Rheinsteig (22) – Burgenblicke und Rheinpanoramen

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Lorch nach Assmanshausen

15,3 km (mit Zuwegen), nicht die ganze, offizielle 17. Etappe, meine persönliche Etappe 22

gewandert am 1. November 2016

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-17.-etappe-verkuerzt-lorch–assmanshausen/113766262/

In Hessen ist an Allerheiligen kein Feiertag. Ich frühstücke nach meiner Übernachtung im „Gästehaus Mittendrin“ in der angrenzenden Bäckerei. Das Frühstück dort ist im Zimmerpreis enthalten und ich darf mir ganz frei aussuchen, was ich möchte. Nach dem Frühstück zahle ich mein Zimmer in selbiger Bäckerei, gehe mein Köfferchen auf dem Zimmer holen, laufe zum Auto, verstaue meinen Koffer wieder darin und schultere meinen Rucksack. Dann laufe ich los.

Doch Stopp! Ich habe den Hotelschlüssel ja immer noch in meiner Jackentasche! Also, schnell nochmal zurück zur Bäckerei. Ups, peinlich! Endlich gegen 10 h ging es dann weiter. Der Rheinsteig, der direkt durch den Ort führt, windet sich auf einem kurvenreichen Sträßchen auf die Höhe hinauf und dort über einen breiten Weg durch die Weinberge, vorbei an alten Trockensteinmauern aus Schiefer. Der „Bächergrund“ ist ein Geländeeinschnitt, der umgangen werden muss, ohne groß an Höhe einzubüßen.

6 das Wetter wird noch gut

Es ist noch recht neblig. Lorch kann ich rückblickend noch erkennen, doch den Rhein oder die Berggipfel sehe ich nicht.

3 Morgennebel

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Es ist bis jetzt recht einsam auf dem Weg und ruhig. Vielleicht hört man auch wegen des Nebels wenig von den Güterzügen, die ihm Tal vorbeirauschen? Von der anderen Rheinseite schallt mir um 11 h  langes Allerheiligen-Glockengeläut herüber, ohne, dass ich die Kirche oder den Ort Niederheimbach sehen kann. Ja, in Rheinland-Pfalz ist Feiertag. Das Wetter soll laut Vorhersage noch gut werden und so wird es auch! Aber es bleibt den ganzen Tag dennoch etwas diesig. Schaut her:

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Mit mehr und mehr Sonne erblicke ich auch die Burgen auf der anderen Rheinseite. Mein Wanderführer zählt sechs Burgen auf, ich erspähe nur zwei, eine davon neben einem riesigen Abbau-Areal: Burg Sooneck.

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Nach zwei Wildgattern geht es sich besonders gemütlich auf ebenem Weg an der Bergflanke entlang. Der Hessenweg 7 begleitet mich.

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Nach einer Kurve öffnet sich der Blick und ein hübsch angelegter Rastplatz mit Schutzhütte und Bänken lädt zur Pause ein: Georgs Ruh. Hier treffe ich auch auf entgegen kommende Gleichgesinnte.

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Georgs Ruh

Gespannt bin ich auf den Teufelskadrich. So richtig kann ich aus meinem Wanderbuch nicht herauslesen, was genau dieser Teufelskadrich ist: ein Fels oder ein Berg? Zumindest steht hier wieder etwas von hoher Konzentration und der schon oft erwähnten Trittsicherheit auf dem felsigen Steig dahinter. Heute macht mir die Aussicht darauf wieder etwas Bammel.

Hinterm Bodenbachtal mit einem kleinen dunklen Weiher und dem Abzweig zum Campingplatz Suleika kommt das Hinweisschild zum Teufelskadrich und ich laufe kurz ein Stück bergan und gehe dann gemütlich an seiner Hangflanke entlang. Der Untergrund ist steinig und an mehreren Stellen sieht man nur noch Geröllhalden, wo sonst nichts mehr wächst.  Hier muss sich wohl öfter mal Gestein lösen und zu Tal rutschen.

