Natursteig Sieg – Etappe 10, Rund um Wissen (Teil 2)

Unterwegs auf dem Natursteig Sieg von Birken nach Wissen im Uhrzeigersinn.

12,4 km, 180 Hm hinauf, 320 Hm hinab, 2. Teil der offiziellen 10. Etappe

gewandert am Freitag, den 26.10.2018, Gpx-Track des 2. Teils

Zwei Wochen nach dem ersten Teil der Etappe (siehe voriger Bericht), hatten Doris und ich an einem Werktag wieder gemeinsam Zeit, den zweiten Teil dieser langen Etappe zu laufen. Erneut ergab es sich, dass wir den Bus um 12.30 h ab Wissen-Brückhöfe nach Birken Kirche nahmen. Unser Auto stellten wir aber dieses Mal auf einem von mehreren vorhandenen kostenlosen Parkplätzen am Kreisel zwischen Markstraße und Walzwerkstraße ab, direkt an der Siegbrücke.

Zuverlässig brachte uns der Bus nach Birken und wir liefen gleich los, zunächst durch eine ruhige Wohnstraße eines Neubaugebiets. Über einen Wiesenweg ging es zum Waldrand hinab und durch den Wald hindurch weiter ins Tal des Wipperbachs.

Dieses Mal war das Wetter nicht so herrlich, wie letztens, aber dennoch trocken. Der herbstliche Wald roch feucht und würzig. Besonders gut gefiel mir, wie die Tautropfen auf den roséfarbenen Pappelblättern glitzerten.

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Tropfenspiel

Auch wenn wir in diesem Jahr kaum diesen Fernweg gelaufen sind, hatten wir, kaum im Wald angekommen, das „gewohnte Gefühl Natursteig Sieg“ – das kommt daher, dass wir den Natursteig überwiegend im Winterhalbjahr gewandert sind und die hhe Luftfeuchtigkeit, der Geruch feuchter Erde und das Geräusch raschelnden Laubs unter den Füßen für uns irgendwie zum Natursteig gehörten.

Ein unangenehmes Hundeerlebnis

Als der Talgrund in Sicht kam, sahen wir einen Geländewagen, bei dem der Fahrer gerade den Kofferraum schloss, einstieg und wegfuhr. Kurz darauf kam ein großer, schwarzer Hund hinter einem Holzstapel hervor, witterte uns und begann uns ununterbrochen auszubellen. Wir waren bestimmt noch 80 m von ihm entfernt und blieben erst einmal stehen, denn sein Bellen wurde aggressiver und lauter. Ich schaute, aber es war keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Auch kein Haus. Das große „Ungeheuer“ wurde immer aggressiver und kam langsam auf uns zu. Ich schaute mich nach einem Ausweg um, wir gingen sogar ein Stückchen zurück, doch das hüfthohe Tier war schon bei uns und umrundete uns beide, knurrend und zähnefletschend. Ich mag Hunde sehr gern, aber in dieser Situation bekamen Doris und ich wirklich Angst. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Garantiert spürte er unsere Angst. Erst jetzt kam der Besitzer im Tal um die Ecke gelaufen und rief den Hund, was diesen überhaupt nicht beeindruckte. „Der Hund tut nichts!“, rief er uns, seine Schritte bereits verlangsamend, zu. Er wollte uns beruhigen, ich weiß, aber in dieser Situation klangen diese Wort wie Hohn in meinen Ohren. Als er bei uns war und den Hund festhielt, der sich nur langsam beruhigte, merkte ich auch seine eigene innere Aufregung.

Innerlich wie versteinert liefen wir beide ins Tal hinab und erreichten am Wipperbach eine schmale Kreisstraße. Das Erlebnis saß uns noch ziemlich in den Knochen, auf jeden Fall waren aus uns Quasselstrippen sehr stille Wanderinnen geworden – bis es plötzlich aus uns herausbrach und wir laut unsere Wut über das Verhalten des Hundebesitzers rausließen, der den Hund nach einem Spaziergang bewusst am Bach herausgelassen hatte, damit er sich säubere, und das Auto schon mal in die Garage des etwas versteckt stehenden Hauses gefahren hatte. Naja, wenn ich so abgeschieden wohnen würde, würde ich das vielleicht auch so machen. So selten, wie dort jemand vorbei kommt? Was hatte der Hund wohl nur gegen uns? Wir hatten beide Wanderstöcke dabei. Ich habe schon zweimal erlebt, dass das großen Hunden irgendwie Angst machte. Mögicherweise war das die Ursache? Hat jemand von euch ähnliche Erfahrungen gemacht?

