielleicht fragen, warum wir immer das Auto so umständlich nachholen und keinen Gepäcktransport buchen? Wir sind gerne unabhängig und nutzen das Auto, um am Nachmittag nach der Wanderung mal ins Schwimmbad zu fahren oder irgendwo schön essen zu gehen. Bei fremd organisierten Wanderreisen wären wir auf die Etappen und Übernachtungsorte festgelegt gewesen, auch wenn sich, so wie jetzt bei uns, spontane Änderungen ergeben. Denn ich brauchte dringend einen Wanderruhetag und konnte mir nicht vorstellen, am nächsten Tag die verbliebenen 6 Kilometer von Orscholz nach Mettlach zu laufen, um die 2. Etappe zu beenden. Die fehlen uns bis heute…

Was den Fuß betrifft, weiß ich mittlerweile dass es der Sprunggelenksknochen ist, der nicht in seiner Position bleiben will, immer wieder nach vorne rutscht und dann Blockaden verursacht. Häufiges Umknicken und meine labilen Bänder haben das bewirkt. Momentan weiß ich allerdings noch nicht, was ich außer Stabilitätsübungen auf der Balancematte zur Verbesserung beitragen könnte.

Fortsetzung folgt

Zurück zu Etappe 1a und 1b

 

Ich danke Doris für die Überlassung einiger ihrer Fotos (die mit * markierten)

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