Stattliche Kiefern, knorrige Krüppeleichen und schlanke Birken und der mittlerweile blaue Himmel ergeben mit dem hellen Gestein ein wunderschönes Ensemble. Der breite Weg verläuft völlig eben und unproblematisch. An einer Aussichtsstelle steht eine Bank. So schön! Das ist wovor ich Bammel hatte? Dafür brauche ich Trittsicherheit?

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Teufelskadrich

Vermutlich wäre es so gewesen, wenn ich einem kleinen Pfad links steil den Berg hinauf gefolgt wäre, der auf den Teufelskadrich hinwies, ich bleibe aber weiterhin dem so vertrauten, blauen Rheinsteigzeichen treu und der Weg führt mich leicht abwärts. Ich durchstreife dichten Laubwald und erreiche eine Wiese. Hier biege ich wieder in einen Wald ein und der Rheinsteig holt hier noch einmal zum Rundumschlag aus, so wunderschön und idyllisch ist dieser Abschnitt. Der mittlerweile schmale Pfad schlängelt sich zwischen urigen, knorrigen Bäumen und kleinen und größeren Felsbrocken hindurch.

32 am Bacharacher Kopf
am Bacharacher Kopf

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Ja, stimmt, hier muss ich aufpassen, wohin ich trete. Trittsicherheit! Und dann kommt nach einer schmalen Wildtür ein recht unscheinbarer Fels, den es mit vier Schritten zu erklimmen gilt und wofür extra Halteseile angebracht sind. Da es rundum bewaldet ist, meldet sich mein Höhenschwindel überhaupt nicht. Ich steige beschwingt die wenigen Felsstufen hoch und denke bei mir: „Wenn das alles gewesen ist, nehme ich spätestens jetzt alle Hinweise in meinem Buch auf Trittsicherheit, die mir so oft im Vorhinein Unbehagen verursacht haben, nicht mehr ernst!“

3435 Kletterpartie

Der Weg ist wunderschön. Was will ich mehr?

Schon wenige Meter weiter verändert sich die Landschaft und ich stehe in den Weinbergen von Assmannshausen, dem Assmannshauser Höllenberg. Kalter, scharfer Wind ist aufgekommen. Daher lockt es mich auch nicht, in dem filigranen Metall-Pavillon eine Pause zu machen. Die berühmt-berüchtigten Weinhäuschen oder Weinschränke, aus denen man sich von dem Rebensaft bedienen kann, entdecke ich irgendwie nicht – außer einen, der ist leer 🙂

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie schön das Weinlaub Farbe in die Novemberlandschaft zaubert?

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Blick auf Assmannshausen
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Assmannshauser Höllenberg (Weinlage)

Doch der Abstieg über die letzten 3 km zieht sich eine Dreiviertelstunde lang hin. Ich laufe nur noch auf Asphalt. Unter mir liegt Assmannshausen und ich sehe auch den Sessellift, der auf den Niederwald-Berg hinauffährt. Ebenso den Anstieg der nächsten Etappe habe ich gut im Blick.

Im Ort angekommen laufe ich sogar zur Talstation der Sesselbahn, die heute ihre letzte Fahrt vor dem Winter macht, aber nicht, um mich hinaufbringen zu lassen, sondern um mir einen Rheinsteigstempel abzuholen. Erst Ende März wird der Sessellift wieder öffnen.

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Auf dem Weg zu dem hässlichsten Bahnhof, den ich je gesehen habe, lasse ich die Wanderung Revue passieren. Sie hat mich nicht so inspiriert, ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Kommt das, weil die Etappe am Tag zuvor so phantastisch war?

Jetzt beim Schreiben und Hochladen der Bilder allerdings gefällt mir die Etappe wieder richtig gut.

Nach meiner Bahnfahrt zurück nach Lorch kehre ich noch einmal kurz auf einen Kaffee im Weingut Rößler ein.

