Moselsteig – Etappe 19: habe fertig!

Unterwegs auf dem Moselsteig zwischen Pommern, Klotten und Cochem, Etappe 19

mit Zuwegen 14,6 und 11,3 km

gewandert am 30.3. und 1.4.2018

Bei unserem diesjährigen Oster-Kurzurlaub an der Mosel quartierten Doris und ich uns in Cochem-Sehl ein. Im „Haus Erholung“ fanden wir, was der Name versprach. Doch bevor wir am Karfreitag in unser Zimmer eincheckten, wollten wir die Etappe 19 wandern. Im letzten Jahr hatten wir schon ein kleines Stück von Pommern nach Treis-Karden gemacht, es fehlten uns also noch rund 19 km dieser Königsetappe. Beide waren wir vorher krank gewesen und nicht so trainiert, so dass wir ausmachten, in umgekehrter Laufrichtung in Pommern zu starten und zu schauen, wie weit wir kämen. In Klotten gab es nämlich einen Bahnhof und der Moselsteig führte geradewegs daran vorbei. Und so ergab es sich, dass uns am ersten Wandertag der Abschnitt bis Klotten genügte und wir dafür am Ostersonntag die restlichen 6,7 km in Angriff nahmen. Da beide Teile jeweils einen starken Auf- und Abstieg beinhalteten und wir zwischen Hotel und Bahnhof weitere 3,5 km zurücklegten, reichte das für den etwas verregneten Feiertag.

1. Teil Karfreitag

Nun aber zurück zum Karfreitag, der uns freundlich begrüßte, was die Vorfreude auf die bevorstehenden Wandertage noch verstärkte. In Pommern folgten wir dem erstbesten Moselsteig-Wegweiser, verloren dann aber die Spur des Wegs. Ein freundlicher Anwohner wies uns die Richtung, was sich zwar als Fahrstraße Richtung Klotten herausstellte, nicht aber der gewünschte Wanderweg war. Kein Problem, wir sind ja des Lesens einer Wanderkarte mächtig (die wir allerdings erst einen Tag später erstanden haben – hier war es das Wandernavi 🙂 ). Wir folgten nur ein ganz kurzes Stück der kurvenreichen Straße, die sich zwischen Weinbergen den steilen Hang hinaufschob und erreichten eine Kreuzung mit dem Moselsteig. Nun liefen wir beschwingt in leichtem Auf und Ab auf unserem Wanderweg unterhalb der riesigen, weißen Sonnenuhr von Pommern hindurch, linkerhand den Blick auf die Mosel gerichtet.

DSCN5657
*

DSCN7027DSCN7029

Da noch kein Grün an den Bäumen war, suchten meine Augen jede noch so kleine Farbigkeit am Wegesrand: die ersten Schmetterlinge, Buschwindröschen oder leuchtend gelbe Flechten.

Kurz überlegte ich, dass ich dieses Beige-Braun nun wohl immer mit dem Moselsteig in Verbindung bringen werde, wenn wir ihn jedes Jahr um Ostern herum wandern werden. Zum Glück ist das Osterfest nicht fix. Letztes Jahr war die Natur nämlich weiter gewesen, doch die Weinberge werden wohl immer nur braun in Erinnerung bleiben.

Schon bald sollten wir den Blick auf die Mosel für ein längeres Stück vermissen, Continue reading „Moselsteig – Etappe 19: habe fertig!“

Zum ersten Mal Moselsteig

Unterwegs an der Mosel zwischen Pommern und Kobern-Gondorf

Moselsteig – Etappen 19, 20 und 22

gewandert April (Ostern) 2017

„Sollen wir nicht mal an die Mosel fahren?“ – so lautete einst die Frage meiner Freundin Doris, mit der ich meistens meine Urlaube verbringe. Drei Tage über Ostern hatten wir gemeinsam Zeit. Gedacht, gesagt, getan. Wir fanden ein gutes Arrangement in Treis-Karden an der unteren Mosel und mieteten uns dort ein. Anreisetag war der Karfreitag. Wir fuhren bei strahlend blauem Himmel zum Schlosshotel Petry nach Karden (denn Treis ist auf der anderen Moselseite), durften morgens um 10 h bereits im Hotel einchecken und machten eine halbe Stunde später direkt vom Hotel aus die ersten Schritte auf dem Moselsteig, denn die Etappe 20 startete direkt im Ort.

