Mein Ahrsteig – die 8. und letzte Etappe

Unterwegs zwischen Bad Neuenahr-Heimersheim und Sinzig sowie Erinnerungen an eine frühere Wanderung bis zur Ahrmündung am Rhein.

12,3 km (bis zur Mündung sind es rund 3 km mehr), 240 hm, gpx-Track

gewandert am Freitag, dem 23. November 2018

 

Doch wieder allein…

Der anvisierte Wandertermin mit Jutta wurde von den Meteorologen als sehr verregnet angepriesen. Doch einen Tag vorher, am Freitag, sollte es noch einmal wunderschön sein. Da ich zurzeit freitags frei habe, nahm ich die Schönwettervariante und zog wieder alleine los.

Auch heute morgen war es heftig kalt, doch sollte sich die Sonne bald durchsetzen. Ich parkte an meinem Ziel in Sinzig. Neben dem Schloss, an der Jahnstraße, befindet sich ein kostenloser Parkplatz und wenige Schritte daneben, an der Barbarossastraße endet offiziell der Ahrsteig. Dies wird mit einer hübschen Bank angezeigt, auf der der Wegeverlauf eingeschnitzt wurde.

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Ziel (oder auch Start) des Ahrsteigs

Einhundert Meter weiter Richtung Straßenkreisel befand sich eine Bushaltestelle, von wo ich mit dem Bus nach Bad Neuenahr-Heimersheim fahren konnte. Alternativ kann man Heimersheim auch mit der Bahn erreichen, jedoch nur von Remagen, nicht von Sinzig.

Die weiß-rote Kirche in Heimersheim erinnert mich sehr an die schöne Kirche St. Peter in Sinzig. Nach 1,6 km war ich wieder dort, wo ich letztes Mal aufgehört hatte.

Nun ging es auf zur letzten Etappe: hinaus aus dem Ort, hinein in die Felder. Unter einer Unzahl von Starkstromleitungen hindurch erreichte ich einen Weg oberhalb von Heimersheim mit wunderschönem Weitblick. Die Ehlinger Ley kann ich gut ausmachen, ein Plateau oberhalb der Ahr. Der Blick zurück Richtung Bad Neuenahr wurde etwas durch die Autobahn getrübt, wobei man dieser riesigen Brücke auch etwas Schönes abgewinnen kann.

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mittig: Ehlinger Ley
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Blick nach Bad Neuenahr

Doch bevor ich mich zur Ehlinger Ley aufmachte, kam ich an einem Ahrsteig-Highlight vorbei: einiger riesigen Wanderbank. Da kein weiterer Mensch außer mir anwesend war, ist das Größenverhältnis auf den Fotos vielleicht schwer auszumachen! Zum Vergleich: mit dem Kopf reichte ich gerade mal an die „Sitzfläche“ heran.

Ich blieb ein Weilchen hier und schickte Fotos von der Bank an meine Freunde. Die Aussicht und die Sonne waren einfach so schön!

Blick zwischen Obstbäumen hindurch
durch die Felder

Durch einen hübschen Hohlweg ging es wieder hinab, nun zum kleinen Ort Ehlingen.

 

Auf der Ehlinger Ley

Ein Weg führte mich auf die andere Seite der Autobahn A 571 und nun hinauf auf die Ehlinger Ley. ‚On top‘ gab es nichts Besonderes, eine große Wiese, die unter Naturschutz steht und im Sommer mit vielen seltenen Blüten und Insekten bevölkert ist – und die Aussicht.

welch eine Aussicht
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Blick zurück zur Landskrone
Eines meiner Lieblingsbilder

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In einem Bogen ging es erst am Waldrand entlang und dann durch mitten die Weinberge.

Auf einer Bank saß ein Mann mit entblößtem Oberkörper in der Sonne und schien zu dösen. Neben ihm stand ein Rucksack. ‚Oh, es ist doch noch jemand auf dem Ahrsteig unterwegs‘, dachte ich. Doch als ich kurze Zeit später Motorgeräusche hörte und mich umdrehte, sah ich, dass der vermeintliche Wanderer ein Arbeiter im Weinberg war, der nun seine Mittagspause in der Sonne beendet hatte.