 

Rheinsteig (21) – die Königsetappe

Unterwegs auf dem Rheinsteig zwischen Bornich und Kaub

14 km, zweiter Teil der offiziellen 15. Etappe, meine persönliche Etappe 21

gewandert am 31.10.2016

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-15.-etappe-verkuerzt-von-bornich-nach-kaub/113749839/

Durch einen glücklichen Zufall habe ich am heutigen Montag einen arbeitsfreien Brückentag. Morgen, an Allerheiligen, ist in NRW ein Feiertag und so habe ich zwei Tage Zeit, auf meinem geliebten Rheinteig wandern zu gehen. Das Wetter soll blendend werden! Und da der Reformationstag in Rheinland-Pfalz auch ein Werktag ist, habe ich zusätzlich das Glück, mit einem Anruf-Taxibus von Sankt Goarshausen nach Bornich jenseits der Loreley zu kommen und von dort die Königsetappe nach Kaub zu beenden.

Den Taxibus habe ich am Vorabend bestellt und so fahre ich mit dem Auto nach Sankt Goarshausen. Der Parkplatz am Bahnhof ist leider schon voll. Wie gut, dass ich noch 30 Minuten Zeit bis zur Abfahrt des Taxis habe und mich erinnere, dass auf der anderen Seite der Bahngleise weitere Parkplätze sind. Dafür muss man allerdings eine kleine Umgehung fahren, da der Bahnübergang am Bahnhof für Autos dauerhaft geschlossen ist.

Nachdem ich mein Auto dort abgestellt, meine Wanderstiefel geschnürt und meine Wanderstöcke in die Hand genommen habe, stiefele ich durch die Bahnunterführung zurück zur Vorderseite des Bahnhofs, wo auch schon ein Taxi wartet, obwohl ich immer noch 20 Minuten Zeit habe. Wow, pünktlich! Ich verschwinde aber noch kurz im angrenzenden Bäckerei-Café. Nach anderthalb Stunden Anfahrt muss ich erst einmal den morgentlichen Kaffee wegbringen 🙂

Danach fährt mich das Taxi zum Bustarif nach Bornich. Ich steige auf einem nebligen Dorfplatz aus. Die Feuchtigkeit in der Luft ist deutlich zu merken. Aber ich habe unbändige Lust auf die heutige Etappe und freue mich wie Bolle auf die beiden vor mir liegenden Wandertage.

 

Im September bin ich ja nur bis Bornich gelaufen und dann zur Loreley zurückgewandert. Nun suche ich den Zuweg zum Rheinsteig, biege aber ein paar Querstraßen zu früh ab. Macht gar nichts – laut Karte kann ich auch diesen Weg nehmen.

 

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Rheinsteig (19) – im Freistaat Flaschenhals

Unterwegs auf dem Rheinsteig zwischen Kaub und Lorch

15,3 km (inkl. Zuwege), die offizielle 16. Etappe, meine persönliche Etappe 19

gewandert am 25. September 2016

gpx-Track: https://www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de/de/tour/praedikats-fernwanderweg/rheinsteig-16.-etappe-kaub–lorch-nord-sued-/1558249/#dm=1

In den letzten Wochen war das Schreiben meiner Berichte vom Rheinsteig meine Belohnung für getane Arbeit. Andere gönnen sich auch etwas Schönes, wenn sie viel zu tun haben, ich habe mir Zeit gegönnt und mir erlaubt, zu schreiben. Jetzt ist wieder so ein Moment. Ich möchte meine Berichte nämlich nicht mehr so lange hinziehen lassen, da ich noch weitere in petto habe von meinen Wanderurlauben des letzten Jahres.

Es ist Ende September, strahlender Sonnenschein und warm bis weit über 25° C. Da muss man doch hinaus! Bei meinen letzten beiden Etappen fehlten mir ja noch einige Kilometer und für die kommende Tour wollte ich mit dem Bus zum Start fahren, der aber nur wochentags als Taxibus auf Bestellung fährt, so dass ich mich für diesen Sonntag für die übernächste Etappe von Kaub nach Lorch entscheide.

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Rheinsteig (18) – von der Loreley gelockt!