DSCN4190
Treis-Karden

An diesem Tag führte uns der wunderschöne Weg an der Hangkante oberhalb der Mosel entlang zu wunderbaren Aussichtspunkten….

 

 

DSCN4212

… durch Buxbaumwälder…

 

 

… an Kreuzwegen vorbei bis aufs Moselplateau…

 

 

und wieder hinunter zur Burg Eltz.

DSCN3396DSCN4235

Von dort nahmen wir entlang des Elzbaches den Zuweg nach Moselkern, wo wir mit dem Zug zurück nach Karden fuhren. Es war ein sonniger und warmer Tag Continue reading „Zum ersten Mal Moselsteig“

Moselsteig

In den letzten Tagen war ich wieder auf dem Moselsteig unterwegs. Dieser Fernwanderweg hat das Prädikat „Deutschlands schönster Wanderweg“ nach meiner Ansicht wirklich verdient!

Auf 365 Kilometern schlängelt sich der Weg von Perl an der Luxemburgischen Grenze bis nach Güls, einem Vorort von Koblenz, das bekanntlich am Rhein liegt. 2014 wurde der Moselsteig eröffnet und bereits 2016 gewann er in einer Publikumswahl den 1. Platz in der Kategorie Routen als Deutschlands schönster Wanderweg.

Weinberge, Relikte aus der Römerzeit, weitere Weinberge, mittelalterliche Burgen und – wer hätte es gedacht – noch mehr Weinberge prägen die Landschaft an der Mosel. Charakteristisch oder passend zu den steilen Weinlagen sind auch die Wanderwege, vor allem an der Mittelmosel, oft sehr steil.

Der Moselsteig ist mit den Qualitätssiegeln „Wanderbares Deutschland“ vom Deutschen Wanderverein und dem „Leading Quality Trail – Best of Europe“ der Europäischen Wandervereinigung ausgezeichnet. Continue reading „Moselsteig“

Rheinsteig – Stempeljagd

Ihr Lieben, hier ist der Beweis, dass ich mein Stempelheft vom Rheinsteig noch voll bekommen habe:

DSCN4955Stempelheft_LI

DSCN4957

Nach den ersten beiden Etappen hatte ich in Linz im Rathaus dieses Stempelheft gefunden. Auch eine Übersichtskarte des Rheinsteigs bekam ich dort, die ich mir an die Wohnzimmertür klebte und jedes neu gewanderte Teilstück gelb markierte.

DSCN6852

Das war sehr motivierend für mich. Continue reading „Rheinsteig – Stempeljagd“

Rheinsteig (25) – der Geruch ehrwürdiger Mauern

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Oestrich-Gottesthal nach Kiedrich

11,5 km, zweiter Teil der offiziellen 19. Etappe, meine persönliche Etappe 25

gewandert am 12. April 2017

Gps-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-19.-etappe-teil-b-von-oestrich-winkel-nach-kiedrich/113977222/

Ich hatte eine insgesamt etwas unruhige Vollmondnacht in der Pension Kühns Mühle in Oestrich- Gottesthal verbracht. Mein Rücken beschwerte sich heftig. Dennoch hatte ich große Lust, weiterzugehen. Fröhlichen Mutes ging ich um 7:30 h zum Frühstück. Ich war dort ganz allein. Höflich fragte ich nach einem Lunchpaket für den Tag und durfte mir für einen sehr kleinen Aufpreis ein belegtes Brötchen und ein hartgekochtes Ei mitnehmen.

Nun ging es los. Kaum aus dem Haus, stand ich schon auf meinem Wanderweg, der mich eine kleine Anhöhe hinaufführte, von der ich einen sehr schönen Weitblick ins Rheintal hatte.