„Stilleben“

 

Nicht schon wieder!

Am Ende des Weges, direkt am Waldrand gelegen, stieß ich auf das schon für den Winter verschlossene Winzerhäuschen, eine im Sommer sicherlich gut besuchte Straußenwirtschaft. Und dann gewahrte ich mit Schrecken wieder mal ein besonderes Schild:

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Oh nein! Durfte das denn wahr sein? Lief ich etwa schon wieder einer Jagd in die Quere? Auf der letzten Etappe war ja nochmal alles gut gegangen, bis auf die Schüsse, die wir gehört hatten, waren wir von der Jagd verschont geblieben.

Zum Glück stand das Schild links der Bank, so als würde es für den Waldweg nach links gelten. Ich aber musste rechts und – nach einem Blick in die Karte – atmete ich beruhigt auf, denn mein Weg würde nur ein kleines Stück durch den Wald führen und dann lange Zeit an seinem Rand entlang. Komisch, aber wahr: Am Waldrand fühlte ich mich sicherer 🙂 . Ich beschleunigte etwas meinen Schritt, ohne dabei die besonderen Lichtspiele außer Acht zu lassen, die die tiefstehende Sonne in den Wald zauberte, um sie auf meinem Kamerachip festzuhalten.

Als würde der Baum in Flammen stehen

 

Auf dem Höhenweg

An einem Wanderparkplatz mit der geräumigen Balthasar-Schmickler-Hütte trat ich wieder aus dem Wald heraus und hatte erneut eine herrliche Aussicht, nun auf die Sinziger Stadtteile Löhndorf und Westum. Schade für die Fotos, dass ich heute vielfach gegen die Sonne fotografieren musste.

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Löhndorf

Diesen Anblick konnte ich ab hier ziemlich lange genießen. Mein Weg führte mich immer zwischen Waldrand und Weiden entlang. Der Weg lief parallel mit der Barbarossa-Schleife Sinzig und dem Ahr-Urft-Weg des Eifelvereins. Eine Relaxliege lud mich zu einer kurzen Rast ein.

Eine weitere Rasthütte enthielt eine ganze Bibliothek an Lesestoff. Das kannte ich schon von den Weinbergen an der Mosel, dass man in lauschigen Wingerthütten ein Bücherregal mit Literatur vorfand. Hier war der in den Städten übliche Bücherschrank die ganze Hütte. Aber das Beste war die Lesebrille im Etui, welche dazu gehörte und die man unbedingt dort lassen sollte. 🙂 Sehr aufmerksam.

Ohne mich in ein Buch zu vertiefen, lief ich weiter. Der Feltenturm oberhalb von Sinzig war mein nächstes Ziel. Den nächsten Wegabschnitt hatten die Wildschweine, die die Jagd des letzten Wochenendes übrig gelassen hatte, kräftig umgegraben. Der „Duft“ ihres Urins, den das Schwarzwild zum Aufweichen des Bodens ablässt, lag noch in der Luft.

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Sinzig mit seiner markanten Kirche St. Peter und die Hänge des gegenüberliegenden Rheinufers kamen in Sicht:

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Die letzte Turmbesteigung

Am Abzweig Westum hatte ich meinen Weg vorher zu Hause vom Ahrsteig abgewandelt. Ich wollte hinter dem Einkehrhaus „Zum Ännchen“ auf einem Pfad die Bergkuppe erklimmen und dann auf einer Art Gratweg direkt zum Feltenturm laufen. Der Feltenturm liegt nicht am Ahrsteig, er kann aber über einen Abstecher erreicht werden.