Nach der Schimpftirade hatten wir den erlittenen Schrecken wieder aus den Knochen raus und konnten fröhlich weiterwandern. Aber das sollte nicht das letzte Hindernis auf unserer Wanderung bleiben 🙂

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Wipperbach

 

Nachdem wir ein kurzes Stück an der Kreisstraße entlang liefen, führte uns der Natursteig bald wieder in den Wald hinein, einen kleinen Hügel hinauf, auf dessen Kuppe wir Rast machten und unser mitgebrachtes Mittagessen verspeisten.

Der Weiler Nochen lag vor uns und hinter den letztem Haus des Ortes ging der Weg wieder in den Wald  hinein.

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Unaufgeräumter Wald

Plötzlich endete unser Weg unvermittelt an einem Hang mit gefällten Bäumen. Auf einem geköpften Baumstamm hatten die Waldarbeiter sichtbar bewusst das Wanderzeichen mit einem Pfeil nach links stehen lassen, aber da war gar kein Weg nach links! Folgendes Bild zeigte sich uns:

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Ich lief noch ein Stück weiter über die dicht übereinander liegenden Fichtenzweige bis zur Hangkante, um zu schauen, wo der Weg weiterging. Aus der Beschreibung in unserem Wanderführer ging hervor, dass es als nächstes ins Tal hinab geht und man dann wieder ein Stück auf einer Straße laufen wird. Die Straße konnte ich zwischen den Bäumen ausmachen, aber bis dahin war es ein ziemlich steiler Abstieg. Und das sollten wir durch das Baumgerümpel bewerkstelligen?

Da erblickte ich die verbliebenen Reste des nächsten Wanderzeichens. Das zweite Bild zeigt die Stelle, an der der Weg zwischen den Stämmen hindurchführte.

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Erkennst ihr hier einen Weg? Ich nicht. Aber Doris‘ Adlerauge sah folgendes:

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Erkennt ihr es? Das blaue Wanderzeichen? Ich musste zweimal schauen. Ich markiere es mal:

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Das Foto habe ich allerdings erst gemacht, nachdem ich diese akrobatische Leistung vollbracht habe 🙂

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Der Pfad war eigentlich ganz hübsch und obwohl er tatsächlich den ordentlich steilen Hang hinabführte, konnte man ihn gut gehen.

 

So erreichten wir das Tal des Brölbachs. Ein Stückchen ging es parallel neben der Kreisstraße auf der angrenzenden Wiese bis zu den Häusern von Mühlenthal. Das Ausflugslokal „Zur alten Mühle“ sah geschlossen aus.

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Im idyllischen Mühlental

Das folgende Wegstück durch das Mühlental gefiel uns sehr gut, denn der Weg verlief am Brölbach entlang und wurde immer wieder von bizarren Felswänden flankiert.

 

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Auf einer neuwertigen Holzbrücke überquerten wir den Brölbach….

 

…und stiegen auf der anderen Straßenseite den Hang hinauf bis zu einer markanten Wegkreuzung im Wald.

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Der schnurgerade Waldweg ist die ehemalige Poststraße. Auch der folgende Pfad an der Hangkante entlang war wunderschön und führte uns durch dunkelrotes raschelndes Laub.

 

So erreichten wir schließlich das Ufer der Sieg. Gegenüber von Schloss Schönstein begann die nächste Etappe nach Scheuerfeld, die wir 2014 schon gelaufen sind.

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Zuweg zum Start

Auf dem Uferweg, vorbei an dem Freiluftrestaurant „Der Garten“ liefen wir nach Wissen hinein.

 

Ein schöner, herbstlicher Blick auf die Sieg bot sich uns von der Brücke der B 62 aus.

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Sieg bei Wissen

Nur wenige hundert Meter nach dem Bahnhof liefen wir unterhalb der katholischen Kirche durch eine Unterführung zum Straßenkreisel an der Sieg, wo unsere Wanderung für heute endete.

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Diese Etappe 10 war nach unserer Zählung die 14. Wie gesagt, waren wir die nächste Etappe 11 und auch Etappe 13 schon gewandert. Mal sehen, wann wir es schaffen, die restlichen zwei bis Mudersbach anzugehen. Ob bis dahin schon der Rest des Weges bis zur Siegquelle eröffnet sein wird?

