RheinBurgenWeg (3) – mit erster Wildschweinbegegnung!

Unterwegs von Bad Breisig bis Namedy

3. Etappe des RheinBurgenWegs

15,6 Kilometer mit ↑620 Hm und ↓610 Hm (Angaben laut Komoot)

gewandert am 13. März und 9. April 2017

gpx-Track bei Komoot

Auch hier habe ich wieder zwei Kurzetappen mit Unterbrechung in Brohl-Lützing daraus gemacht. In meinem Wanderführer von U. Poller und W. Todt aus dem Idee Media Verlag werden die Etappen etwas anders eingeteilt als in Flyern, auf Outdooractive oder auf der Homepage des Fernwanderwegs (www.Rheinburgenweg.com). Die offizielle 3. Etappe geht nämlich bis Andernach, angeblich 19,5 km, aber laut Komoot sind das  allerdings nicht bis in die Stadt hinein. Der Endpunkt ist mitten im Nirgendwo. Um zum Bahnhof zu gelangen, kämen weitere 3 km hinzu. Deshalb hielt ich mich lieber an meinen Wanderführer.

Die 3. Etappe hat mir körperlich ziemlich viel abverlangt. Es war der Tag der Berge. Dennoch freute ich mich darüber, denn endlich wurden die Wege felsiger und es taten sich hübsche Aussichten auf den Rhein auf. Ab hier konnte ich sagen: Der Rheinburgenweg ist genauso schön wie der Rheinsteig!

01 Mariensäule über Breisig

Berg um Berg

Ich hatte für den ersten Teil mit 6 km bis Brohl-Lützing einen Nachmittag eingeplant. Ich parkte in Bad Breisig hinter den Römerthermen direkt am RBW. Dann ging es direkt für 1 km den 1. (kleinen) Berg „Augustenhöhe“ hinauf, aber nur bis zur Mariensäule. Hier die Aussicht:

02 Blick auf den Rhein

Nur wenige hundert Meter weiter hieß es wieder absteigen. Berg 2 mit der Burg Rheineck lag schon in Sicht.

08 der zweite Berg in Sicht

Kurz streifte ich den Ort Rheineck und überquerte den Vinxtbach. Der Bach ist historisch bedeutend, den er markierte die ehemalige im Römischen Reich die Grenze zu Niedergermanien.

10 Vinxtbach

Der zweite Aufstieg, der zur „Reutersley“, erfolgte erst über eine Zufahrt zur Burg, also etwas gemütlicher und weiter auf einem wunderschönen, felsigen Pfad an der Hangkante entlang. Zum Glück gab es ein (optisches) Geländer, so dass ich keinen Höhenschwindel bekam. 16 Aufstieg zur Reuterslei17 Felsenwege18 Schwindelfrei19 zur Reuterslei

Auf der Reutersley machte ich Pause, genoss die schöne Aussicht und trank etwas von meinem mitgebrachten Kaffee.

 

Bis hierher hatte ich eine Stunde gebraucht. Ein Blick in die Karte ließ mich allerdings stutzen. War ich so eine Schnecke, dass ich tatsächlich eine Stunde für nur 2,6 km gebraucht habe?

24 Abstieg

Na, dann nichts wie weiter! Der Abstieg begann. Da versperrte mir ein umgestürzter Baum den Weg. Er war vom Hang heruntergestürzt. Ein paar Wanderer haben schon einen sichtbaren Umweg weiter oben über die Wurzel des Baumes gesucht, das versuchte ich auch.  Zweige des liegenden Baumes versperrten mir aber den Rückweg zum Wanderweg. Also versuchte ich es noch etwas höher, musste dafür aber einen weiteren umgestürzten Baum umgehen.

Es war sehr steil, aber zum Glück wäre ich nur auf den Po gefallen, wenn ich rutschte. Mit den Füßen parallel zum Hang tastete ich mich Schritt für Schritt voran und war froh, als ich endlich wieder den Weg erreichte. Der sieht so aus:

25 schöne Wege
Hier links den Anhang musste ich hinunterkommen.

Endlich konnte es etwas gemütlicher daher gehen. Die ersten Häuser von Brohl kamen in Sicht und dahinter auch schon der 3. Berg, den ich auch noch hinauf musste. 27 Das Ziel in Sicht

Nach 3,5 km erreichte ich den nördlichen Teil von Brohl. Extrem steile Straßen führten auf Rheinniveau hinunter. Wie machen die Menschen das hier nur bei Schnee und Eis? Auf den 3. Berg hatte ich, ehrlich gesagt, keine richtige Lust mehr und der forderte mich noch einmal total. In Serpentinen stieg ich die 100 Höhenmeter Kurve um Kurve hinauf. Es pfiff aus meinen Lungen, mein Herz pochte laut und mein Kopf schwoll hochrot ab.

