Einfach Eifelsteig – Eifelsteig einfach: von Wollseifen nach Gemünd (6)

Bei unserem zweiten Kurzurlaub in der Eifel wanderten wir von geschichtsträchtigen Hügeln hinab ins Tal der Urft nach Gemünd.

Meine 6. Etappe von Wollseifen nach Gemünd

14,2 km, ⇑ 180 Höhenmeter ⇓ 360 Hm

Start: Parkplatz Walberhof, B 266 Einruhrer Str. in 53937 Schleiden, Ziel: Eifel-Ardennen-Platz, Aachener Str. 17 in 53937 Schleiden-Gemünd

gewandert am 20. Juni 2019 – gpx-Track bei Komoot

Am langen Fronleichnamswochenende machten Jutta und ich uns wieder auf in die Eifel, um den Eifelsteig weiter zu wandern. Mir hatten die ersten fünf Etappen schon viel Freude gemacht, so dass ich nun wieder ganz gespannt auf die weiteren vier Etappen war, die mich erwarteten.

Als erstes bezogen wir wieder eine Ferienwohnung, dieses Mal in Kall-Benenberg. Unseren Einstieg an dem Punkt, wo wir letztes Mal aufgehört hatten – nämlich an der Urftseestaumauer – fanden wir ungünstig. Die Zufahrt mit dem Auto dorthin ist nur Anliegern gestattet und der Busverkehr zur Staumauer ist aus Personalmangel eingestellt worden. Blieb noch, von Einruhr aus wieder mit dem Schiff zu fahren. Doch da wir am Morgen erst aus dem Rheinland angefahren waren, raubte uns dies zu viel Zeit und wir entschieden uns, die 2,6 Kilometer von der Urftseestaumauer zur Dreiborner Hochfläche zu überspringen und vom Parkplatz Walberhof, der gegenüber der Einfahrt zur IP Vogelsang liegt, zu starten. Von hier aus steuerten wir die Kreuzung mit dem Eifelsteig westlich der Wüstung Wollseifen an.

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Dreiborner Hochfläche bei Wollseifen

Der Himmel war wolkenverhangen und ziemlich grau, dennoch kam die Weite der Dreiborner Hochfläche sehr gut zur Geltung. Gelbe Ginsterbüsche begleiteten uns wieder.

Blühender Ginster im Mai
Blühender Ginster im Mai

 

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Steine oder Schafe? Erst der Zoom bringt es zu Tage.

Der Frühdunst hing noch in der Luft und ganz besonders im Gesträuch. Ein riesiges Spinnennetz, in dem die Tautropfen hingen sowie mehrere Raupengespinste verführten mich zum Fotografieren.

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ca 50 cm Durchmesser
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große Raupengespinste, gefüllt!

Unser Weg führte uns zunächst um die Wüstung Wollseifen herum, vorbei an einer kleinen Kapelle, bis wir den Eifelsteig wieder erreichten.

 

 

Wüstung Wollseifen – vom Truppenübungsplatz zum Ort der Stille

Die alte Kirche St. Rochus von 1635 war das erste Gebäude des ehemaligen Dorfes, das wir betraten.

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Wandinschrift

Der an sich leere ehemalige Kirchenraum wurde mittlerweile durch ein einfaches, aber besonderes Holzkreuz und zwei kleine Kirchenbänke ergänzt. Von den Menschen, die in Wollseifen aufgewachsen sind, bevor das Dorf 1946 innerhalb von 3 Wochen geräumt werden musste und 550 Menschen vertrieben wurden, leben noch ein paar. Sie finden hier einen Ort der Stille und der Andacht. Das Kreuz macht auf mich einen sehr positiven Eindruck, denn es sieht für mich aus wie eine menschliche Gestalt, die ihre Arme zu einer freudigen Willkommensumarmung ausbreitet. Bei sämtlichen Mahnmalen bin ich der Meinung, dass man sie umgestalten sollte und heutzutage positive, zukunftsweisende Elemente integriert.