Unterwegs auf dem Rheinsteig rund um die Loreley bei Sankt Goarshausen

12,9 km, Teil der offiziellen 15. Etappe, meine persönliche Etappe 18

gewandert am 10. September 2016

Gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-rundtour-loreley/113583972/

Dieser Wandertag gehörte mal wieder in die Kategorie: „Es kommt anders als geplant…“ Seit Fronleichnam war ich nicht mehr auf dem Rheinsteig gewandert. Für diesen Samstag war heißes, sonniges Wetter angesagt worden. Ich will eine neue Route wagen.

Das letzte Mal habe ich ja den Teil zwischen Wellmich (Burg Maus) und Sankt Goarshausen (Rabenacksteig) wegen der Gewittersorge weggelassen, das waren ca. 4 km Rheinsteig. Die nächste Etappe bis Kaub ist die sogenannte Königsetappe und sie ist 22 km lang, was mir eindeutig zu lang ist. Vorher gibt es aber nur eine Möglichkeit, die Etappe zu verkürzen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzufahren – und zwar an der Loreley. Deshalb habe ich geplant, ab Sankt Goarshausen Nord den Rheinsteigschlenker über Patersberg zu laufen und danach die Loreley zu besteigen. Von dort fährt regelmäßig ein Linienbus zurück zum Bahnhof. Beim nächsten Mal kann ich dann wieder mit dem Bus zur Loreley fahren und bis Kaub wandern.

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Blick über den Rhein: Sankt Goar
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Burg Rheinfels über Sankt Goar

So fahre ich also motiviert nach Sankt Goarshausen, parke mein Auto am Bahnhof und laufe schon um 9 h los. Doch kaum habe ich die Unterführung am Bahnhof durchschritten und den Rheinsteig erreicht, stehe ich vor einem Schild, das mich darüber informiert, dass der Rheinsteig nach Süden wegen eines Erdrutsches gesperrt ist! Mist! Also muss ich umdenken. Im Internet steht, man solle die Schleife um Sankt Goarshausen weglassen.

Ich sehe auf meiner Wanderkarte, dass der Rheinsteig im Süden von Sankt Goarshausen wieder kurz durch die Stadt streift. Also laufe ich über die Hauptstraße bis dorthin und erreiche beim alten Rathaus den Rheinsteig. Continue reading „Rheinsteig (18) – von der Loreley gelockt!“

Rheinsteig (17) – traumhafte Aussichten

Unterwegs von Kestert nach Sankt Goarshausen

11 km, die offizielle 14. Etappe, meine persönliche Etappe 17

gewandert am 26. Mai 2016

Es ist Fronleichnam und ich kann mich von meinen beruflichen Pflichten loseisen. Ich fahre nach Kestert. Am Bahnhof sind leider keine Parkplätze mehr frei. Erst neben der Kirche finde ich noch einen halbwegs akzeptablen Parkplatz, bei dem ich nicht befürchten muss, nachher mein Auto bei der Polizei abzuholen. Ich quetsche mich ganz nah an die Kirchenmauer und hoffe, dass heute kein LKW daran vorbei passen muss.

Heute morgen habe ich noch etwas gearbeitet, weswegen ich erst gegen 12 h vor Ort bin. In einem Hotel-Restaurant an der Uferstraße gehe ich noch einmal zur Toilette und frage nachher die Wirtin nach dem Rheinsteig-Zuweg. Sie weist mir den Weg durch die Pulsbachklamm.