DSCN3316
Blick zurück zur Pension

Da ich in der Pension keinen Stempel bekommen hatte und das Hotel Neugebauer, welches in der Nähe von Johannisberg direkt am Rheinsteig liegt und auch einen haben soll, noch Winterpause hatte, überlegte ich mir im Laufe des Wandertages wie ich daran kommen könnte. Lest bis zu Ende, da löse ich auf :-). 7 km bis Kloster Eberbach stand auf dem Wegweiserschild. Das ist doch nicht viel. Also los!

Auf der Anhöhe hinter der Pension erreichte ich eine Schutzhütte und sah eine weitere alleine wandernde Frau den Hügel hinauf kommen: Da war also noch jemand früh unterwegs, denn sie muss in einem der Orte vor meiner im Niemandsland gelegenen Pension gestartet sein. Für mich kam es ja nicht so häufig vor, schon am früheren Vormittag, d.h. ohne vorherige Anfahrt, unterwegs zu sein. Aber es gefiel mir.

DSCN3322

Continue reading „Rheinsteig (25) – der Geruch ehrwürdiger Mauern“

Rheinsteig (24) – Weinberge, Schlösser und Klöster

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Rüdesheim bis Oestrich-Gottesthal (Pension Kühns Mühle)

14,5 km mit Zuweg, offiziell zweiter Teil der 18. und Beginn der 19. Etappe, meine persönliche Etappe 24

gewandert am 11. April 2017

GPS-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-18.-etappe-teil-b-19.-etappe-teil-a-von-ruedesheim-ebental-nac/113944561/

„Im Menschen sind Feuer, Luft, Wasser und Erde, und aus ihnen besteht er. Vom Feuer hat er die Wärme, von der Luft den Atem, vom Wasser das Blut und von der Erde den Körper. Dem Feuer verdankt er das Sehen, der Luft das Hören, dem Wasser die Bewegung und der Erde seinen Gang.“

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Frühjahrsurlaub! Hinaus auf den Rheinsteig! Diese und die nächste Etappe habe ich wieder mit einer Übernachtung verbunden. So lohnte sich die weite Anfahrt von Bonn umso mehr. Die Bus- und Bahnfahrt nach Rüdesheim gestaltete sich bis Assmannshausen, eine Station vor meinem Ziel, auch reibungslos. Doch in Rüdesheim war ein LKW in die Oberleitung gefahren und hatte sie mitgerissen, so dass der Zug in Assmannshausen erst einmal stehen blieb und wartete, bis dann ein Schienenersatzfahrzeug zur Verfügung gestellt wurde. Der Bus fuhr uns über Berge und Dörfer und ich fragte mich echt, wo der hin wolle. Erst in Rüdesheim am Bahnhof verstand ich, warum er diesen Umweg genommen hatte, denn die Schranken am einzigen Bahnübergang zwischen Rheinuferstraße und Stadt waren heruntergelassen und von einem speziellen Schienenfahrzeug aus waren Handwerker damit beschäftigt, die letzten Reparaturen an der Oberleitung vorzunehmen. Der Bus hätte gar nicht am Rhein entlang fahren können. Also, hätte er schon, aber wir Fahrgäste wären hier nicht über die Gleise nach Rüdesheim gekommen. Somit war ich dem Busfahrer sehr dankbar für diesen Umweg, der mir auch interessante Einblicke ins Hinterland bescherte.

DSCN3227
in Rüdesheim

Mit 30 minütiger Verspätung kam ich in Rüdesheim an. Wie gut, dass ich es nicht eilig hatte und schon bei der Anfahrt eine zusätzliche Pufferzeit einberechnet hatte.  Das einzige, das ich in Rüdesheim noch zu erledigen hatte, war die Jagd nach dem Rheinsteigstempel (siehe vorigen Bericht) und dieses Mal erhielt ich ihn problemlos. An der Bäckerei Laquai nebenan setzte ich mich draußen in die Sonne und frühstückte erst einmal ausgiebig. Auch das hatte ich vorher so geplant. Da ich heute mein Übernachtungsgepäck mit mir herumtrug, wog mein nicht allzu großer Rucksack ordentlich und drückte mir ungewohnt auf die Lendenwirbelsäule.

