Mein Ahrsteig – die 4. Etappe

  • Unterwegs zwischen Insul und Hönningen. Weiterfahrt nach Kreuzberg

  • ca. 10 Kilomter, 270 Höhenmeter, gpx-Track bei Komoot

  • gewandert am Samstag, den 03. November 2018

(C) http://www.Ahrtal.de

Beim ersten Blick aus dem Fenster zeigte sich mir ein zwar noch nebliger Morgen, doch der blaue Himmel schimmerte darüber hindurch. Es sollte endlich ein sonniger Tag werden. Die herbstlichen Farben gelb und orange kamen heute besonders zur Geltung.

Ich packte meine Sachen in der Ferienwohnung zusammen und schulterte meinen Rucksack, um zum Frühstück ins Hotel zu ‚wandern‘. Das Frühstücksbuffet war reichlich und lecker.

Die Ahr in Insul
Die Ahr in Insul

Die 4. Etappe des Ahrsteigs führt mit 17,4 Kilometer nach Kreuzberg und das mit über 600 Höhenmeter über zwei Bergrücken bzw. Hochplateaus. Da ich gestern schon merkte, dass ich heute etwas kürzer treten musste – im wahrsten Sinne des Wortes -, gestattete ich mir am Abzweig nach Hönningen den Ahrsteig zu verlassen, um von Hönningen aus über Ahrbrück nach Kreuzberg mit Bus und Bahn zu fahren. In und um Lind, welches auf dem zweiten Plateau dieser Etappe angesiedelt ist, bin ich im Sommer im Rahmen meiner Recherche zum Wanderbuch „Wanderungen für die Seele. Rhein, Ahr. Erft“ schon gewandert, so dass ich es verschmerzen konnte, diesen Abschnitt auszulassen. Die anderen Ahrsteig-Wanderer, die ich gestern Abend kennengelernt hatte, saßen noch beim Frühstück, als ich mich aufmachte. Sie werden mich eh einholen, dachte ich :-). Ich lief durch die Straßen von Insul bis zum Wegweiser mit dem Zuweg. Insul erhielt seinen Namen von „Insel“, die wohl ursprünglich mal vom Wasser der Ahr gebildet worden war. Die Wegführung des Zuwegs verlor ich wegen Unachtsamkeit schon bei der ersten Abbiegung, da ich aber die Etappe auf dem Handy hatte, lief ich am Sportplatz kurzerhand querfeldein und erreichte auch so meinen Ahrsteig.

Den Berg hinauf

Nun ging es erst einmal bergauf bis Sierscheid. Der Anstieg war gemütlich mit stetiger Steigung. Wunderschön leuchtete das Laub.

Anstieg nach Sierscheid

Auf dem Dümpelhardt

Auf der Höhe angekommen, genoss ich die Sonnenstrahlen unter freiem Himmel. Vorbei an einem kleinen Kapellchen stiefelte ich weiter dem Dümpelhardt (424 m) zu, der höchsten Erhebung bei Sierscheid. Der Weg führte am Dorf vorbei. Hier holte mich dann auch der eine Wanderer aus dem Hotel ein und wir machten beide Pause auf einer Relaxliege und genossen die Weitsicht. In der Ferne konnte ich den Höhenort Lind mit seinem charakteristischen vertikalen Windrad ausmachen. Dort sollten meine Mitwanderer heute noch vorbeikommen. Ich plante schon anderes.

Blick hinüber nach Lind
Blick zum Ahrtal

Weiter ging es zunächst über die Wiesen den Hang wieder hinab, dann durch Kleingehölze auf etwas matschig-rutschigem Weg wesentlich steiler bergab bis zu einem Querweg. Doch diesen verließen wir bald wieder und liefen seit zwei Tagen das erste Mal wieder bewusst auf einem „Steig“ an der Hangkante entlang bis ins Tal des Liersbaches bei Liers. Dieser Abschnitt erforderte meine volle Aufmerksamkeit, denn es bestand durchaus Umknick- und Ausrutschgefahr. Der Weg war mit nassem Laub bedeckt, besonders steile Stellen enthielten Stufen aus Rundhölzern.

Der Weg endete hinter einem Friedhof, auf dem gerade eine Beerdigung stattfand. Die örtliche Feuerwehr samt Einsatzwagen war auch anwesend. Zehn Minuten später jaulte die Sirene und der Wagen fuhr mit lautem Martinshorn hinfort. Ein Einsatz oder eine Geste für den verstorbenen Kollegen der freiwilligen Feuerwehr?

Ein klitzekleines Stück ging es entlang einer wenig befahrenen Kreisstraße, bevor der Weg entlang eines kleinen Weinbergs auf den gegenüberliegenden Berghang zusteuerte. Am Waldrand stand eine Bank, wunderschön von der Sonne beschienen. Hier machten wir erneut eine kleine Apfel-Pause. In diesem Moment kam das andere Wanderpaar aus dem Hotel vorbei. Wir verabredeten uns für ein gemeinsames Abendessen in einem Restaurant in Kreuzberg, da wir wieder alle dasselbe Hotel gebucht hatten und das Hotel Abendessen nur bei Buchungen größerer Gruppen anbot.