Nach km 4,6 und 291 Gesamthöhenmetern hatte ich den dritten Gipfel erreicht – um direkt wieder in Serpentinen absteigen zu dürfen. 🙂

Der südliche Teil des Ortes, Brohl-Lützing mit dem Bahnhof, kam in Sicht. Hübsch ist was anderes. Am Schloss Augustaburg stieg ich in den Ort hinab zum Bahnhof.

 

Und was glaubt ihr, was ich während meines Abstiegs vor mir aufragen sah? Richtig, den nächsten Berg! Hübsch war aber der Pavillon auf dem Felsgrat anzusehen.

33 der nächste Anstieg!!
Da geht’s als nächstes hinauf! Erst zum Pavillon, dann zur Deutschlandfahne.

Was raschelt im Gebüsch?

Einen Monat später konnte ich die Etappe fortsetzen. Es war wunderschönes, sonniges Wetter und die wärmenden Strahlen der Sonne lockten alles mögliche Getier hervor.

DSCN3128Als ich den hübschen Felspfad von Brohl-Lützing auf den Dicktberg hinauf stieg, raschelte es ständig rechts und links im Gebüsch. Es waren die Eidechsen, die sich ein sonniges Plätzchen auf Schiefergestein gesucht hatten und bei meinem Herannahen schnell wieder in ihren Schlupflöchern verschwanden. Hin und wieder raschelten aber auch Amseln oder Rotkehlchen im trockenen Laub auf der Suche nach Fressbarem.

 

Auch wenn es wieder steil war, war doch dieser Weg etwas für das Wanderherz. Ein  Abschnitt mit Felsstufen nannte sich die „Eselstreppe“. Auf dem Berg angekommen ging es etwas ebener einher und an einem sehr einsam gelegenen Gehöft vorbei, dem Alkerhof,  weiter zum alten Römersteinbruch „Hohe Buche“.

 

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Am Alkerhof

Am Römersteinbruch waren einige Leute unterwegs. Nicht nur die tatsächlich vielen hohen und erhabenen Buchen haben es mir angetan, sondern der Steinbruch selber auch. Denn hier hat die Tourismusbehörde des Vulkanparks sehr viele Tafeln aufgestellt, die die Zeichen ehemaligen Steinabbaus, an denen man sonst achtlos vorbeigelaufen wäre, erklären. Und plötzlich erkennt man an fast jedem Stein Zeugnisse alter Handwerkskunst. Natürlich sind die vorhandenen Bohrlöcher nicht mehr aus der römischen Zeit, da der Steinbruch noch bis ins Mittelalter genutzt wurde.

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Arbeitsquadrate

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Mir hat es dieser Steinbruch irgendwie angetan, ich habe mich lange dort aufgehalten. Nun sollte es aber weitergehen.

Oh Schreck!!

Der schmale Pfad durch den Steinbruch erklomm über gehauene Treppenstufen wieder den breiten Waldweg, dem ich weiter folgte. Die Sonne spielte mit dem jungen Frühlingslaub und warf runde helle Kreise auf den Weg. Es raschelte im Laub. Als ich um die nächste Kurve bog, raschelte es wieder, dieses Mal aber sehr viel lauter und ausgiebiger als bisher. Da lief doch ca. 15 m vor mir ein kleines braunes, geflecktes Etwas über den Weg. Ein Frischling! Gleich darauf kam der nächste und noch ein dritter wühlte unweit von mir im Laub. Oh Schreck! Wildschweine! Mit Jungen!

Mein Herz pochte wild und ich machte sofort kehrt. Immer wieder drehte ich mich um, ob die Bache mich gewittert haben könne und mir folgen würde. Zum Glück nicht. Es ging also alles sehr glimpflich ab, aber das reichte mir an Wildschweinbegegnung am hellichten Tag.

Ich lief zurück zum Steinbruch und wartete ab, ob die mir entgegen kommenden Spaziergänger vielleicht vorhatten, in meine Richtung zu gehen und ich mich ihnen anschließen könnte? Ein Paar hatte einen Hund dabei. Möglicherweise würde unsere „Übermacht“ als Gruppe mit Hund die Wildschweine verjagen? Doch machten die Spaziergänger keine Anstalten zum Weitergehen und studierten weiterhin die interessanten Erläuterungstafeln. Als ich bei Ihnen war und von den Wildschweinen erzählte, zuckten sie nur die Schultern.