DSCN3230

Gestärkt machte ich mich auf den Zuweg zum Rheinsteig, wo ich ihn das letzte Mal verlassen hatte. Die Abtei Sankt Hildegard grüßte mich wieder vom Berg oben. Bei Ebental erreichte ich meinen Wanderweg. Er verlief am Stegbach entlang und erreichte schon nach kurzer Zeit das ehemalige Kloster Nothgottes, heute ein Hofgut.

DSCN3232DSCN3234

Continue reading „Rheinsteig (24) – Weinberge, Schlösser und Klöster“

Rheinsteig (23) – Willkommen im Rheingau

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Assmannshausen bis hinter Rüdesheim (Ebental)

14,3 km (inkl. Zu-, Um- und Abwege), letztes Stück und Anfang der offiziellen 17. und 18. Etappe, meine persönliche Etappe 23

gewandert am 06. Januar 2017

Gps-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-teile-der-17.-18.-etappe-zwischen-assmannshausen-und-ruedeshei/113919862/ (korrigiert, ohne „Verlaufer“)

Mein Rheinsteigprojekt hat es ins Jahr 2017 geschafft!

Geschafft? Oder soll ich sagen, es hat sich bis ins Jahr 2017 hingezogen? Ich sehe das nicht so eng. Schließlich bin ich voll berufstätig und habe nicht jedes Wochenende Zeit, um Wandern zu gehen. Und ich habe mir meine Etappen oft für die schöneren Wetterlagen aufgespart :-).

So langsam kommt das Ende des Fernwanderweges in Sicht. Von Assmannshausen bis Wiesbaden sind es nur noch etwa 67 km. Da der Rhein bei Bingen einen Knick macht, kommt es mir tatsächlich so vor, als würde ich wie um eine Wegbiegung laufen und sich mir dahinter ein ganz neues Panorama eröffnen: der Rheingau heißt mich willkommen.

DSCN2649
in Assmannshausen

Es ist ein sehr sonniger, aber bitterkalter Januartag. Die Vorhersage spricht von -6° bis -12° C. Nach meiner schönen Erfahrung vom 1. November auf dem Rheinsteig sehne ich mich sehr nach einer Fortsetzung und so nehme die lange Anfahrt nach Assmannshausen – dieses Mal mit dem Zug – gerne in Kauf.

Bei Dunkelheit, morgens um 7 Uhr, verlasse ich mit dem Rucksack auf dem Rücken meine Wohnung. Ein Bus, ein IC und eine Regionalbahn bringen mich ans 110 km entfernte Ziel. Es ist so wunderschön aus dem Zugfenster den gesamten bereits gelaufenen Weg nachzuverfolgen. Ich schaue raus und murmele leise die Namen der Orte und Burgen, die an mir vorbeiziehen und die mir noch im Gedächtnis sind. Mit Umsteigen bin ich insgesamt zweieinhalb Stunden unterwegs. Daher habe ich im Vorfeld – auch wegen des kurzen Tages im Winter – keine allzu lange Etappe geplant. Ich kann entweder bis Rüdesheim oder nach Geisenheim laufen und von dort mit dem Zug zurückfahren. Die Fahrkarte habe ich entsprechend gebucht. So ein Kurztrip am Wochenende ist doch jedes Mal wie ein Urlaub!

DSCN2651

Continue reading „Rheinsteig (23) – Willkommen im Rheingau“

Circum Bonnum – Bonnpfad (3)

Unterwegs auf meinem Bonnpfad von der Mondorfer Fähre in Niederkassel bis Bonn-Kohlkaul, wo ich vor einer Woche gestartet bin.

11,4 km, praktisch keine Höhenmeter (43 Hm)

gewandert am 03.03.2018

GPS-Tracks: Etappe 1 und Etappe 2

 

Tada! Der Märzwinter, da isser! Ich hatte da so was im Gefühl …. Wollte ich nicht am Samstag meinen Bonnpfad in Rüngsdorf weiter verfolgen?