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Erst spät, nachdem ich schon eine recht lange, ungemütliche Strecke an der viel befahrenen Uferstraße entlang gelaufen bin, wird mir mein Irrtum klar. Die Pulsbachklamm ist zwar wunderschön und ich bereue es auch nicht, durch sie hindurch gelaufen zu sein, doch dadurch sind mir 2,5 km Rheinsteig „durch die Lappen“ gegangen. Naja, vielleicht hole ich die ja auch nochmal nach. 🙂

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Pulsbachklamm

Der Weg in der Klamm ist mit Brennnesseln sehr zugewachsen. Vor mir dreht ein junges Pärchen nach 100 m wieder um, weil beide aufgrund der sommerlichen Temperaturen kurze Hosen anhaben und nicht ohne Berührung mit den Nesseln laufen können. Die Klamm ist ein Kleinod. In kleinen Kaskaden fließt der Bach zu Tal. Auf den aufwärts führenden Weg muss ich aber sehr achtgeben, denn er ist schmal, teils rutschig und an der Bachkante stellenweise abgebrochen. Es ist angenehm schattig bei dem warmen Wetter.

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Nach 3,2 km gelaufenen Kilometern erreiche ich endlich den Rheinsteig. Ein wunderschöner Weg schlängelt sich an der Hangkante entlang durch den in dieser Gegend so typischen Eichenwald. Hie und da schauen Schieferfelsen aus dem Grund hervor, der Weg ist durchzogen von Wurzeln. Gute Trittsicherheit ist nötig.

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Rheinsteig (15) – ich überwinde meine Grenze

Unterwegs auf dem Rheinsteig zwischen Filsen und Kestert

ca 15 km, gewandert am 17. März 2016, offizielle 12. Etappe (zweiter Teil) & 13. Etappe, meine persönliche Etappe 15

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-12.-etappe-teil-b-und-13.-etappe-von-filsen-nach-kestert/113558024/

Mal was anderes: In einem Wanderblog las ich folgenden Satz einer Wanderin, die vor einem Wegweiserschild stand: „Ich wollte gerade aus wandern.“

Ich finde die Doppeldeutigkeit dieses Schreibfehlers total nett, da die Dame sich zufälligerweise auch nahe der deutschen Grenze befand. Wollte sie nun die Richtung beibehalten und  geradeaus wandern oder wurde es ihr in Deutschland zu blöd und sie wollte tatsächlich gerade auswandern?

Ich bin immer wieder fasziniert, wie man mit unserer Sprache spielen kann und durch kleine Nuancen Stimmungen erzeugen, aber auch den Sinn völlig verändern kann. Kennt ihr ähnliche Sätze? Schreibt sie mir doch mal in die Kommentare, bitte!

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Im Jahr 2016 ging mein Rheinsteigabenteuer natürlich weiter, aber nur langsam. Ich kam nicht so oft dazu, mein Ziel weiter zu verfolgen. Zunächst „holte“ ich die bis jetzt ausgelassenen Rheinsteigkilometer rund um meine Heimat „nach“. (Siehe Blogbeitrag: „Rheinsteig (6, 14, 16 & 20) – Nachsitzen“)

Sobald die Tage länger wurden, konnte ich auch wieder mehr Kilometer einplanen, aber auch die weiteren Anfahrten mussten zeitlich nun mit einbezogen werden. Während der Planungen schreckten mich aber leider auch Beschreibungen in meinem Wanderführer über steile, rutschige Passagen ab, für die man unbedingt Schwindelfreiheit und Trittsicherheit brauche. Von einem Klettersteig bei St. Goarshausen las ich und konnte auch auf (Online-)Karten erst nicht erkennen, ob man den gehen muss oder umgehen darf! Da lief mein Kopfkino auf Hochtouren! Ich suchte nach YouTube-Videos, die mir sichtbare Hinweise geben würden. Erst die Erfahrung vor Ort gab mir nach und nach die Sicherheit, dass „nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde“ und dass ich diese „besonderen Wegbeschreibungen“ in Zukunft etwas ignorieren konnte. Es war nämlich alles gar nicht schlimm!

