Mein Ahrsteig – die 6. Etappe

Unterwegs zwischen Dernau und Ahrweiler mit anschließendem Stadtbummel

10 km und 320 hm (Stadtbummel Plus 1 km), gpx-Track

gewandert am Mittwoch, 7. November 2018

Ich war infiziert – infiziert vom Ahrsteig, den ich unbedingt bis zum Ende laufen wollte. Und so ergriff ich schon drei Tage nach meinem Kurzurlaub wieder die Flucht vom Alltag, um an einem Mittwoch ins Ahrtal zu fahren. Ich liebe die Anfahrt von Bonn durch die recht flache und von riesigen Obstplantagen geprägte Landschaft des Drachenfelser Ländchens (Meckenheim, Rheinbach). Dann geht es bei Kalenborn auf eine Anhöhe mit herrlichem Weitblick hinauf, um dahinter über steile Serpentinen jäh ins Ahrtal ‚abzustürzen‘. Der plötzliche Sichtwechsel von Wiesen, Feldern und Weite hin zu den steilen, schroffen und weinbekränzten Hängen des Ahrtals ist enorm. Ein Parkplatz oberhalb der Weinberge eignet sich hervorragend als Fotostopp.

Von einer dieser früheren Anfahrten gibt es auch ein Bild, das ich euch hier einmal präsentieren möchte:

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Reist man morgens bei strahlend blauem Himmel an, wenn der Dunst noch über’m Tal hängt, wirkt die Aussicht regelrecht mystisch.

Das schöne Wetter nutzen

Ich war an diesem Mittwoch aber erst mittags unterwegs, da stand die Sonne schon höher. Und endlich hatte ich grandioses Sonnenwetter auf dem Ahrsteig! Ich parkte am Bahnhof Dernau, wo man für 4,- € ein Tagesticket bekommt. Der Zuweg führte an der Bahn entlang, über den unbeschrankten Bahnübergang und endete an der steinernen Brücke, an der ich letztes Mal meine Wanderung beendet hatte.

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Schönes Wetter über dem Ahrgebirge

Ich amüsierte mich etwas über ein Schild, dass Fußgänger und Radfahrer anweist, die Brücke zügig zu überqueren und das Anhalten zu verbieten. Warum? Besteht etwa Einsturzgefahr? Oder hatten sich zu oft Horden von Wanderer darauf versammelt, so dass kein Auto mehr vorbeikam? Ich fand die Brücke sehr übersichtlich und konnte mir beides nicht vorstellen.

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Nun ging es erst einmal 2,6 km lang den Krausberg hinauf. Im Schatten war es eisig kalt und der Wind wehte mir nicht schlecht um die Ohren. An diesem Tag unter der Woche war ich ganz alleine auf dem Wanderweg. Noch nicht einmal Hundebesitzer sind mir begegnet.

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Nach dem ersten steilen Stück durchs Steinbergsbachtal konnte ich auf einem etwas flacherem Stück ein wenig verschnaufen. Herrlich leuchtete das goldene Herbstlaub über meinem Kopf. Die Zeichen des fortgeschrittenen Herbstes waren aber auch schon zu sehen – zu meinen Füßen:

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Die Umgebung wurde immer felsiger und mein Weg bog vom breiten Wanderweg nun auch auf einen kleinen schmalen Felsenpfad ab. So romantisch und idyllisch. Ich liebe solche Wege!

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Und dann lief ich nur noch auf felsigem Grund um eine Felsnase herum. Was hatte ich für ein Glück, im November noch so schönes Wetter genießen zu dürfen!

_DSC2480_DSC2481An hier fotografierte ich, was das Zeug hielt. Vielleicht, um dieses wunderschöne Fleckchen für mich konservieren zu können?

Die Bank war ein dem Wanderfreund Claus Marner gewidmeter Lieblingsplatz, an deren Füßen es steil ins Tal abging. Die Aussicht war aber auch wirklich schön!