Über Nacht hat es wieder geschneit. Am Vorabend sah ich es schon leise rieseln. Das bedeutet am nächsten Morgen erst einmal Schneeschippen. Bei der Kälte und dem eisigen Untergrund zieht mich zunächst doch nichts nach draußen. Zu Mittag stiehlt sich dann plötzlich ein Sonnenstrahl durch die trüben Wolken und ich überlege mir spontan, doch noch loszuziehen. Aber ich suche mir eine flache Gegend aus und will die rechtsrheinische Seite des Bonnpfads von der Mondorfer Fähre zurück nach Bonn-Kohlkaul vervollständigen. Schon 15 Minuten später sitze ich im Bus.

DSCN6666
An der Mondorfer Fähre

Es war eine eisige Wanderung heute. Der erste Teil entlang des Rheins und der Sieg auch sehr hübsch, aber der weitere Wegverlauf über den Siegdamm Richtung Sankt Augustin-Meindorf oder durch die Felder nach Sankt Augustin-Hangelar war etwas eintönig und der Weg überwiegend asphaltiert. Da denke ich doch sehr über eine Verbesserung der Wegführung nach, was aber eine deutlich größere Umrundung Bonns bedeuten würde. Ich hätte diese Wanderung hier sonst auch nicht veröffentlicht, wenn sie nicht zum Bonnpfad gehört, der doch vollständig sein sollte. Also werde ich mal „im großem Stil ausholen“ 🙂 .

DSCN6668

Mondorf“ gehört heute zur Stadt Niederkassel. Der Name des Ortes leitet sich von „Mündungsdorf“ ab, denn hier fließt die Sieg in den Rhein. Und viele wissen es nicht, ab hier beginnt der geografische Niederrhein. Ich habe noch keinen Kölner getroffen, der sich als Niederrheiner sieht. Ihr etwa? Continue reading „Circum Bonnum – Bonnpfad (3)“

Rheinsteig (22) – Burgenblicke und Rheinpanoramen

Unterwegs auf dem Rheinsteig von Lorch nach Assmanshausen

15,3 km (mit Zuwegen), nicht die ganze, offizielle 17. Etappe, meine persönliche Etappe 22

gewandert am 1. November 2016

gpx-Track: https://www.outdooractive.com/de/wanderung/taunus/rheinsteig-17.-etappe-verkuerzt-lorch–assmanshausen/113766262/

In Hessen ist an Allerheiligen kein Feiertag. Ich frühstücke nach meiner Übernachtung im „Gästehaus Mittendrin“ in der angrenzenden Bäckerei. Das Frühstück dort ist im Zimmerpreis enthalten und ich darf mir ganz frei aussuchen, was ich möchte. Nach dem Frühstück zahle ich mein Zimmer in selbiger Bäckerei, gehe mein Köfferchen auf dem Zimmer holen, laufe zum Auto, verstaue meinen Koffer wieder darin und schultere meinen Rucksack. Dann laufe ich los.

Doch Stopp! Ich habe den Hotelschlüssel ja immer noch in meiner Jackentasche! Also, schnell nochmal zurück zur Bäckerei. Ups, peinlich! Endlich gegen 10 h ging es dann weiter. Der Rheinsteig, der direkt durch den Ort führt, windet sich auf einem kurvenreichen Sträßchen auf die Höhe hinauf und dort über einen breiten Weg durch die Weinberge, vorbei an alten Trockensteinmauern aus Schiefer. Der „Bächergrund“ ist ein Geländeeinschnitt, der umgangen werden muss, ohne groß an Höhe einzubüßen.

6 das Wetter wird noch gut

Es ist noch recht neblig. Lorch kann ich rückblickend noch erkennen, doch den Rhein oder die Berggipfel sehe ich nicht.

3 Morgennebel

7

Es ist bis jetzt recht einsam auf dem Weg und ruhig. Vielleicht hört man auch wegen des Nebels wenig von den Güterzügen, die ihm Tal vorbeirauschen? Von der anderen Rheinseite schallt mir um 11 h  langes Allerheiligen-Glockengeläut herüber, ohne, dass ich die Kirche oder den Ort Niederheimbach sehen kann. Ja, in Rheinland-Pfalz ist Feiertag. Das Wetter soll laut Vorhersage noch gut werden und so wird es auch! Aber es bleibt den ganzen Tag dennoch etwas diesig. Schaut her:

14

151113

Mit mehr und mehr Sonne erblicke ich auch die Burgen auf der anderen Rheinseite. Mein Wanderführer zählt sechs Burgen auf, ich erspähe nur zwei, eine davon neben einem riesigen Abbau-Areal: Burg Sooneck.