Eigene Wegvariante

Ich ließ die drei weiterziehen und machte mich ein wenig später alleine wieder auf den Weg. Hui, war der nächste Abschnitt steil. Hier wurde der Weg direkt in den Hang geklöppelt. Tja „Steig“ kommt wohl von „Steigung“ 🙂

Mitten im Wald hing ganz überraschend ein Bilderrahmen. Schade, dass ich jetzt alleine war und niemand ein Foto von mir mit Rahmen machen konnte.

Doch es ging nicht lange bergauf. Am Hang entlang, bekrönt von leuchtendem Herbstlaub, verlief der Weg oberhalb des Ahrtals.

Einmal konnte ich auch einen Blick ins Tal erhaschen:

Noch einmal schraubte sich der Weg durch ein paar Kurven weiter hinauf, dann kam ein Wegweiser mit dem Zuweg nach Hönningen. Hier verließ ich den Ahrsteig und lief hinab in den Ort.

In Hönningen stand auf einer kleinen Grünfläche eine schöne Birke und davor eine sonnige Holzbank und ein Tisch mit Blick auf den zweiten Stadtteil von Hönningen jenseits der Ahr. Hier machte ich meine Mittagspause und schaute den Anwohnern bei der Gartenarbeit zu.

Auf meinem Weg zur Bushaltestelle passierte ich am Ahrtalradweg die Hubertuskapelle von 1610. Ich warf nur einen kurzen Blick hinein.

Die Kapelle war zwar verschlossen, doch waren neben der Tür offene Fenstergitter, durch die ich hineinschauen konnte. Als ich weitergehen wollte, kamen gerade drei Anwohner mit Blumen und Kuchen und schlossen die Kapelle auf. Irgendeine besondere Feierlichkeit schien hier heute stattzufinden.

Am Radweg demonstrierte eine Markierung an einem Stein das Hochwasser von 1920.

Da ich noch 50 Minuten bis zur Abfahrt des nächsten Busses hatte, besichtigte ich ein wenig den Teil von Hönningen rechts der Ahr. Besonders die hübsche Kirche hatte es mir angetan.

Ihr Grundmauern der St. Kunibert-Kirche gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Die endgültige, heutige Form erhielt sie Ende des 19. Jahrhunderts.

Kirche von Hönningen (Ahr)

Von innen gefiel sie mir auch ausnehmend gut. Selten habe ich mit Engel und Heiligen bemalte Säulen mitten im Kirchenschiff gesehen. Laut Kirchenhomepage gehören diese zum älteren Teil der Kirche aus dem ausgehenden Mittelalter.

Mit dem Bus fuhr ich nach Brück, mit der Endstation „Ahrbrück“ der Ahrtalbahn und hatte dort direkt Anschluss nach Kreuzberg. Vom Bahnhof zum einzigen Hotel im Ort benötigte ich nur wenige Schritte. Der Landgasthof Weihs präsentierte sich in Natura nicht so schön und chic wie im Internet oder auf den Fotos im Schaukasten. Ich brauchte einige Zeit, um mich dort wohl zu fühlen.

In Kreuzberg

Da ich noch viel Zeit bis zum Abendessen hatte, schaute ich mir den sehr übersichtlichen Ort etwas genauer an und stieg zur Burg hinauf. Da diese aber im Privatbesitz ist, konnte ich sie nicht besichtigen. Im Ort war wirklich der Hund begraben. Es gab kein einziges Geschäft, zum Glück aber das wirklich empfehlenswerte Restaurant „Im Wurstkessel“.

Das gemeinsame Abendessen mit den anderen Wanderern war sehr schön. Wir führten angeregte Gespräche. Einen Moment Gänsehaut gab es, als der eine Wanderer erzählte, welchen Zimmerschlüssel er bekommen habe. Er hatte sich letzte Nacht schon amüsiert, dass er in der Burgschänke Aremberg und im Landhotel Ewerts jeweils die gleiche Zimmernummer (26 oder so) bekommen hatte und nun blieb uns allen die Spucke weg, als er uns den aktuellen Schlüssel zeigte: es war schon wieder dieselbe Zimmernummer! Zufall? Letztendlich mussten wir alle darüber lachen.

Morgen wird der letzte Wandertag meines Kurzurlaubs ein und die „Königsetappe“ mit Felsenpfaden und dem bekannten „Teufelsloch“ stehen auf dem Programm. Ich freute mich riesig, dass meine Füße bisher so gut mitgespielt haben und ich auch die fünfte Etappe noch angehen konnte.

–> Fortsetzung folgt

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