Schwarzwaldsommer (2)

Kniebis und Allerheiligen-Wasserfälle

13. August 2018

Montag – Tag 2

Als ich morgens in meinem Hotelzimmer in Loßburg aufwachte, gab es noch größere blaue Flecken am Himmel, doch während des Frühstücks zog die Wolkendecke immer mehr zu und bald waberte vor dem Fenster eine graue Suppe. Da saß ich nun auf dem Bett und überlegte, was ich heute wandern könnte. Einladend war es draußen nicht.

DSC01482Ich hatte vor meinem Urlaub keine speziellen Touren rausgesucht, dazu war ich nicht mehr gekommen. Meine liebe Bloggerkollegin Elke Bitzer war zuvor im Schwarzwald gewesen und hatte so viele wunderschöne Touren gepostet, dass ich mich nur hätte bedienen müssen. Andererseits waren da die Schmerzen in meinem rechten Fuß, die immer dann auftraten, wenn ich mehr 6 km gelaufen bin – längere Touren waren also eh nicht drin. Hinzu kam, dass ich blöderweise meine beiden Wanderbücher und die Wanderkarten zu Hause vergessen hatte! Ggrrr… Irgendwie fühlte ich mich amputiert.

Also wählte ich den Weg zur nächsten Touristeninformation im Ort. Es fing an zu regnen, als ich aus dem Hotel kam und an der Touri-Info schüttete es dann mittlerweile. Die nette Dame im Büro konnte mir bezüglich Wanderungen nicht wirklich begeisternde Vorschläge machen – sie schlug mir eher etwas wie eine Brauereibesichtigung oder den Stadtbummel in Freudenstadt vor. Auf die nicht durchgängige Markierung der „Augenblickrunde“ angesprochen, konterte sie, dass wenn man eine Karte habe und andere Schilder die Richtung anzeigen würden, ein zusätzliche Markierung nicht nötig sei. Nun ja. Ein passendes Wanderbuch gab es dort nicht, doch kaufte ich eine Wanderkarte der Loßburger Umgebung und ein paar handgemachte hübsche kleine Seifenstücke, die nach schwarzwälder Kirschtorte oder Tannennadeln rochen. Zügig lief ich durch den Regen zurück.

Nun, was tun? Wenn schon Wasser von oben, dann kann es ruhig noch mehr Wasser sein, dachte ich und gab Oppenau als Ziel in mein Navi ein. Ich wollte zu den Allerheiligen-Wasserfällen fahren.

Auf dem Weg dorthin ließ der Regen nach. Weiße Nebelschwaden stiegen nun aus den Tälern auf. Meine Straße führte an Kniebis vorbei. Kniebis? Das hatte ich doch schon mehrmals in den YouTube-Videos von Rainer Dornburg gehört. Dann biege ich doch mal spontan ab! Ich fuhr also durch den Ort am Hang und parkte auf einem Parkplatz am Waldrand.

Wunderschön war es hier!

Ein Hinweisschild zu einer Aussichtsplattform zum Ellbachsee zog mich an und ich folgte dem Weg.

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Der Ellbachsee ist ein 15.000 Jahre alter Karsee, zu dem der Kniebiser Willi G. Bidermann ein nettes Gedicht geschrieben hat:

Dialog mit der Eiszeit

Vom Eis befreit ruht still der See,

grüßt dich, den Wand’rer auf der Höh‘,

Du denkst an fünfzehntausend Jahr‘,

als hier nur Eis und Grauen war.

Weg schmilzt die Sonn‘ die eis’ge Schicht,

gibt Tal und See ihr schön‘ Gesicht.

So zeigt dies Wunder der Natur:

„Auch du darfst hoffen, warte nur!“

 

Kurz überlegte ich, ob ich auf dem Kniebiser Heimatpfad, einem Genießerpfad dessen Schilder ich sah, weiterlaufen sollte, doch ging es von hier überall ziemlich steil ins Tal hinab und ich wusste nicht, wie weit der Weg war.

DSC01405Deshalb schlenderte ich nach nur einer kurzen Runde zum Auto zurück und fuhr weiter zu den Wasserfällen.

 

Allerheiligen-Wasserfälle

2,7 Kilometer, GPX-Track

Ein großes dreifaches Holztor begrüßte den erwartungsvollen Wanderer.

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Über eine gut angelegten Weg, dem auch der Renchtalsteig folgt und unzähligen Treppenstufen stieg ich entlang der Wasserfälle, die von Becken zu Becken flossen, hinauf.

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Ein kleines Video gefällig?

An der Klosterruine war es trist und regnerisch, aber die Springbrunnenanlage auf den Terrassen sah dennoch nett aus.

Viele, winzig kleine Frösche (so groß wie der Nagel meines kleinen Fingers) tummelten sich in den Becken oder auf deren Rändern.

 

Ich wandte mich wieder dem Rückweg auf demselben Weg zu. Später erst sah ich auf einer Wanderwegeseite, dass es auch einen Rundweg gegeben hätte.

