Schwarzwaldsommer (4)

Eine kleine Runde vom Mummelsee über die Hornisgrinde

Anfahrt: Mummelsee, B 500,

6 km, gpx-Track

15. 8. 2018

 

Mittwoch – Tag 4

Der heutige Tag hielt morgens endlich das schöne, sonnige Wetter bereit, dass ich mir gewünscht hatte, um von der Hornisgrinde, dem mit 1163 m höchsten Berg des Nordschwarzwalds, eine weite Aussicht zu haben.

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Fisch-Räucherhütte am Mummelsee

Ich fuhr also zum Mummelsee, der eigentlich „Rummelsee“ heißen müsste – so viel, wie hier immer los ist. Als ich ankam, zog sich der Himmel schon wieder zu, doch wollte ich mir dadurch die Laune nicht verderben lassen. Ich folgte dem Weg einmal um den trubeligen See herum und schaffte es dabei, einige menschenleere Fotos zu machen 🙂

 

Danach stieg ich über den Westweg, dem auch der Genießerpfad Mummelsee-Hornisgrindepfad folgte, zum Gipfel der Hornisgrinde auf. Auch hier war wieder viel (lautes) Volk unterwegs. Der Weg war zuerst breit, quasi fast eine Fahrstraße, wurde dann aber immer schmaler und war letztlich ein wunderschöner, von Wurzeln, aber vor allem großen Steinen durchzogener Waldweg. Diese Natursteinplatten erforderten viel  Aufmerksamkei. Der Aufstieg war nur 1,2 km lang und es kam mir kaum steil vor.

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An einer Stelle verzweigte sich der Weg in zwei Zuwege: ein kürzerer über den Mummelseeblick und ein unmerklich längerer mit dem Westweg. Da die meisten Menschen den kürzeren Weg wählten, nahm ich den längeren und bereute es nicht, denn endlich war ich allein!! Stille und reine Natur umfingen mich.

Ein etwas unschöner Nebeneffekt der belebten Wege im Schwarzwald, neben denen es oft steil bergab geht, sind die Unmengen an Papiertaschentüchern, die ich am Fuße von Bäumen oder in Felsnischen am Wegesrand erblickte, teils mit noch sichtbaren Hinterlassenschaften daran. Mitunter waren es 10 Stk. an einer Stelle! Das fiel mir wirklich unangenehm auf. So extrem ist das hier in meinen heimatlichen Gefilden nicht.

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Mein Pfad schlängelte sich unter Pinien und Ebereschen dahin und durch eine wunderschöne Heidekrautlandschaft, aus der große helle Findlinge herausschauten. Ich musste mehrmals herzlich gähnen. Ja, der Sauerstoff tat mir jetzt gut. Ich befand mich ja schon auf 1100 m Höhe. Und immer wieder gab es tolle Aussichten:

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Am 23 m hohen Hornisgrindeturm angekommen, machte ich nur eine kurze Rast, denn unterhalb des Turmes wurde gerade gebaut und der große Kran mit dem Baustellenlärm passte so gar nicht zu dem grandiose Naturerlebnis.

 

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Verkehrter Baum mit Picknicktisch neben unattraktiver Baustelle

Plötzlich staunte ich wirklich Bauklötze, fuhr doch tatsächlich ein Linienbus vor, hielt, spuckte Menschen aus und fuhr wieder zurück. Ach so? Man konnte also auch mit dem Bus auf den Berg fahren? Das hatte ich gar nicht mitbekommen. Ich hätte ihn eh nicht genommen. 🙂

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Ich schoss mehrere Fotos von der Aussicht, die weit in die Oberrheinische Tiefebene (= das Rheintal) hineinreichte. Der Himmel zog sich bereits wieder zu. Da meine SD-Karte im Fotoapparat leider voll war und ich im Hotel vergessen hatte, dies zu kontrollieren und ggf. eine leere einzulegen, musste ich auf mein Handy zurückgreifen, das leider nur Fotos von mittelmäßiger Qualität machen konnte.

 

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Ich schlenderte über das Hochmoor-Plateau der Hornisgrinde und wollte erst den Westweg bis zur Herberge Ochsenstall weiterlaufen, entschied mich nach ein paar hundert Metern dann aber doch um, weil es laut Karte von dort keine gute Rundweg-Verbindung zurück zum Mummelsee gab, die nicht ganz hinunter durchs tief eingeschnittene Tal geführt hätte. Da ich die Entfernungen hier im Schwarzwald nicht gut einschätzen konnte und meine Kondition gerade nicht so gut war, blieb ich lieber bei einer überschaubaren Runde.

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Also ging ich zurück aufs Plateau (meinen Gpx-Track besser nicht nachlaufen 🙂 ) und folgte dem Genießerpfad über die Bohlenwege durchs Hochmoor …

 

…bis zum Dreifürstenstein:

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Auf einer riesigen Gesteinsplatte waren dort die Grenzen des ehemaligen Dreiländerecks zwischen der Markgrafenschaften Baden, dem Herzogtum Württemberg und dem Fürstbistum Straßburg eingeritzt. Eine Schautafel erläuterte die Hintergründe dieses historischen Ortes, der auch gleichzeitig der höchste Punkt Württembergs war.

Etwas abseits des Weges – kleine Trampelpfade führten dorthin – war ich eine zeitlang alleine und genoss die Aussicht, bis ich mich an den Abstieg machte.