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Aussichten

Nur noch wenige Schritte über die Felsen und ich befand mich auf dem Pfad, der mich zur Krausberghütte auf 386 m ( 🙂 ) führte. Ich staunte nicht schlecht, wie groß das Terrain war. Es gab nicht nur die überdachten Sitzplätze, sondern weitere lauschige Plätze an der Hangkante sowie einige Kinderspielgeräte. Und natürlich der Krausbergturm, der immer geöffnet ist. Die Krausberghütte hat nur an Sonn- und Feiertagen bei entsprechender Wetterlage geöffnet, dies wird durch die gehisste Fahne auf dem Krausbergturm angezeigt.

Hierher möchte ich gern bei warmer Witterung noch einmal kommen. Ich stieg natürlich auf den Turm hinauf und schaute mich ausgiebig um, auch wenn der Wind ziemlich pfiff. Herrlich, diese Aussicht auf Dernau, auf die Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, Kloster Marienthal und auf das Siebengebirge am Horizont.

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Siebengebirge am Horizont

Nach rechts eröffnete sich der Blick ins untere Ahrtal zu dem kleinen Hügel „Landskrone“ hinter der Autobahnbrücke der A 61, an dessen Flanke eine kleine weiße Kapelle immer wieder, wenn ich daran vorbei fahre, meine Aufmerksamkeit auf sich zieht und die ich eines Tages auch einmal besuchen werde. Im Vordergrund sieht man das Kloster Kalvarienberg, in dem ein Internat untergebracht ist. Bis dorthin wollte ich heute auf dem Ahrsteig wandern: _DSC2517

Bevor ich durchgefroren war, stieg ich lieber wieder vom Turm herab. Außerdem hatte ich erst ein Drittel des Weges hinter mir. Es war schon halb drei und die Tage im November wurden merklich kürzer. Als ich dem Ahrsteig weiter folgte, sah ich, dass man von der anderen Seite auch auf weniger abenteuerlichen Pfaden auf den Krausberg gelangen kann, nämlich mit dem Auto!

Weiter ging es auf der plateauartigen Höhe Richtung Alfred-Dahm-Turm. Der schmale Weg schlängelte sich unterm Blätterdach dahin. Ein kleiner Anstieg mit Stufen wurde aber aus mir unerklärlichen Gründen vom Ahrsteig in einem ca. 100m langen Bogen umgangen. Sehr merkwürdig.

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Am hölzernen Alfred-Dahm-Turm wurde schweres Gefährt aufgefahren. Ich presste mich an den Repararturarbeitern vorbei, die gerade um ein wärmendes Lagerfeuer standen, und verschwand dahinter auf einem netten Gratweg. Die Bergkuppe war überschritten, nun ging es wieder ins Tal hinab.

Auf etwas breiterem Waldweg angekommen, lockte mich ein Schild zum „Kreisstadtblick“. Das ließ ich mir nicht entgehen und stieg hinab zu einer netten Picknikstelle, von der aus die Stadt Bad Neuenahr unter mir ausgebreitet lag. _DSC2531_DSC2533

„Für eine Apfelpause reicht die Zeit“, dachte ich mir und setzte mich nieder, „es geht ja jetzt nur noch bergab.“ Ha, da wusste ich auch noch nicht, was mich gleich erwartet!

Der Steilpfad

Auf den nächsten 1,4 km ging es 200 Höhenmeter bergab. Aber so was von! Auf zunächst felsigem Pfad, dann aber über 19 – 20 Kehren kugelte ich einen Steilhang mit teils 25% Gefälle hinab. Hui, ging das auf die Knie, leider aber auch auf die Füße… aua! Als ich den bewaldeten Hang hinab schaute, sah ich gar keinen Weg! Es wirkte, als wenn ich querfeldein gehen müsste. Jedoch war der Pfad vor mir dann doch jederzeit sichtbar. Ich kam nur ganz langsam voran und war froh, als ich unten angekommen war.