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Waldschenke „Zum Ännchen“

Besagten Pfad fand ich aber leider nicht. Möglicherweise geht dieser nur vom Gelände der Wirtschaft aus, welche aber geschlossen war und ein Tor die Einfahrt verriegelte. So folgte ich weiter dem Ahrsteig, wich aber bei der nächsten Kreuzung ab und hielt mich rechts, um nun oberhalb von „Zum Ännchen“ zu sein. Auch von hier konnte ich keinen Pfad ausmachen, der von unten zu mir heraufkam und leider war auch der von hier geplante Weg auf dem Kamm nicht zu entdecken. Das einzige, was deutlich sichtbar war, war eine Schneise für die Stromleitung. Dort hatte ich aber keine Lust entlang zu gehen und so lag es nahe, dem Weg weiter zu folgen, der bei der nächsten Kreuzung und einem mitten im Wald liegenden Spielplatz für Kinder wieder auf den Ahrsteig stieß.

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Kaum war ich auf dem Zuweg zum Feltenturm, kamen von rechts deutlich zwei Pfade. Der rechte musste der gesuchte Kammweg sein! Es gab ihn also doch! Wenn mir so etwas passiert, werde ich neugierig und möchte diesem Pfad unbedingt folgen, um herauszubekommen, wo er hinführt! Das musste ich aber verschieben, denn die Sonne stand schon tief.

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Direkt am Turm gab es ein weiteres Lokal, ein neu gebautes Blockhaus. Noch hatte es geschlossen, da man noch auf die behördliche Genehmigung zur Eröffnung warte, so der Besitzer oder Pächter, der in diesem Moment angebraust kam, um nach dem Rechten zu sehen. Später las ich im Internet, dass das Vorgängerlokal vordem abgebrannt war. Die neue Hütte sah sehr ansprechend aus. Es lohnt sich ein Wiederkommen allemal.

Blockhütte am Feltenturm

Ich stieg den Turm hinauf und genoss den Rundumblick über das Rheintal.

Der Ahrsteig wäre nun nördlich des Feltenturms nach Sinzig abgestiegen, ich hatte mir jedoch einen kleinen Pfad direkt neben dem Turm ausgesucht, der ebenfalls in die Stadt herunter führte. Oh je, hätte ich geahnt wie steil der Pfad ist, wäre ich ihn vielleicht nicht gegangen. Es ging durch ein kleines Wäldchen auf kürzestem Weg den Hang hinab. Zum Glück standen rechts und links kleine Bäumchen, deren Stämme genau den richtigen Durchmesser hatten, dass ich mich bequem daran festhalten und bergab hangeln konnte – was dringend nötig war.

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In Sinzig

Da mir die Innenstadt der Barbarossastadt Sinzig bekannt war, steuerte ich – mich nicht mehr an den Ahrsteig-Schildern haltend – direkt den Marktplatz mit einem Brunnen und danach den großen Kirchplatz an St. Peter an. Mit den letzten Sonnenstrahlen konnte ich die Kirche noch schön einfangen.

St. Peter, Sinzig

Auch von innen ist diese Kirche ein Kleinod. Ich durfte mit meinem ehemaligen Chor dort schon einmal ein Konzert singen. Die Aufnahmen sind aber leider nichts geworden, da die Kirche innen nicht ausgeleuchtet war. Der Ahrsteig endete, wie ich schon eingangs erzählte, am Schloss in Sinzig.

Auf der Rückfahrt wurde ich dann von dem bombastischen Anblick des sehr großen und tiefstehenden Blutmonds überrascht. Es dauerte etwas bis ich eine geeignete Stelle fand, von wo aus ich den Mond fotografieren konnte. Hier seht ihr ihn über dem Siebengebirge stehen und sich im Rhein spiegeln:

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Blutmond

Erinnerung an die Ahrmündung

Vor ein paar Jahren sind Doris und ich einmal von Sinzig aus der Ahr gefolgt. Es ging durch die Felder zur sogenannten „Goldenen Meile“ bis an den Rhein. Direkt an der Mündung kann man auf einer hübschen Holzbrücke die Ahr überqueren.