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in Filsen

Im März war es dann endlich so weit: Ein toller Tag, kein einziges Wölkchen trübte den tiefblauen Himmel. Rheinstieg, ich komme! Continue reading „Rheinsteig (15) – ich überwinde meine Grenze“

Mystisch – schöner Rheinsteig (13)

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Braubach nach Osterspai

11, 8 km, Teil der offiziellen 12. Etappe, meine persönliche Etappe 13

gewandert am 28. Dezember 2015

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/romantischer-rhein/rheinsteig-12.-etappe-teil-a-von-braubach-bis-osterspai/113544510/

Nach den Weihnachtsfeierlichkeiten im Jahr 2015 sollte es noch eine letzte Rheinsteigwanderung im alten Jahr sein. Bei uns in Bonn war strahlender Sonnenschein und ein mildes Klima angesagt, ein wunderbarer Winterwandertag! Ab ins Auto und nach Braubach!

Doch je näher ich der Koblenzer Bucht und schließlich Braubach kam, desto dichter wurde der Nebel oder Dunst. Als ich ausstieg, stand ich in einer feuchtkalten grauen Einheitssuppe. Och nö!! So haben wir nicht gewettet! Bei hoher Luftfeuchtigkeit laufe ich doch immer so langsam…..! Soll ich überhaupt losgehen? Brr, ist das kalt! Ich wollte doch so schöne Ausblicke genießen heute!

Zwei Autos neben mir schnürte sich gerade ein junges Wanderpärchen die Stiefel. Was die können, kann ich auch! Genug gezögert und gejammert!

Genau wie das Wanderpärchen führte mich mein erster Weg in die örtliche Touristeninformation. Ich bekam dort gleich drei Stempel für meinen Wanderpass. Danach traf ich wieder mal eine für mich sehr typische Entscheidung: auf dem Burgberg mit der Marksburg, die sich stolz über Braubach erhebt, bin ich schon zweimal gewesen. Heute war absolut kein Ausblick zu erwarten und am Ende ginge es sowieso den Berg wieder hinab. Also, warum unnötig hoch kraxeln, wenn ich auch außen um den Berg herumgehen kann? Gedacht – getan! Der Weg war zwar nicht schön, aber einfach zu gehen. Erst bei der Bartholomäuskapelle traf ich wieder auf den Rheinsteig und dort auch wieder auf das Wanderpärchen, das den „richtigen“ Weg gegangen war.

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Rheinsteig (12) – das Mittelrheintal ruft!

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Oberlahnstein nach Braubach

9,3 km, offiziell die 11. Etappe, meine persönliche Etappe 12

gewandert am 22. Dezember 2015

Gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/lahntal/rheinsteig-11.-etappe-ab-oberlahnstein-bis-braubach/113542754/

Am ersten Tag meines Weihnachtsurlaubs darf es wieder eine weitere Rheinsteigetappe sein. Die nicht so spektakulären und wettermäßig wenig ansprechenden vergangenen Etappen haben meiner Rheinsteigsehnsucht keinen Abbruch getan. Heute ist es trocken und ich will hinaus! Ich warte noch die Weihnachtspaketpost ab und komme daher erst um 11:20 h los. Gut, dass die anstehende Etappe nicht so lang ist, sonst käme ich womöglich noch in die Dämmerung. Eine gute Stunde später bin ich in Oberlahnstein.

Warum starte ich in Ober- und nicht in Niederlahnstein? Erstens: Ich muss zur Touri-Info in Oberlahnstein für meinen Stempel. Zweitens: Von Niederlahnstein müsste ich „umsonst“ erst einen Berg hinauf, um dann durch die schon bekannte Ruppertsklamm wieder zur Lahn abzusteigen, diese überqueren und dann den Berg hinauf laufen, den ich von Oberlahnstein aus auch nehmen kann. Ich mag bekannte Wege nicht gern doppelt gehen. Drittens: die Busverbindung für die Rückfahrt ist besser.

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Hexenturm in Oberlahnstein

Ja, richtig erkannt. Ich bin etwas bequem und nehme nicht unbedingt einen Berg zu viel :-). Und so fahre ich eben direkt nach Oberlahnstein, stelle mein Auto auf einem Platz neben dem Hexenturm ab und verschwinde kurz in der dort ansässigen Touri-Info. Die nette Dame, die mir den Stempel aufdrückt, fragt mich, in welche Richtung ich heute laufe und ich erkläre es ihr. Ungläubig starrt sie mich an: „Allein? Auch die Kerkertser Platte?“

Wenn jemand mir so begegnet, arbeitet das etwas in mir und macht mir auch etwas Angst. Ist denn diese Platte gefährlich? In meinem Wanderführer steht nichts Spezielles darüber. Ach, was! Wird schon nicht so schlimm sein.