Straßennamen ind Wollseifen auf Platt
Straßennamen in Wollseifen auf Platt

Lange Zeit wurde die Hochfläche und das Dorf als Truppenübungsplatz genutzt, erst von den Briten, dann von den Belgiern. Es wurden sogar Häuser für Übungen des militärischen Häuserkampfes errichtet.

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Vor der Kirche zeige ein Modell die ehemalige Größe des Dorfes und welche Häuser heute noch stehen. _DSC4667Sie waren schwarz markiert.

In der ehemaligen Dorfschule zeigten Fotos, wie das Leben hier früher ausgesehen hatte.

 

Seit dem 1. Januar 2006 sind die Dreiborner Hochfläche und Wollseifen als Teil des Nationalparks Eifel wieder frei zugänglich.

Nun ging es hinab ins Wollzich, ein nie versiegender Quellsiefen, in dem sich früher viele Wölfe einfanden, so dass der Ort vermutlich so Wollseifen seinen Namen gab.

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Weg nach Vogelsang
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Wollzich-Tal

Auf der anderen Seite des Tals stiegen wir hinauf nach Vogelsang. Dieses Mal schauten wir uns das Gelände nicht mehr intensiv an, wichen aber trotzdem etwas vom Eifelsteig ab, um über das Gelände der ehemaligen NS-Ordensburg zu laufen, in dem heute eine Geschichtsdokumentationsstätte, eines der vier Nationalparkzentren und eine Wildnisausstellung untergebracht sind.

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Schöner Blick zurück
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Burg Vogelsang
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Düstere Wolken über einem düsteren Ort. Die NS-Architektur macht es bedrückend.
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Einfahrt

 

Frieden braucht Vielfalt – zusammen für eine tolerante Gesellschaft

Über das riesige Gelände verteilt gab es noch diverse große Häuser mit verschiedenen Einrichtungen, u.a. ein Rotkreuzmuseum. Junge Menschen aus aller Welt haben dort ganz in der Nähe einen Friedensweg in einem kleinen Wäldchen errichtet, in dem ihre friedensstiftenden Gedanken abgedruckt und künstlerisch verziert an den Bäumen hingen. Eine schöne Idee!

Einstieg zum Friedensweg
Einstieg zum Friedensweg

 

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Der Friedensweg vom DRK in Vogelsang

Im Morsbachtal

Nachdem wir das Gelände an der Zufahrtsstraße gequert hatten, wurde der Weg wieder sehr idyllisch und naturnah. Auf schmalem Pfad stiegen wir ins Morsbachtal ab. Da der Abstieg steil und der Talgrund feucht und voll üppigen Bewuchses war, haben findige Wegbetreiber dort eine hölzerne Treppe und Stege gebaut, dass man trockenen Fußes ans andere Ufer gelangt.  Immer wieder ein Foto wert!

Jenseits des Baches führte und ein kleiner Anstieg wieder hinauf auf den 503 m hohen Modenhübel, von wo man eine herrliche Aussicht hat.

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Eifelblick „Modenhübel“ Richtung Gemünd-Malsbenden

Der weiße Schmetterling saß lange auf meinem Finger, bis ich ihn auf dem Holz absetzte. Hier schien er sich festzukrallen, denn es wehte ein kräftiger Wind, der seine Flügel arg zerzauste, aber er blieb standhaft.

dav

Einkehr

Die dunklen Wolken brachten Regen heran. Kurz hinter dem Modenhübel verließen wir den Eifelsteig und liefen geradeaus weiter nach Morsbach hinein. „Das Bauerncafé“ – Schild hat uns – verführbar wie wir waren – zu sehr angelacht 🙂 Gut so, denn als wir den Hof betraten, öffnete der Himmel seine Schleusen!

Das Café mit integriertem Verkauf von Geschenken, Mitbringseln, Karten und Kunsthandwerk ist unheimlich gemütlich und kann von uns nur wärmstens empfohlen werden.