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Mündung in den Rhein

(WERBUNG) Wer den letzten Abschnitt der Ahr selber wandernd kennenlernen will und dazu noch die Thermalquelle von Bad Bodendorf, dem sei hier das am 17. April 2019 erscheinende Buch „Wanderungen für die Seele. Rhein, Ahr, Erft“ (ISBN 978-3770020638) wärmstens ans Herz gelegt, das Ingrid Retterath und ich zusammen geschrieben haben und in dem eine Rundwanderung in dieser wunderschönen Gegend beschrieben steht.

Fazit

Mir hat meine Wanderung auf dem Ahrsteig sehr gut gefallen. Etwas weniger interessante Abschnitte der ersten drei Etappen wurden durch die spektakulär schönen Etappen zwischen Altenahr und Bad Neuenahr wieder wettgemacht. Für manch einen Wanderer wird der nur 107 km lange Ahrsteig ein kleines Schmankerl zwischendurch bedeuten, für mich war er mein persönliches Abenteuer, ein Weitwanderweg, den ich ohne nennenswerte Fußschmerzen gemeistert habe und eine Reihe meiner schönsten Erlebnisse im Herbst 2018. Der strahlende Sonnenschein, den wir bis in den tiefsten November hinein genießen durften, hat auf den letzten Etappen viel dazu beigetragen.

Willst du noch einmal zurück an den Anfang? Hier geht es zu Etappe 1.

Ich freue mich über jeden Kommentar von euch. Wer war auch schon auf dem Ahrsteig unterwegs? Oder gibt es einen Weg, den ihr mir besonders empfehlen möchtet?

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6 Antworten auf „Mein Ahrsteig – die 8. und letzte Etappe

  1. Hallo Aurora,
    du freust dich über Kommentare? Hier kommt einer. Danke für den interessanten Bericht und danke für das Mitnehmen auf den Ahrsteig. Den würde ich mir gerne mal vornehmen. Leider bin ich derzeit gehbehindert, so dass ich die Wanderung nur vormerken kann.
    Liebe Grüße
    Harald

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    1. Lieber Harald,
      schön wenn ich dich motivieren kann, den Ahrsteig zu laufen. Es freut mich auch, dass dir die Berichte gefallen haben. Vielen Dank für dein Lob.
      Schade, dass du zurzeit nicht gut laufen kannst. Ich hoffe, dass du bald wieder auf die Füße kommst und wünsche dir dafür gute Besserung und alles Gute!
      Gruß, Aurora

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  2. Die Bilder sind teils wirklich spektakulär! Fast so spektakulär wie die Riesenbank – so ein Exemplar habe ich einmal gesehen (du vermutlich auch) und zwar auf dem Rheinsteig auf einer Wiese vor Rengsdorf. Da schaut man aufs Land – und so heißt auch der Panoramapunkt Schau ins Land 😊

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    1. Ja, ich erinnere mich an die Bank am Rheinsteig. Ich fand sie damals nicht so beeindruckend, vielleicht, weil sie etwas verloren in der Gegend herumstand. Ich hab überhaupt keine Anstalten gemacht, drauf zu klettern und bin einfach vorbei gestiefelt. Die Ahrsteigbank bildete mit den umstehenden Bäumen zusammen ein hübsches Ensemble.

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    2. Vielen Dank für den Lob zu den Bildern
      Mein Handy (Huawei) macht wirklich ganz tolle Bilder. Der Nachteil, wenn ich sie hier in den Blog hochladen will, ist, dass jedem Foto als „Name“ bei der Übertragung auf den PC stets lange Codenummern beigefügt werden, die auch erhalten bleiben, wenn ich das Bikd vor dem Veröffentlichen umbenenne.
      Diese Codes kann ich immer erst NACH Veröffentlichung des Beitrags wieder herauslöschen. Das ist so umständlich und nervig. Weißt du ggf. Abhilfe?

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      1. Dass das nervt, kann ich mir vorstellen. Ich hab die Zahelncodes gesehen.
        Ich lad meine Bilder auch immer direkt vom Handy hoch und die Namen erscheinen nicht. Hast du mal danach gegoogelt? Du bist ja vermutlich kein Einzelschicksal? LG

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