 

  • Ich danke Doris für die Überlassung einiger Fotos. Sie sind in der Bezeichnung des Fotos jeweils mit ihrem Namen benannt. Auf die volle Ausschreibung des Namens habe ich aus Datenschutzgründen verzichtet.

10 Antworten auf „Natursteig Sieg – Etappe 10, Rund um Wissen (Teil 2)

    1. Liebe Elke,
      😊 vielen Dank für dein Verständnis und Lob.
      Erinnerst du dich noch an diese Etappe? Ich hatte immer deine Eindrücke im Hinterkopf – etwas öde, keine Highlights, und du warst die Etappe in einem durchgewandert. Irgendwie hatten wir daher seit zwei Jahren keine rechte Lust auf diese Etappe und wir haben sie immer wieder aufgeschoben.
      Es stimmt, besonders herausragend waren diese beiden Teile nicht. Die nette Dame aus dem Projektbüro hatte mir auf einer Messe mal erzählt, dass das politische Gründe hatte, den Weg bis Birken-Honigsessen zu führen. Es gibt so ambitionierte Bürgermeister, die erst ihr OK geben, wenn die eigene Gemeinde was von einem neuen Wanderweg hat.
      Aber da wir treue Natursteigwanderinnen sind, laufen wir den Weg zu Ende, auch wenn er langweilig ist.
      Mir gefällt der Abschnitt zwischen Dattenfeld-Übersetzig und Windeck-Rosbach ganz gut. Und natürlich um Stadt/Burg Blankenberg, aber das kennst du ja auch schon gut.
      LG
      Aurora

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  1. Hallo Aurora, da lass ich dir doch gleich ein Like und Kommentar da. Hast du dir bei so einem tollen Beitrag verdient. Sieht ja genauso abenteuerlich aus, wie es sich liest. Dein Wassertropfenbild ist übrigens wunderschön. Hut ab, fürs Detailauge.
    LG und einen schönen ersten Advent. Patrick

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  2. Liebe Aurora,
    ich habe richtig mitgefiebert und hatte echt Angst um Euch. Auch wenn ich mit Hunden groß geworden bin und es auch immer noch Hunde in der Familie gibt kann ich Eure Aufregung verstehen. So eine Aktion von dem Hundebesitzer ist unmöglich. Ich habe immer ein Pfefferspray in der Tasche in der Hoffnung es nie einsetzen zu müssen.
    Danke für den spannenden Beitrag ich habe mit gelitten und fast vor Angst in die Hose gemacht 😉👍.
    LG Nina

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  3. Spannender Artikel, echt!
    Mich hat mal ein Hund auf unserem LECW-Abschnitt in Somerset wirklich in die Wade gebissen. Aber das war zum Glück ein kleiner.
    Die Waldarbeiten sind auch hier auf der Alb alle Jahre wieder ein echtes Ärgernis. Du sprichst mir aus der Wanderseele! 🙂

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  4. Hallo Aurora,

    das was ich in deinem Bericht gesehen und gelesen habe, finde ich die Wanderung gar nicht so langweilig. Wie Patrick schon sagte: Das Bild mit den Wassertropfen ist was Besonderes. Da laufen viele vorbei ohne dieses Prachtstück überhaupt zu sehen.

    Was die Wegzeichen angeht kann ich genauso berichten, dass sie oft fehlen oder undeutlich angebracht sind. Manche führen sogar in die falsche Richtung. In dieser Sache habe ich mal den örtlichen Pfälzerwaldverein in Edenkoben angeschrieben und auf das falsche Schild aufmerksam gemacht. Ich bekam umgehend Antwort. Mir wurde mitgeteilt, dass der Wegewart des Pfälzerwaldvereins zuständig sei es aber dauern könne bis das Schild berichtigt sei. Ich will nicht wissen wie viele Wanderer falsch gelaufen sind und ihr eigentliches Ziel nicht gefunden haben.

    Das Problem mit den Hunden gibt es allgemein. Die Hundebsitzer trauen ihrem Liebling nicht zu, dass er beißt. Manchmal liegen sie falsch und das ist das Gezeter groß. Im Übrigen müssen, wie ich meine, die Hunde im Wald angeleint werden.

    Liebe Grüße
    Harald

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    1. Danke dir, Harald, für deinen Kommentar. Einmal hatte ich mich verlaufen und danach das Projektbüro kontaktiert. Seitdem weiß ich, wie markiert wird: alle 200 m und bei einer Abbiegung nach 50 m ein „Beruhigungszeichen“. Mir fällt es dadurch früher auf, wenn ich verkehrt laufe.

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