16

Nach zwei Wildgattern geht es sich besonders gemütlich auf ebenem Weg an der Bergflanke entlang. Der Hessenweg 7 begleitet mich.

23 Wegbegleiter

Nach einer Kurve öffnet sich der Blick und ein hübsch angelegter Rastplatz mit Schutzhütte und Bänken lädt zur Pause ein: Georgs Ruh. Hier treffe ich auch auf entgegen kommende Gleichgesinnte.

20 Aussicht
Georgs Ruh

Gespannt bin ich auf den Teufelskadrich. So richtig kann ich aus meinem Wanderbuch nicht herauslesen, was genau dieser Teufelskadrich ist: ein Fels oder ein Berg? Zumindest steht hier wieder etwas von hoher Konzentration und der schon oft erwähnten Trittsicherheit auf dem felsigen Steig dahinter. Heute macht mir die Aussicht darauf wieder etwas Bammel.

Hinterm Bodenbachtal mit einem kleinen dunklen Weiher und dem Abzweig zum Campingplatz Suleika kommt das Hinweisschild zum Teufelskadrich und ich laufe kurz ein Stück bergan und gehe dann gemütlich an seiner Hangflanke entlang. Der Untergrund ist steinig und an mehreren Stellen sieht man nur noch Geröllhalden, wo sonst nichts mehr wächst.  Hier muss sich wohl öfter mal Gestein lösen und zu Tal rutschen.

Stattliche Kiefern, knorrige Krüppeleichen und schlanke Birken und der mittlerweile blaue Himmel ergeben mit dem hellen Gestein ein wunderschönes Ensemble. Der breite Weg verläuft völlig eben und unproblematisch. An einer Aussichtsstelle steht eine Bank. So schön! Das ist wovor ich Bammel hatte? Dafür brauche ich Trittsicherheit?

29

30
Teufelskadrich

Vermutlich wäre es so gewesen, wenn ich einem kleinen Pfad links steil den Berg hinauf gefolgt wäre, der auf den Teufelskadrich hinwies, ich bleibe aber weiterhin dem so vertrauten, blauen Rheinsteigzeichen treu und der Weg führt mich leicht abwärts. Ich durchstreife dichten Laubwald und erreiche eine Wiese. Hier biege ich wieder in einen Wald ein und der Rheinsteig holt hier noch einmal zum Rundumschlag aus, so wunderschön und idyllisch ist dieser Abschnitt. Der mittlerweile schmale Pfad schlängelt sich zwischen urigen, knorrigen Bäumen und kleinen und größeren Felsbrocken hindurch.

32 am Bacharacher Kopf
am Bacharacher Kopf

33

Ja, stimmt, hier muss ich aufpassen, wohin ich trete. Trittsicherheit! Und dann kommt nach einer schmalen Wildtür ein recht unscheinbarer Fels, den es mit vier Schritten zu erklimmen gilt und wofür extra Halteseile angebracht sind. Da es rundum bewaldet ist, meldet sich mein Höhenschwindel überhaupt nicht. Ich steige beschwingt die wenigen Felsstufen hoch und denke bei mir: „Wenn das alles gewesen ist, nehme ich spätestens jetzt alle Hinweise in meinem Buch auf Trittsicherheit, die mir so oft im Vorhinein Unbehagen verursacht haben, nicht mehr ernst!“

3435 Kletterpartie

Der Weg ist wunderschön. Was will ich mehr?