Nein, eine gemeinsame Fortsetzung des Weges kam dann wohl nicht in Frage. Ich musste mir also einen anderen Weg nach Namedy suchen. Just heute hatte ich keine Wanderkarte dabei, nur das Wanderbüchlein mit den rudimentären Karten darin. Handyempfang gab es hier auch nicht! Es gab zwar unweit noch einen Abzweig, aber auf gut Glück wollte ich nicht ohne Karte irgendwo in den Wald hinein laufen. Ich erinnerte mich an den Alkerhof, den ich ein Stück vor dem Steinbruch passiert hatte. Die Menschen, die hier wohnen, müssen ja irgendwie zu ihrem Haus kommen, also wird es doch eine Zufahrt geben, dachte ich. Und so lief ich bis dorthin zurück und nahm den breiten Waldweg, der sich in unzähligen Windungen den Hang hinab zog.

DSCN3202

Einmal ergab sich eine nette Aussicht auf den Rhein und die Ebene vor Namedy:

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Ich erreichte den Radweg an der B 9 im Rheintal, nur unweit des Brohl-Lützinger Bahnhofs entfernt! Machte nichts. ‚Dann laufe ich eben über den Radweg nach Namedy‘; dachte ich mir und stiefelte los. Der Jakobsweg führte auch hier zwischen Berg, Bahn und Rhein entlang.

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Oftmals erlebe ich, dass der Jakobsweg bei uns keine schönen Wegstrecken folgt.

Die Pilger müssen diesen asphaltierten langweiligen Weg nehmen, während der RheinBurgenWeg wunderschön durch den Wald führt. Doch das Rapsfeld blühte so schön gelb und als gerade zwei Bahnen vorbeifuhren, ergaben sich schöne Farbspiele für Fotos.

DSCN3210DSCN3218

An der spätgotischen Wasserburg Namedy erreichte ich den Ort und den Bahnhof.

Da ich mein Auto im Vorfeld dort geparkt hatte, konnte ich direkt heim fahren.

 

–> Fortsetzung zu Etappe 4 folgt

<– zurück zur Etappe 2 und Etappe 1

9 Antworten auf „RheinBurgenWeg (3) – mit erster Wildschweinbegegnung!

  1. Hallo,

    das war spannend geschrieben und erinnert mich an so manch eigene Wanderung. So hat man doch auch in einheimischer Natur mit einigen Unwägbarkeiten zu kämpfen.

    Auf einen frischen Windbruch zu stoßen oder jetzt im Vorfrühling auf angetauten und wieder vereisten Wanderwegen zu laufen (besser: zu schlittern) kann Zeit kosten, anstrengend und sogar gefährlich sein.

    Bei Wildschweinen fange ich laut an zu singen. Hat bis jetzt immer geholfen, trotz wahnsinnigen Herzklopfen. Hoffe, dass das auch bei Wölfen funktioniert und sie mehr Angst vor uns Menschen haben.

    Schöner Wanderblog mit tollen Wanderungen. Da werde ich mir mal noch einige Inspirationen holen.

    Mit abendlichen Grüßen und ein tolles Wanderjahr.
    Katy von den Blogspionen

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    1. Liebe Katy,
      du hast ja auch einen lustigen Blognamen!
      Ja, du hast recht, Windbruch ist gerade jetzt ein großes Thema, zumal immer mehr Wälder unter Naturschutz zu Urwäldern werden.
      Laut singen kann ich beim Wandern irgendwie nicht, dazu bin ich immer zu sehr außer puste. 🙂
      Danke für deine netten Worte zu meinem Blog. Ich bemühe mich. Der nächste Artikel von Etappe 4 ist bereits in der Mache.
      Liebe Grüße,
      Aurora

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Aurora,
        meiner Meinung nach ist das Beste, was du für deinen Körper UND die Seele tun kannst: Wandern! Und dabei sind 38 Kilometer an einem Tag ganz klar nicht gesund. Nicht anstreben! 🙂

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  2. Da hast du aber Glück gehabt mit den Wildschweinen. Die Begegnung mit Tieren ist nicht immer so einfach, auch und besonders wenn Hunde dabei sind. Vor kurzem stand in der Zeitung, dass eine Frau bei der Durchquerung einer Alm von Kühen totgetrampelt worden ist. Wie eine Begegnung mit einem Wolf ausgeht, weiß man auch nicht.

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