„Was ist das denn für ein lustiges Vogelhäuschen?“

Eine neue Fototasche. Dokumentation eines Selbstbaus.

Sommer 2018

Seit vielen Jahren besaß ich eine Tasche für meine kompakte Digitalkamera, die man wunderbar mit Klettverschluss am Trageriemen des Rucksacks befestigen konnte. Ich konnte die Tasche somit auch an verschiedenen Rucksäcken tragen. Sehr praktisch.

Zuerst trug ich die Tasche links, doch mit dem Erwerb eines neuen Rucksacks, der links eine eingearbeitete Handytasche am Schulterriemen hatte, wanderte die Kamera nach rechts. Der Griff nach oben zur Kamera ist mir im Laufe der Zeit so sehr ins Blut übergegangen, dass ich beim Anblick eines schönen Motivs instinktiv an die Schulter greife, auch wenn ich gar keine Kamera dabei habe.

Nachdem mir meine Kompaktkamera einmal heruntergefallen war und immer häufiger unscharfe Bilder machte, entschloss ich mich zu einem Kamera-Neukauf. Nun habe ich eine Systemkamera. Der Korpus ist in etwa genauso groß wie meine vorige Kamera, aber das Objektiv ist viel größer – und deshalb passt die neue Kamera nicht mehr in die tolle Tasche hinein!

Lange habe ich nach etwas Ähnlichem geschaut, im Internet wie in Geschäften, doch bin ich nirgendwo fündig geworden. Erst habe ich mir einen Clip gekauft, den man am Schulter- oder Hüftgurt befestigen kann und in den man die Kamera reinhängt. Das An- und Abmachen hat sich für mich aber als unpraktisch erwiesen. Außerdem ist die Kamera damit nicht wettergeschützt und auch nicht vor Bruch gefeit, wenn ich mich einmal langlege.

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Ich nutzte eine Zeit lang eine Hüfttasche, die ich am Hüftgurt des Rucksacks befestigt hatte – vor allem in der Zeit, in der ich stets mit einem Notizbuch bewaffnet die Wanderungen für das Buch „Wanderungen für die Seele. Rhein, Erft und Ahr“, welches im Frühjahr 2019 erscheinen wird, gemacht habe. Der breite Beutel vor dem Bauch nervte mich aber und für das Öffnen brauchte ich immer zwei Hände. Außerdem war meine Hose im Sommer darunter oft nass geschwitzt. Eine Alternative musste also her.

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‚Wenn ich schon keine Fototasche finde, die meiner alten und sehr bewährten in Praktikabilität gleichkommt‘, so dachte ich, ‚dann nähe ich sie mir eben selbst!‘ Zuerst nahm ich Maß. Als Stoff wählte ich zunächst dicken Filz, weil der einerseits wärmt (gut für den Akku) und andererseits ziemlich lange wasserdicht hält. Ein dritter Vorteil ist, dass man die Nahtränder nicht versäubern muss und auch eine nach außen stehende Naht schön aussieht.

Eigentlich wollte ich zunächst einen Prototypen erstellen, deshalb kaufte ich nicht im Stoffladen ein, sondern erwarb zwei runde Sets aus Filz in einem günstigen Geschäft, farblich angepasst an meinen Rucksack. Das Garn befand sich noch in meinem Besitz. Nur das Klettband musste ich im Nähzubehör dazukaufen.

Beim Zuschneiden des ersten Teils merkte ich schon, dass der Filz nicht sehr flexibel war und ich die Schnittteile etwas großzügiger zuschneiden musste, als geplant, damit die Kamera dann auch hineinpasste. Dann kam die nächste Hürde: Ich versuchte die zwei Stoffteile, die ich aneinander nähen wollte, unter das Füßchen der Nähmaschine zu legen. Fehlanzeige! Die Stoffteile waren zu dick, sodass sie nicht drunter passten! Also musste ich von Hand nähen, was – im Nachhinein betrachtet – die schönere Variante war, weil ich die Stiche viel präziser setzen konnte. DSC01171

Und so entstand an einem Vormittag die neue Fototasche.

Neben den Klettverschüssen nähte ich zusätzlich eine Gürtelschlaufe an, damit ich Tasche auch mal am Hüftgurt tragen kann, wenn ich das möchte.

Erst beim Deckel bin ich von der altbewährten Vorlage abgewichen, weil der steife Filz sonst als Deckel nicht gut geschlossen hätte – unpraktisch bei Regen. Ich legte den Stoff an und probierte, schnitt hier was weg und dort, bis es passte und verpasste so dem Ganzen eine Art Hütchen, statt eines runden Deckels, was die Tasche nun wie ein kleines Häuschen aussehen lässt – ein Nistkasten 🙂

Der kleine Klettverschluss vorne hält ausreichend, um den Deckel festzuhalten, ist aber leichtgängig genug, um ihn mit einer Hand anzuheben und die Kamera zu entnehmen.

Am Anfang war ich mit der neuen Tasche am Schultergurt des Rucksacks etwas in meinem Sichtfeld irritiert, doch bald gewöhnte ich mich daran. Seitdem ernte ich allerdings immer wieder lange Blicke entgegenkommender Wanderer, die sich sicherlich fragen, was ich da wohl habe? Oder ich erhalte eben den belustigten Ausruf meiner Wanderfreundin, was ich denn da für ein Vogelhäuschen an der Schulter trage!

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Hier hängt die Fototasche am Schulterriemen meines Rucksacks.

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Mal sehen, ob ich diesen Prototypen nun die nächsten 10 Jahre trage oder irgendwann noch eine zweite Tasche aus flexiblerem Material nähe. Ich will mit der Tasche keinen Schönheitswettbewerb gewinnen, sie sollte einfach nur praktisch und mit einer Hand zu bedienen sein. Ziel erfüllt!

Wer jetzt auf die Idee kommt, zu fragen, ob ….. Nein! Ich nehme keine Aufträge entgegen und werde damit auch nicht in die Höhle der Löwen gehen. Aber wenn einschlägige Rucksackhersteller, z.B. der mit D…., der schon einmal eine süße Tasche für kleine Kompaktkameras angeboten hatte, sich mal auf den Weg machen würde, für größere Kameras ähnliche Taschen herzustellen, würde mich das natürlich sehr freuen!

5 Antworten auf „„Was ist das denn für ein lustiges Vogelhäuschen?“

  1. Ich habe mich gestern auf unserer Tour spontan in deinen Nistkasten verliebt. Ja, Nistkasten das war mein erster spontaner Gedanke, also gar nicht weit weg von Vogelhäuschen. Das Etui ist saupraktisch, hat eine coole Farbkombination, ist mit Liebe und Sorgfalt genäht, also einfach nur perfekt!

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