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angekommen

Nun lief ich entlang des Bergfußes und oberhalb von Ahr und Bahnlinie bis kurz vor Walporzheim. An dieser Stelle waren die Felsen der gegenüberliegenden Uferseite zum Greifen nah. Felsen mit Aussichtspavillons wie „Bunte Kuh“ ist sicher dem einem oder anderen vom Rotweinwanderweg aus ein Begriff. Mittlerweile hatte sich der Himmel zugezogen.

Im Ahrtal

Und dann war ich wieder an der Ahr. Wie ruhig sie hier dahin floss. Ich setzte mich auf einen dicken Stein direkt am Wasser uns schaute eine ganze Weile einfach nur dem Fließen des Wassers zu. Ein wenig flussabwärts stand ein Fischreiher im Wasser, buntes Laub floss an mir vorbei.

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Ahrstimmung

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Nach 7,2 km kam ich in Walporzheim an, jedoch wählte ich nicht den Abzweig in den Ort, sondern ging weiter. Ich wollte ja bis Ahrweiler. Eine Weile folgte ich noch direkt der Ahr, deren Uferhang immer höher anstieg.

Dann führte mich der Ahrsteig durch ein kleines, wunderschönes Seitental, das mit unzähligen Stegen bestückt war. Hier kam mir endlich jemand entgegen und ich fragte den alten Mann, nach dem Namen des Baches. „Eigentlich ist das der Wingsbach“, sagte er, „aber alle sagen hier Maibach! Woher diese Namensgebung kommt, weiß keiner.“ Ah ja. Ich glaube, er hat sich gefreut, mir mit seiner Ortskenntnis zu diesem Tal (auch Maibachklamm genannt) weiterhelfen zu können, denn er teilte mit mir die Begeisterung für dieses Kleinod der Natur.

Der schöne Pfad durch das Tal endete an einer Asphaltstraße – mit Namen „Im Maibachtal“ und ein Schild lud ein, das Weingut „Maibachfarm“ zu besuchen. Ja wirklich, es muss sich um den Maibach handeln 🙂

Über besagte Straße lief ich ein Stück hinab Richtung Ahrweiler, bis sich rechterhand Weinberge erhoben. An einer Hecke boten sich mir noch einmal alle Farben des Herbstes. Wunderschön!

Als der Ahrsteig auf der Höhe des Klosters Kalvarienberg durch selbige abbog, lief ich weiter an der Klostermauer entlang in den Ort Ahrweiler hinab.

Bad Neuenahr, Stadtteil Ahrweiler

Über eine Brücke querte ich die Ahr und war nun vollends im Städtischen angekommen. Durch das alte Obertor betrat ich die weitestgehend autofreie Altstadt, die ringsum von einer Stadtmauer umgeben ist.

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Fachwerkhäuser prägten den Ortskern der alten Stadt, die heute mit Bad Neuenahr eine Doppelstadt bildet. Einen Kaffee in einem gemütlichen Bistro gönnte ich mir und machte anschließend noch einen kleinen Stadtbummel durch die Gassen.

Es war schon dunkel, als es anfing zu regnen und ich mich auf den Weg zum Bahnhof außerhalb der Stadtmauern aufmachte.

Schon bald sollte ich wiederkommen.

–> Fortsetzung folgt

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4 Antworten auf „Mein Ahrsteig – die 6. Etappe

  1. Hallo Aurora,

    ein schöner und ausführlicher Bericht. Man ist richtig bei dir, wenn man ihn liest. Das richtig Geschmack auf das Ahrtal.
    Bei einigen Bilder gibt es wieder das Problem mit den komischen Zahlen. Wenn du mit der Maus über die Bilder fährst wird bei einigen ein Schild mit den Ziffern (wohl Bildunterschriften) eingeblendet.

    Liebe Grüße
    Harald

    Gefällt 1 Person

      1. Das ist leider nicht so. Bei manchen Bildern sind sie dauerhaft da. Ich meinte nur, wenn Du mit der Maus über den unteren Bildteil fährst siehst du sie wahrscheinlich auch.

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