Und dann entdeckte ich etwas, von dem mir Cora Backes vom Projektbüro des Saar-Hunsrück-Steigs erzählt hatte: ein Zählautomat für Wanderer. Ich hatte mich nämlich mal gefragt, wie ein Tourismusbüro feststellen kann, wie viele Wanderer einen Weg begehen. So etwas steht nämlich in den Werbetexten zu den Wegen. Dafür gäbe es „Fotofallen“ oder ähnliches, sagte mir Cora. Voilà, das hier war bestimmt so eine:

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Zählhilfe für Wanderer?

Ich konnte es mir nicht verkneifen, dreimal dran vorbei zu gehen, um schnell mal die Statistik zu verfälschen, hihi. 🙂

Da noch Zeit genug war, fuhr ich nach Freudenstadt. Ich kam über den 1055 m hohen Schliffkopf und stieg kurz aus. Doch war es auf dem Gipfel wolkenverhangen und sehr windig, sodass ich nichts sehen konnte. In Freudenstadt schaute ich mir den größten umbauten Marktplatz Deutschlands an, der allerdings im Moment eine riesige Baustelle war.

In einer der Straßenlaternen hatte sich ein Wespenvolk ein großes Nest gebaut. Dass die das nächtliche Licht nicht irritierte?

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In einem Café aß ich noch einen leckeren „Schmandkuchen“ o.Ä. – Kann mir jemand sagen, wie man das Gericht genau nennt? Bei uns kennt man diesen „Kuchen“, der einem Omelette glich und nach Schmand und Käse schmeckte, nicht.

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Als es wieder anfing zu regnen, schaute ich noch in die interessant geschnittene Kirche hinein, die aus zwei im Winkel zueinander stehenden Kirchenschiffen bestand und im Kreuzungspunkt den Altar hatte. So eine Kirche habe ich noch nie gesehen.

Und da es wie aus Kübeln schüttete, als ich aus der Kirche kam, sprang ich ziemlich spontan in ein Touristen-Bimmelbähnchen und machte noch eine kleine Stadtrundfahrt, die bis auf den Kienberg, den Hausberg Freudenstadts hinaufführte. Der Fahrer erzählte allerlei interessante Dinge zur Stadtentwicklung und zu Ausflugszielen der Umgebung, doch verstand ich leider nur wenig, weil die anderen Fahrgäste, eine achtköpfige Familie, die Ansagen mit ihrer Unterhaltung zu übertönen versuchten. Ich mochte als einzige nichts sagen, aber es ärgerte mich, wie ignorant sie waren.

Der zweite Tag meines Schwarzwaldurlaubs hat wieder viele Erlebnisse für mich bereitgehalten. Ich hoffte auf besseres Wetter am nächsten Tag, denn ich wünschte mir ein paar Ausblicke.

-> Fortsetzung folgt

Tag 1: siehe voriger Post

5 Antworten auf „Schwarzwaldsommer (2)

  1. Hallo Aurora,

    ich habe gerade deine Beiträge zum Schwarzwaldsommer gelesen. Bis auf Maulbronn und das Monbachtal hast du Ziele und Wege beschrieben die ich kenne bzw. wo ich schon gegangen bin. Wir wandern meistens in einer kleinen Gruppe (4 Personen). Es freut mich, dass du auch im Schwarzwald schöne Ziele gefunden hast.

    Das Monbachtal steht schon länger auf unserer Liste. Bisher hat es aber leider nicht geklappt.

    Im letzten Jahr haben wir auch das Zauberland in Loßburg besucht. Der Vogteiturm war natürlich ein Muss. Wenn du Lust hast kannst du dir meinen Post dazu anschauen.

    Auch am Ellbachseeblick waren wir schon. Da kommt man vorbei, wenn man den Kniebiser Heimatpfad geht (den ich übrigens unbedingt empfehlen kann). Damals waren wir sehr überrascht, dass dort plötzlich ein Bus auftauchte.

    Ich kann dir noch einige lohnende Ziele im Schwarzwald und in der Südpfalz nennen. Körperlich bedingt ist unser Aktionsradius allerdings auf etwa 10 Kilometer beschränkt.

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende.
    Harald

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Harald,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar.
      Ich bin durchaus interessiert an weiteren Wandervorschlägen, vor allem auch aus der Südpfalz. Und 10 km sind für mich zurzeit genau die richtige Tourenlänge.
      Liebe Grüße
      Aurora

      Gefällt mir

      1. Leider kann ich dir was den Kuchen angeht nicht weiterhelfen. Bei einer Schwarzwälder Kirschtorte wäre es leichter. 😉

        Was die Wanderungen angeht findest du welche auf meinem Wanderblog

        https://wordpress.com/view/gsharald1.wordpress.com

        Das sind nur Anregungen. Die Wegbeschreibungen findest du sicher im Internet. Ich besuche hier gerne das Portal https://www.outdooractive.com/de/

        Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
        Harald

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