Nachdem der Regen etwas nachgelassen hatte, warfen wir uns unsere Ponchos über und machten uns auf, die letzten Kilometer der Etappe anzugehen. Ab jetzt nur noch bergab! Naja – fast.

Zunächst stapften wir hinunter an die Urft, nahmen sie an dieser Stelle aber gar nicht war. Viel mehr interessierte uns der Schaubienenkasten an einem Bauernhof und die Suche nach der Bienenkönigin.

In Malsbenden angekommen, war die Urft unübersehbar, denn wir wechselten auf die andere Flussseite. Mittlerweile war es zum Glück auch wieder trocken. Dort liefen wir auf einem schönen, erhöht verlaufenden Hangweg am Freibad vorbei bis zur Jugendherberge.

Freibad Gemünd
heute leer und verlassen

Die Gemünder Jugendherberge war gerade eine Großbaustelle – sie wurde saniert. Dass die DJH schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat und dennoch besteht, spricht für sich, denn hier ist anscheinend schon jahrelang die Jugend des Rheinlands beherbergt worden: man muss nur erzählen, dass man in Gemünd war, so gibt es immer irgendwen, der den Ort von einer Klassenfahrt her kennt. Nun ja, an diesem Tag sah der Bau noch nicht so einladend aus.

Über eine kleine Brücke erreichten wir die als Kurpark angelegte Uferpromenade von Gemünd.

Die Urft in Gemünd
Die Urft in Gemünd

Dort war zwei Kneippbecken, die mich magisch anzogen. Flugs entledigte ich mich meiner Wanderschuhe und watete ins kühle Nass. Leider fing es in diesem Moment wieder heftig an zu regnen! Nicht schlimm für die Füße, aber mein offener Rucksack und die Schuhe und Socken sollten eigentlich nicht nass werden 😉

Eines der Kneippbecken von Gemünd
Eines der Kneippbecken von Gemünd

 

Am Ziel

Wir verpacken uns also wieder regendicht und stiefeln ein paar Schritte weiter zum Nationalparktor und der Touristeninformation. Davor gibt es einen schönen Etappenstein und ein Rangerhut auf einem Holzpfahl – passend zum Nationalpark 🙂

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Riesige Ranger-Hut-Skulptur
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Etappenstein

Im weiteren Verlauf des Eifelsteigs habe ich keine weiteren Etappensteine mehr gesehen. Entweder habe ich nicht darauf geachtet oder es ist tatsächlich eine Besonderheit in Gemünd?

Nun war es nicht mehr weit bis zum Eifel-Ardennenplatz, wo wir zu Beginn unser zweites Auto abgestellt hatten. Das Etappenwandern mit zwei Autos hat sich bei uns aber noch immer nicht ganz eingependelt. Oft müssen wir überlegen, wo wir zuerst hinfahren oder stellen dann die Wechselschuhe im falschen Auto ab 😦

Umweltbewusst ist dieses Wandern ohne Gepäck nicht. Doch wer kürzere Etappen wandern will (oder muss), kommt nicht umhin, sich andere Transportmittel als die Öffis zu suchen.

Dieser etwas regnerische, trübe Tag war vorerst der letzte dieser Art unseres Kurzurlaubs. Morgen sollte es weitergehen – sonnig und warm 🙂

-> Fortsetzung folgt

<- zurück zur Etappe 1

Eine Übersicht meiner Etappeneinteilung findest du hier.

 

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6 Antworten auf „Einfach Eifelsteig – Eifelsteig einfach: von Wollseifen nach Gemünd (6)

  1. Wollseifen – optisch eigentlich total unspannend – hat bei mir aufgrund seiner Geschichte doch Eindruck hinterlassen. Auch die Burg Vogelsang. Dort bin ich bei meiner Tour leider auf der letzten Rille laufend und zu spät nachmittags angekommen, um sie vernünftig besichtigen zu können. Das werde ich auf jeden Fall aber „demnächst“ tun. Wird dann ein Tagesausflug dorthin, ohne vorher x-Kilometer zu Fuß gelaufen zu sein. Muss auch mal sein 😉

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