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Rheinsteig (10 & 11) – wandern in Stadtnähe

Unterwegs auf dem Rheinsteig zwischen Vallendar und Niederlahnstein

gelaufen am 12. & 13. Dezember 2015, die offiziellen 9. & 10. Etappen, meine persönlichen Etappen 10 und 11

8 km (12 km mit Zuwegen) & 11, 2 km

Etappe 9: https://www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de/de/tour/praedikats-fernwanderweg/rheinsteig-09.-etappe-vallendar–koblenz-ehrenbreitstein-nord-sued-/1558259/#dm=1
Etappe 10: https://www.tourenplaner-rheinland-pfalz.de/de/tour/praedikats-fernwanderweg/rheinsteig-10.-etappe-koblenz-ehrenbreitstein–niederlahnstein-nord-sued-/1505907/

Bei der nächsten Etappe kann ich Doris von meiner Rheinsteigbegeisterung überzeugen und sie auf zwei Etappen mitnehmen. Da es im Dezember nicht lange hell ist und wir auch noch auf den Koblenzer Weihnachtsmarkt gehen wollen, kommen uns die beiden kurzen Etappen vor und nach Koblenz gerade recht. Wir mieten uns für eine Übernachtung in Koblenz ein, lassen das Auto am Hotel stehen und fahren mit dem Bus von Koblenz nach Vallendar, wo ich meine letzte Wanderung zwei Wochen zuvor beendet hatte.

Wandert man zu zweit, wird viel mehr geschnackt und sich mit dem Gegenüber beschäftigt. Das fällt mir gerade auf, denn in meinem Tagebuch von dieser Wanderung stehen gerade mal zwei Sätze und die Anmerkung, dass der Weg „wenig anspruchsvoll und nicht sehr wanderig“ ist. Das könnte aber auch dem nasskalten Dezembertag geschuldet sein. Es befinden sich auch nur vereinzelte Fotos von Doris auf meinem Rechner, weil leider meine SD-Karte zerstört wurde.

Jetzt muss ich schauen, ob ich mich noch an mehr erinnern kann!? Der Wandertag liegt ja auch schon zwei Jahre zurück 🙂

12.12.15: Wir schauen uns kurz in Vallendar die hübschen alten Fachwerkhäuser und die Nepomukbrücke an und starten dann unsere Wanderung mit dem mir schon bekannten Zuweg durch die Fußgängerzone. Der Weg führt uns bald aus dem Ort hinaus zur Pilgerzentrale Schönstatt. Aus Neugier besuchen wir das Gelände und betreten auch den beeindruckenden kreisrunden, riesigen Pavillon, der für Gottesdienste oder andere Versammlungen genutzt wird.

Durch ein Bachtal steigt der Weg stetig an. Insgesamt handelt es sich um eine recht urbane Etappe, die immer wieder Ortschaften und eine Kaserne tangiert, nach Vallendar ist es Urbar, passend zum Adjektiv. Bei Km 6,6 km erreichen wir das Plateau oberhalb der Festung Ehrenbreitstein, wo 2011 die Bundesgartenschau stattgefunden hatte. Schade, dass hier mittlerweile fast Ödnis herrscht. Eine Aussichtsplattform und die Kabinenseilbahn über den Rhein sind erhalten geblieben.

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Ausgiebig besichtigen wir die Festung Ehrenbreitstein – echt sehenswert! Mit der Seilbahn fahren wir zum Deutschen Eck hinunter.