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mein Ruheplätzchen

Der gestaltete sich ganz schön schwierig. Der Weg war so sehr von Steinen durchzogen und mitunter sehr steil, dass es anmutete, als würde ich einem ausgetrockneten Bachbett eines Gebirgsflusses folgen. Der holperige Weg brachte mich tiefer und tiefer; ich war schier verwundert, denn so viel war ich doch gar nicht aufgestiegen!?

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hier ging’s runter

Am dritten Querweg wollte ich abbiegen und entdeckte dort auch einen Wegweiser zum Mummelsee. Auf ebenem und zuletzt weiterhin abschüssigem Waldweg erreichte ich die Michaelskapelle am Mummelsee und das Mummelseetor Seebach, ein Etappentor des Westwegs mit Stempelstelle.

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Zum Ausklang dieser schönen kleinen Runde setzte ich mich noch auf eine Bank am See, verspeiste mein mitgebrachtes Mittagsessen und überlegte mir, was ich mit dem Rest des Tages anfangen könnte.

Da ich den gesamten Kurzurlaub nicht besonders aktiv gewesen war, klang auch dieser Tag ruhig aus. Ich fuhr zum 800m hohen Kienberg oberhalb von Freudenstadt mit seinem Friedrichsturm, stattete dem dortigen Kneippbecken neben dem Turm einen nassen Besuch ab, schlenderte durch den Rosengarten und roch an unzähligen Blüten und setzte mich anschließend in das Café neben dem Haus vom deutschen Wetterdienst und genoss die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages.

 

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Rosengräfin Marie Henriette

 

Dann war es Zeit zum Kofferpacken, denn für den Abreisetag hatte ich noch was Schönes geplant. Dieses Mal sollte das Wetter mich lieben. Lasst euch überraschen.

Deshalb: -> Fortsetzung folgt

Tag 1

Tag 2

Tag 3

 

 

5 Antworten auf „Schwarzwaldsommer (4)

  1. Hallo Aurora,

    ich wundere mich, dass wir uns noch nicht begegnet sind. Du bist auf den gleichen Pfaden unterwegs wie wir.

    Der Mummelsee ist tatsächlich sehr überlaufen was ich furchtbar schade finde. Er wird touristisch immer mehr ausgereizt und hat seine eigentliche Schönheit verloren. Wie ich lese bist du auch am Mummelseeblick vorbeigekommen. Das ist doch eine schöne Aussicht.

    Das mit den Papiertaschentüchern ist aber kein Phänomen im Schwarzwald. Man sieht überall „sorgsam versteckte“ Taschentücher. Aber auch Flaschen, Einwickelpapiere von Süßigkeiten sieht man oft. Man muss sich wundern, dass die gebrauchten Sachen z. B. leere Flaschen wenn sie leer bzw. ausgebraucht sind offensichtlich plötzlich zu schwer zum Tragen werden.

    Am Hornisgrinde- (Bismarck-)turm gab es bisher nur einen kleinen Kaffee- und Getränkeausschank. Kuchen gab es auch. Dies soll künftig in einer Hütte untergebracht werden. Deshalb die Bauarbeiten.

    Tatsächlich fährt ein Bus vom Mummelsee auf die Hornisgrinde. Das ist auch der Grund weshalb dort oben so viele Leute unterwegs sind.

    Ich war schon öfter auf der Hornisgrinde und mir ist es bisher noch nicht gelungen klare Fotos von der Rheinebene zu bekommen. Immer ist es diesig. Der Ochsenstall war früher eine gute Einkehrmöglichkeit. Zwischenzeitlich hat er nach unserer Meinung erheblich nachgelassen.

    Auch den Kienberg bei Freudenstadt haben wir schon erkundet. Den Rosenweg hinauf und oben den Turm bestiegen und anschließend ein Stückchen Schwarzwälder im Café genossen. Übrigens: Vom Freudenstadter Marktplatz fährt auch ein Bähnchen auf den Kienberg.

    Schade, dass dein Urlaub schon zu Ende ist. Du hast so lebhaft und interessant erzählt. Auf deine letzte Fortsetzung bin ich gespannt.

    Liebe Grüße
    Harald

    Noch eine kleine Anmerkung: In deiner Einleitung schreibst du, dass die Anfahrt über 77887 Sasbach erfolgte. Das müsste wahrscheinlich Sasbachwalden heißen.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Harald,
      ihr ward auf denselben Wegen unterwegs (wer nicht, der den Nordschwarzwald liebt?), aber auch zur selben Zeit?? Mir ist tatsächlich eine Vierergruppe (2 Paare, 60-65jährig) an den Allerheiligen-Wasserfällen aufgefallen, die auch am nächsten Tag am Sankenbachsee war und mir einen oder zwei Tage später irgendwo noch einmal über den Weg gelaufen ist. Ich meine, sie sprachen aber französisch….
      Übrigens bin ich mit besagtem Bimmelbähnchen am ersten Tag auf den Kienberg gefahren (siehe Bericht 🙂 )
      Zur Anfahrt: Ich hatte hier die Adresse vom Mummelsee angegeben, die man erhält, wenn man Mummelsee bei Google eingibt. Habs gerade nochmal „gecheckt“: es muss 77889 Seebach heißen! Vielen Dank für die Aufmerksamkeit!
      Gruß
      Aurora

      P.S. keine Sorge, dass der Urlaub vorbei war, ich habe ja noch viele Berichte von weiteren Reisen und Wanderungen in petto.

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