Schon wenige Meter weiter verändert sich die Landschaft und ich stehe in den Weinbergen von Assmannshausen, dem Assmannshauser Höllenberg. Kalter, scharfer Wind ist aufgekommen. Daher lockt es mich auch nicht, in dem filigranen Metall-Pavillon eine Pause zu machen. Die berühmt-berüchtigten Weinhäuschen oder Weinschränke, aus denen man sich von dem Rebensaft bedienen kann, entdecke ich irgendwie nicht – außer einen, der ist leer 🙂

Habe ich eigentlich schon erwähnt, wie schön das Weinlaub Farbe in die Novemberlandschaft zaubert?

41

42 Aßmannshausen
Blick auf Assmannshausen
43
Assmannshauser Höllenberg (Weinlage)

Doch der Abstieg über die letzten 3 km zieht sich eine Dreiviertelstunde lang hin. Ich laufe nur noch auf Asphalt. Unter mir liegt Assmannshausen und ich sehe auch den Sessellift, der auf den Niederwald-Berg hinauffährt. Ebenso den Anstieg der nächsten Etappe habe ich gut im Blick.

Im Ort angekommen laufe ich sogar zur Talstation der Sesselbahn, die heute ihre letzte Fahrt vor dem Winter macht, aber nicht, um mich hinaufbringen zu lassen, sondern um mir einen Rheinsteigstempel abzuholen. Erst Ende März wird der Sessellift wieder öffnen.

44

Auf dem Weg zu dem hässlichsten Bahnhof, den ich je gesehen habe, lasse ich die Wanderung Revue passieren. Sie hat mich nicht so inspiriert, ich bin ein kleines bisschen enttäuscht. Kommt das, weil die Etappe am Tag zuvor so phantastisch war?

Jetzt beim Schreiben und Hochladen der Bilder allerdings gefällt mir die Etappe wieder richtig gut.

Nach meiner Bahnfahrt zurück nach Lorch kehre ich noch einmal kurz auf einen Kaffee im Weingut Rößler ein.

 

Circum Bonnum – Bonnpfad (1)

Unterwegs auf meinem selbstgebastelten „Bonnpfad“,

1. Etappe südöstlich von Bonn.

gewandert am 25. Februar 2018,

9,3 km, 161 Hm

GPS-Tracks: Etappe 1 und Etappe 2

Es gibt den Kölnpfad, den D-Weg rund um Düsseldorf, aber keinen Wanderweg um Bonn herum. Also schaue ich, dass ich ihn selbst erfinde. Bei Outdooractive nutze ich dafür den Tourenplaner.

Von meinem Wohnort aus erreiche ich den Track am schnellsten in Großenbusch, das an der Stadtgrenze zu Sankt Augustin liegt. Von dort geht es an Bonns Grenzen entlang im Uhrzeigersinn einmal um die Stadt herum. Heute aber nicht alles auf einmal – das wären nämlich mehr als 60 km! Doch an diesem sonnigen Nachmittag ist die erste Etappe dran. Ich weiß noch nicht, bis wohin diese erste Etappe geht. Ich laufe solange, wie es passt.

Morgens stand noch etwas Arbeit an und so starte ich erst nach dem Mittagessen gegen 14:30 Uhr. Sobald ich den Track erreiche, sehe ich die Schilder des Sieghöhenwegs.

Der Sieghöhenweg war ein 141 km langer Wanderweg des Sauerländischen Gebirgsvereins, der von der Quelle über die Freusburg und Windeck bis zur Siegmündung bei Mondorf am Rhein verlief. Er war mit einem weißen S auf schwarzem Grund oder nur mit einem XS markiert. Durch die Errichtung des „Natursteig Sieg“ wurde der Sieghöhenweg aufgewertet und es wird daher vom SGV nur noch der Abschnitt zwischen Quelle und Windeck gepflegt. Die Markierungen, die ich hier sehe, sind aber teilweise neu und vom Westerwaldverein.

Nachtrag 04.03. – Korrektur: Beim Sauerländischen Sieghöhenweg muss es sich um den „Sieghöhenweg Nord“, also nördlich der Sieg handeln. Der von mir begangene Sieghöhenweg ist die südliche Variante und sie wurde erst 2010 eingerichtet. Daher wird der Weg auch vom Westerwaldverein gepflegt.

Continue reading „Circum Bonnum – Bonnpfad (1)“