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Aus der großen Basilika St. Kastor erklingt Chorgesang und ich schaue kurz hinein, während Doris telefoniert. Es findet gerade die Generalprobe von Bachs Weihnachtsoratorium statt. Ich tauche spontan in dieses beeindruckende Musikerlebnis ein und erinnere mich an meine Zeit in zwei großen Oratorienchören, als wir das Stück jedes Jahr vor Weihnachten gleich zweimal aufgeführt haben. Damals hing es mir fast zu den Ohren raus, jetzt war es umso berührender, die fünf Paukenschläge, mit denen das Stück beginnt oder die brillanten Trompeten zu hören sowie jede Chorpassage auswendig mitsingen zu können. Das Ambiente der Kirche gibt sein Übriges hinzu. Gänsehaut.

Nach dieser Pause laufen wir zu unserem Hotel etwas außerhalb der Innenstadt, machen uns frisch und starten wieder zu einem Bummel über den Weihnachtsmarkt.

13.12.15: Am nächsten Morgen checken wir aus und parken das Auto am Bahnhof von Koblenz.

1 Blick auf Ehrembreitstein
Blick auf Ehrenbreitstein
2 Blick aufs Koblenzer Schloss
Koblenzer Schloss

Der Himmel verheißt auch heute kein bisschen Sonnenschein. So suchen wir uns unseren Weg über die große Rheinbrücke ans rechte Rheinufer, um dort dem Rheinsteig nach Süden weiter zu folgen.

Durch das idyllische Bienhornbachtal verläuft der Weg auf die Höhe und von da an durch den dichten Wald.

3 im Bienenhorntal4 Misteln im Baum

Lange suchen wir nach einer geeigneten Bank zum Picknicken. Den in unserem Führer erwähnten Aussichtsturm auf dem Lichter Kopf gibt es nicht mehr. Naja, es gäbe ja eh nichts zu sehen. Zugig und feucht weht uns der Wind um die Ohren. Beim Abstieg Richtung Ruppertsklamm und Bahnhof Niederlahnstein kommt uns eine Sinnesliege für ein Fotoshooting ganz recht.

 

Die Ruppertsklamm lassen wir an diesem Tag aus, die sind wir im vergangenen Sommer bei schönen Wetter mit Doris‘ Tochter schon gewandert. Und im Nachhinein würde ich auch unbedingt empfehlen, sie besser hinauf und nicht – wie der N-S Rheinsteig – hinunter zu laufen. Das sind Bilder von damals:

9 Lahnstein
Lahntal
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Blick auf Stolzenfels

Mit dem Zug fahren wir zurück nach Koblenz. Kaum am Auto angekommen, öffnen sich die Himmelsschleusen und es gießt in Strömen. Noch mal Glück gehabt…

Zurückblickend müssen Doris und ich uns eingestehen, dass diese beiden Kurzetappen nicht sehr reizvoll waren. Lag es an der Jahreszeit und am Wetter? Es käme darauf an, den Test zu einer netten Jahreszeit zu wiederholen, oder?

 

Keine Höhenangst am Oelsbergsteig

Unterwegs auf dem Oelsbergsteig am RheinBurgenWeg bei Oberwesel am Rhein

Ca 4,9 km (hin und zurück), gegangen am 24. September 2017
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(c) Heikes Heimatwandern

„Hä, Steig? Ich denke, Aurora hat Höhenangst!“, werden aufmerksame LeserInnen meines Blogs jetzt vielleicht gedacht haben. Denkste! Ab heute nicht mehr!

Das war zumindest mein frommer Wunsch als ich mich zum Kurs „Höhenangst überwinden“ bei Heike Tharun (Heikes Heimatwandern, http://www.tharun-touren.de) angemeldet hatte. Diese Höhenangst oder der Höhenschwindel, genauso auch wie die Angst zu fallen, begleiten mich schon längere Zeit. Manchmal tritt die plötzliche Panik unvermittelt und schnell auf, manchmal belastet sie mich nur wenig.

An diesem nebligen Sonntag erlebte ich eine „Spontanheilung“ 🙂

Schon die Anfahrt zum Günderodehaus oberhalb von Oberwesel war spannend: Continue reading „Keine Höhenangst am Oelsbergsteig“